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Gottfried-Kuhnt-Platz in Kiel geplant

Ortsbeirat Ravensberg Gottfried-Kuhnt-Platz in Kiel geplant

Er war ein vorbildlicher Demokrat und zählte zu den profiliertesten Juristen des Landes: Von 1927 bis 1933 wirkte Gottfried Kuhnt als Präsident des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in Kiel und stellte sich offen gegen die erstarkenden Nationalsozialisten. Dafür soll jetzt ein Platz seinen Namen tragen.

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Als geeigneten Platz für die Ehrung Gottfried Kuhnts favorisiert der Ortsbeirat die dreieckige Freifläche Ecke Forstweg und Düppelstraße. Sie hat bereits jetzt den Charakter eines Platzes und befindet sich in Sichtachse zur ehemaligen Kieler Gestapo-Zentrale.

Quelle: Oliver Stenzel

Kiel. Die Nationalsozialisten entfernten den 1884 in Jena geborenen Angehörigen der liberalen DDP und Mitglied des Republikanischen Klubs nach der Machtübernahme umgehend aus allen Ämtern und versetzten ihn in den vorzeitigen Ruhestand. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er auf Bitten der britischen Besatzungsbehörden in sein altes Amt zurück und wurde überdies zu Schleswig-Holsteins erstem Justizminister. Einfach ausgedrückt: ein aufrechter Mensch.

Ortsbeirat stimmte geschlossen

Dass von solchen Charakteren gerade in diesen Tagen eine einende Kraft ausgeht, zeigte sich am Mittwoch bei der Sitzung des Ortsbeirats Ravensberg/Brunswik/Düsternbrook, wo Gottfried Kuhnt nach der eröffnenden Vorstellung des Kieler Spendenparlaments Thema war. Der von Dennis Schneider (CDU) initiierte Antrag, die „jahrzehntelang versäumte Chance“ eine Straße oder einen Platz nach dem Juristen zu benennen, wurde einstimmig angenommen. Und auch Schneiders Hervorhebung, dass die damit verbundene Ehrung der Demokratie an sich vor dem Hintergrund der aktuellen Situation in Amerika oder der Türkei besonders wichtig sei, stieß auf allgemeinen Zuspruch. Friedhelm Boyken (SPD) betonte, dass durch die parteiübergreifende Unterstützung des Antrags auch die „Gemeinschaft der Demokraten“ sichtbar werde, die sich unabhängig von allen Unterschieden auf die gleichen Grundwerte berufen würden: „Die Demokratie, wie wir sie kennen, ist nicht selbstverständlich. Wir müssen für sie als aktive Demokraten eintreten!“

Als geeigneten Ort für die Ehrung favorisiert der OBR die dreieckige Freifläche Ecke Forstweg und Düppelstraße. Sie habe bereits jetzt den Charakter eines Platzes, werde aber bislang nicht so genutzt. Da sie sich in Sichtachse zur ehemaligen Gestapo-Zentrale Kiels befinde, sei sie besonders geeignet, um sie nach Gottfried Kuhnt zu benennen, der überdies zeitweise in Düsternbrook gewohnt habe. In einem zweiten Schritt könnte sie unter Einbeziehung von Anwohnern auch als Platz gestaltet werden. Als mögliche finanzielle Unterstützer kämen hiefür Vertreter des juristischen Berufstands oder des parlamentarischen Umfelds in Betracht.

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