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Viele Flüchtlinge ziehen nach Gaarden

Ortsbeirat Viele Flüchtlinge ziehen nach Gaarden

Oft und gern wird im Rathaus die integrative Kraft von Gaarden gelobt. Diese Kraft wird auch weiterhin vonnöten sein, denn der Zuzug von Flüchtlingen betrifft den Stadtteil deutlich stärker als andere Bereiche von Kiel.

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Leichter geschrieben als getan: Auch in Gaarden wird es immer schwieriger, ein neues Zuhause zu finden.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Fast ein Jahr dauerte es, ehe Martin Reinhart, der neue Leiter des Amtes für Wohnen und Grundsicherung, am Mittwochabend dem Ortsbeirat Gaarden seinen Antrittsbesuch abstattete. „Es ist ein bisschen spät“, räumte er ein und erklärte das mit den gewaltigen Herausforderungen, die mit den vielen in Kiel angekommenen Flüchtlingen verbunden waren. Mehr als 2800 Menschen mussten nach seinen Angaben im Jahr 2015 untergebracht werden, und auch dieses Jahr sind es bereits annähernd 950.

Auf Gaarden wirkt sich das sehr handfest aus. Derzeit leben im Stadtteil 916 Geflüchtete, was einem Anteil von etwa einem Viertel der gesamten Gruppe entspricht. Von der Einwohnerzahl her macht Gaarden jedoch nicht einmal zehn Prozent der Kieler Bevölkerung aus.

Dass Martin Reinhart gegenüber dem Ortsbeirat von einem „erheblichen Wohnraumproblem“ sprach, hängt jedoch nicht nur damit zusammen. Doppelte Abiturjahrgänge, der Trend vom Umland zurück in die Stadt und weitere Faktoren tragen ebenfalls dazu bei, dass es zunehmend schwierig wird, in Kiel eine bezahlbare Bleibe zu finden.

Die wichtigste Aufgabe seiner Behörde besteht deshalb aus Sicht von Reinhart darin, in den nächsten Jahren mehr Wohnraum zu schaffen. Leicht wird das aber schon wegen der wenigen bebaubaren Flächen nicht, fürchtet der Amtsleiter. Zumal ausgerechnet der soziale Wohnungsbau lahmt, weil die Förderinstrumente angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen kaum greifen und Investoren ihr Geld lieber in hochpreisige Immobilien stecken. Notfalls, so kündigte Reinhart an, müsse die Stadt selbst tätig werden und neue Wohnungen bauen.

Ortsbeiratsvorsitzender Bruno Levtzow (SPD) begrüßte das, appellierte aber dringend an die Rathaus-Verantwortlichen, ihr Engagement auf andere Stadtteile zu konzentrieren. Wenn Flüchtlinge und sozial Schwache weiterhin vorrangig nach Gaarden ziehen, „können wir das irgendwann nicht mehr wuppen“, sorgt sich Levtzow. Zumal die Diskussion über Reinharts Vortrag deutlich machte, dass auch so schon jede Menge Probleme drücken. Die Trinkerszene am Karlstal, der alltägliche Drogenhandel, die Zustände im Kirchenweg und etliche weitere Dauerbaustellen machen dem Stadtteil nach wie vor zu schaffen. Lösungen konnte Martin Reinhart nicht präsentieren, er sicherte aber zu, dass sich die Stadt künftig wieder verstärkt diesen Themen zuwenden werde. Entschieden widersprach der Amtsleiter derweil der Darstellung einer Sitzungsbesucherin, die nach eigenen Angaben seit drei Jahren erfolglos eine Wohnung sucht und behauptete, die Stadt gebe für Flüchtlinge mehr Geld aus als für „Normalbürger“. Die Mietobergrenze gelte für alle, entgegnete Reinhart. Egal ob es sich um eine Wohnung oder einen Platz in einer Gemeinschaftsunterkunft handelt, stets werde darauf geachtet, dass die Kosten nicht höher liegen als die Sätze, die allen anderen Hartz-IV-Empfängern zugebilligt werden.

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