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Hitzige Diskussion über Seniorenarbeit

Ortsbeirat Gaarden Hitzige Diskussion über Seniorenarbeit

Die offene Seniorenarbeit in Kiel soll neuerdings nach dem Konzept der „Lebendigen Nachbarschaften“ funktionieren. Was im Ortsbeirat Gaarden prompt zu einer lebendigen Diskussion geführt hat.

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Das interkulturelle Stricken in der Räucherei ist immer gut besucht: Weil darin schon jetzt viel Ehrenamt steckt, dürfte es solche Angebote auch in Zukunft geben.

Quelle: mag: Martin Geist

Gaarden. Die neuen Senioren sind älter, kommen aus vielerlei Kulturkreisen, sie sind häufiger arm und wegen der nachlassenden Bedeutung familiärer Bande eher einsam. Auf Basis dieser Einschätzungen haben Vertreter der Stadt und der freien Träger ein neues Konzept ausgearbeitet, das sich zuallererst auf die klassischen Seniorentreffs auswirken dürfte. So heißt es in dem Papier: „Die Begegnungsstätten und Bürgertreffs werden künftig zugunsten stärkerer aufsuchender und vernetzender Arbeit auf eigene Veranstaltungen verzichten und ehrenamtliches Engagement fördern und begleiten.“ Vorangetrieben werden soll das durch „Anlaufstellen, die die Angebote im jeweiligen Ortsteil vernetzen, Mitwirkungs- und Beratungsmöglichkeiten schaffen sowie ehrenamtliches Engagement mit einbinden“.

Laut Kathrin Weighardt, bei der Kieler Arbeiterwohlfahrt Teamleiterin für die Seniorenarbeit, sind diese Anlaufstellen trägerübergreifend tätig. Ihre Aufgabe sei es, ältere Menschen mit bestimmten Bedürfnissen auf bereits bestehende Angebote zu verweisen. Und ihnen auch – etwa durch Begleitung oder Vermittlung von Fahrdiensten – zu helfen, diese Angebote in Anspruch zu nehmen. Auch fachliche Beratung vom altersgerechten Wohnen bis zu Problemen wie Pflege oder Demenz soll nach Angaben der Awo-Frau das Geschäft dieser Anlaufstellen sein.

Unverständnis im Ortsbeirat

Unverständnis über das Konzept äußerte der Ortsbeirat Gaarden am Mittwochabend aus verschiedenen Richtungen. Ute Kohrs (SPD) merkte an: „Ehrenamtliche sollen tun, was vorher Hauptamtliche gemacht haben. Das muss man klar und deutlich sagen.“ Edina Dickhoff (Grüne) bekannte derweil: „Ich verstehe nicht, was da trägerübergreifend laufen soll.“ Und Roger Lüdke (CDU) sprach von „Drei-, Vier- und Fünffachstrukturen“, weil von der Leitstelle Älterwerden über die Pflegeberatung bis hin zum Ehrenamtsbüro bereits jede Menge vergleichbare Einrichtungen vorhanden seien.

Was das Verständnis auch nicht gerade erleichtert, ist die räumliche Situation. In Gaarden macht die Awo seit Jahr und Tag Seniorenarbeit im Bürgertreff Räucherei, die neue Anlaufstelle für Ältere befindet sich aber in der Hans-Christian-Andersen-Stadtteilschule. Teils im einen, teils im anderen Haus ist als Seniorenarbeiterin Katharina Dreßen tätig, die seit April parallel zehn Wochenstunden als Koordinatorin der Stadtteilschule aufwendet. Faktisch sei die Awo-Mitarbeiterin damit fast 30 Stunden in seinem Haus, erläuterte Hans-Christian-Andersen-Schulleiter Michael Breyer. Weil sie je nach Situation ihre Arbeitskraft flexibel auf die Senioren beziehungsweise Stadtteilschule richte, sei die Regelung aus Sicht der Schule durchaus zielführend, meinte Breyer. Gleichwohl hegt der Ortsbeirat die leise Hoffnung, dass die Zeit vielleicht so manche Bedenken und Verwirrungen zurechtrücken könnte: In einem halben Jahr soll das Thema erneut auf den Tisch kommen.

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