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„Wie auf einer Baustelle“

Ortsbeirat Holtenau „Wie auf einer Baustelle“

Der Aufreger des Abends traf den Ortsbeirat Holtenau in seiner Sitzung am Dienstag unvorbereitet. Die zahlreich erschienenen Bürger entpuppten sich mehrheitlich als Bewohner der Wohnanlage Fördeterrassen, die ausschließlich wegen des Tagesordnungspunktes vier gekommen waren.

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Der schlechte Zustand der Strandstraße in Kiel-Holtenau war Thema im Ortsbeirat.

Quelle: Frank Peter

Holtenau. Für sie ging es um den Ausbau der Strandstraße durch die Imetas Beteiligungen GmbH zwecks Übergabe an die Landeshauptstadt Kiel. Doch die eingeladenen Referenten der Stadt Kiel und der Imetas hatten sich kurzfristig krank gemeldet. Der Zorn der Anwohner, die seit Jahren auf die Fertigstellung der Privatstraße warten, brach sich trotzdem Bahn: „Das sind unhaltbare Zustände.“

Im April 2012 feierten die letzten beiden der insgesamt neun Gebäude auf der 57000 Quadratmeter großen Teilfläche des ehemaligen Marinefliegergeschwader-Geländes (MFG-5) Richtfest. Das „zukunftsweisende Wohnungsbauprojekt“ mit 180 Wohneinheiten war damit nahezu abgeschlossen. Der Zugang erfolgt über die Strandstraße, die seit August 2014 auch als Fuß- und Radweg die Stadtteile Holtenau und Friedrichsort verbindet – noch als Provisorium. Für den Bereich Förderterrassen sollte das Thema Straßenausbau jedoch längst erledigt sein, wie die erbosten Anwohner im Ortsbeirat kritisierten.

Kiel muss Leistungen einfordern

Das Problem: Bei dem Teilstück der Strandstraße handelt es sich derzeit um eine Privatstraße, für deren Ausbau das Hamburger Unternehmen Imetas laut städtebaulichem Vertrag mit der Stadt Kiel zuständig ist. Nach Fertigstellung soll die Straße der Stadt übergeben werden. Soweit der Plan. Doch bis heute fühlen sich die Anwohner „wie auf einer Baustelle“, wenn sie vor die Tür treten. Gerade nachts sei die Straße eine „Dunkelkammer“ und unter Sicherheitsaspekten eine Katastrophe. „Spätestens im Frühjahr 2016 sollte der Abschnitt fertig sein“, berichtet Gisela Mohr, Anwohnerin und Beirätin der Wohnanlage. Doch noch immer sei die Straße „ein Schandfleck für Kiel“, werde die Zuständigkeit seit 2012 zwischen der Stadt und der Imetas hin und her geschoben. „Dies ist nicht länger hinnehmbar“, betonte Gisela Mohr in einem Schreiben an Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). „Die Erschließungskosten waren Bestandteil unserer Kaufpreises.“ Dazu gehöre der Anschluss an das öffentliche Straßen- und Wegenetz, der eine freie Nutzung der Grundstücke gewährleiste. „Davon kann drei Jahre nach Fertigstellung der Wohnanlage keine Rede sein.“

„Die Stadt Kiel muss die Leistung aus dem Vertrag mit der Imetas endlich einfordern“, sagte auch Ortsbeiratsmitglied Heidi Toscan (SPD). Dies ging – ebenso wie weitere Forderungen der Anwohner – an die Adresse von Jörg Reimers, der als Vertreter des Kieler Tiefbauamtes eigentlich nur über den Radweg informieren wollte. In Abwesenheit sachkundiger Referenten war er um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir achten darauf, dass so gebaut wird, wie vertraglich vereinbart – die Imetas muss nur bauen.“ Das tut sie aber nicht. Sowohl im Kieler Büro als auch in der Hamburger Zentrale war am Mittwoch niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen. Diese Erfahrung ist für viele Anwohner nicht neu: „Da gibt es nie eine Antwort.“

Todeskino nimmt Stellung

Dafür nahm Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) am Mittwoch Stellung. Er betonte, die Imetas habe sich vertraglich zur Herstellung der Strandstraße verpflichtet und der Stadt nochmals zugesichert, dass sie sich kurzfristig mit der zu beauftragenden Tiefbaufirma abstimmen werde. „Ich erwarte, dass die angekündigte zeitnahe Umsetzung der vertraglichen Verpflichtung nun auch geschieht“. Dies schließe auch die Installation einer Beleuchtung mit ein. Die Strandstraße liegt auf privatem Gelände, ist aber öffentlich gewidmet, damit die Bürger Zugang zum MFG-5-Gelände haben. Die Verkehrssicherungspflicht liegt bis zur vollständigen Herstellung der Straße und Übergabe an die Stadt bei der Imetas. In der nächsten Ortsbeiratssitzung am Dienstag, 12. April, sollen endlich alle Fakten von den Experten auf den Tisch gelegt werden. „Ich verspreche Ihnen, dass wir dann Antworten liefern“, sagte Vorsitzender Herbert Kulbarsch. Nach immerhin drei Jahren Wartezeit ein annehmbarer Aufschub.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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