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Mit einer neuen Leber ins Leben starten

Organtransplantationen Mit einer neuen Leber ins Leben starten

Kleine Leute, große Herausforderungen: Organtransplantationen an Kindern sind aus vielerlei Gründen kompliziert. Seit 2007 haben in Kiel fast 100 Kinder eine Transplantation erhalten und führen ein fast ganz normales Leben.

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Für Marina und ihre Mutter Ute Piske (links) ist „Brückenschwester“ Meike Franke eine wichtige Ansprechperson.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Kleine Leute, große Herausforderungen: Organtransplantationen an Kindern sind aus vielerlei Gründen kompliziert. Im Jahr 2007, also 30 Jahre nach der Premiere bei Erwachsenen, nahm die Kieler Uni-Klinik erstmals Lebertransplantationen an Kindern vor. Das war der Beginn einer sehr segensreichen Ära: Nahezu 100 junge Menschen verdanken dem Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein mittlerweile ihr Leben. Zum fünften Mal bat das Klinikum am Sonntag zum sogenannten Kinder-Transplantationstag.

Eingeladen waren Familien mit Kindern, die in den vergangenen Jahren eine Organtransplantation erhalten haben oder die derzeit wegen einer anstehenden Transplantation in Behandlung sind. Kontakte knüpfen, sich über Erfahrungen und Probleme austauschen, das ist ein wichtiger Effekt dieser Treffen.

Die ersten Erfahrungen bedeuten fast immer pure Angst. Meist ist es eine Fehlanlage der Gallenwege, die bei Babys, kaum dass sie geboren sind, schwere und binnen kurzer Zeit tödliche Leberschäden hervorruft, erläutert Kinderarzt Dr. Sebastian Schulz-Jürgensen. Wirklich heilsame Therapien gibt es nicht, die einzige Rettung ist ein Spenderorgan.

„Es war echt schlimm damals, die Angst um unser Kleines und die ganzen Belastungen. Nach der Geburt waren wir fast nie zu Hause, sondern immer in Kliniken und bei Ärzten.“ So erinnert sich Ute Piske an die Zeit, als ihre Tochter Marina zur Welt kam. Das Baby, das eigentlich nur eine Lebenserwartung von wenigen Monaten hatte, ereilte ein glückliches Schicksal. Es erhielt eine Lebendspende seiner Mutter, wurde mit drei Monaten operiert und führt längst ein nahezu normales Leben.

Günstig ist dabei laut Prof. Felix Braun vom Kieler Transplantationszentrum, dass sich die Leber problemlos teilen lässt. Babys erhalten gewöhnlich zwei von acht Segmenten einer ausgewachsenen Leber, wohingegen nierenkranke Säuglinge jahrelang auf Dialyse angewiesen sind, ehe sie ein Spenderorgan aufnehmen können.

Bei Marina wurde die Transplantation in Hamburg vorgenommen, weil es in Kiel noch nicht die Möglichkeit dazu gab. Marina ist inzwischen 13, muss morgens und abends Medikamente gegen Abstoßungsreaktionen nehmen, unterscheidet sich sonst aber nicht von Gleichaltrigen. Sie geht aufs Gymnasium und spielt mit ebenso viel Begeisterung wie Erfolg Tischtennis. Nicht, weil die Ärzte Sport ausdrücklich empfehlen, sondern „einfach weil es mir Spaß macht“, wie sie betont. Vergangenes Jahr siegte sie bei den Weltspielen der Transplantierten und hatte sogar besonders viel Spaß.

Ein eher ernstes Thema kann dagegen die Pubertät bei Jugendlichen im Alter von Marina sein. Viele Jahre sorgsam behütet, beginnt die Abnabelung von den Eltern. Im Kopf geht es statt um die Medikamente um ganz andere Themen, erste Partys und erste Begegnungen mit Alkohol stehen an.

In solchen Phasen ist Meike Franke oft die erste Ansprechpartnerin. Als „Brückenschwester“ begleitet sie den Weg ihrer Schützlinge in die Selbstständigkeit und ist bei Problemen zur Stelle, die Jugendliche lieber nicht mit den eigenen Eltern besprechen wollen. Die gelernte Kinderkrankenschwester, die in verschiedenen Kliniken schon mehr als 800 transplantierte junge Menschen begleitet hat, musste bisher noch nie eine pubertätsbedingte Katastrophe erleben. Regelmäßig die Medikamente nehmen und Alkohol ganz meiden oder allerhöchstens mal in sehr geringen Mengen zu sich nehmen, das sind die wichtigsten Regeln. Und sie werden fast immer befolgt, berichtet Meike Franke: „Die Jugendlichen sind sich sehr bewusst, dass sie achtsam mit ihrem Körper umgehen müssen.“

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