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Erste Kiel Conference eröffnet

Ostseeraum Erste Kiel Conference eröffnet

Der diplomatische Wind auf der Ostsee ist rau geworden. In Schweden, Finnland und den baltischen Staaten vergeht keine Woche, ohne dass es Meldungen über Vorfälle mit russischen Streitkräften gibt. In Kiel holten Marine und Universität deshalb jetzt Experten aus aller Welt zur Kiel Conference zusammen.

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Die Kiel Conference wurde gemeinsam vom ISPK und dem in Kiel ansässigen Nato-Center COECSW ausgerichtet.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Während die Fachleute im Maritim Hotel diskutierten, demonstrierten draußen rund 350 Friedensaktivisten gegen die Konferenz.

Jüngstes Beispiel für die Verschärfung der Sicherheitslage ist das Stromprojekt Nordbalt, bei dem Litauen ein Stromkabel nach Schweden verlegen möchte. Der Kabelleger „Topaz Installer“ musste seine Arbeit im Mai mehrfach unterbrechen, weil er von russischen Marineeinheiten bedroht wurde. Derartige Themen standen auch auf der Tagesordnung der Kiel Conference, zu der das Institut für Sicherheitspolitik der Uni Kiel (ISPK) 80 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Militär eingeladen hatte.

„Wir registrieren seit zwei Jahren eine deutliche Veränderung im Verhältnis zu den russischen Marineeinheiten – und das nicht zum Guten“, sagte Commander Bengt Lundgren von der schwedischen Marine. Der Kommandeur der Einsatzabteilung der schwedischen Marine setzt auf stärkere Zusammenarbeit. „Wir möchten noch enger mit den anderen Partnern in der Ostsee kooperieren, zum Beispiel mit Deutschland“, sagt Lundgren. „Die Frage der Kooperation steht bei allen Partnern im Mittelpunkt. Ein gutes Beispiel ist der Tender ,Donau’, der ein halbes Jahr als Führungsplattform für die Niederländer gefahren ist. Derartige Kooperationen kann ich mir auch im Ostseeraum vorstellen“, sagt Kapitän zur See Jan C. Kaack, der Kommandeur der Einsatzflottille 1 und des Kieler Nato-Instituts Center of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters. Die Einrichtung ist Partner des ISPK der Uni Kiel. „Wir haben hier zur Kieler Woche so viele hochkarätige Vertreter zusammen, dass wir da auch einen guten Rahmen für eine derartige Konferenz bieten können“, sagte Prof. Joachim Krause. Der Leiter des Instituts für Sicherheitspolitik der Christian-Albrechts-Universität gab am Vormittag das Startsignal für die Konferenz. Die erste Kiel Conference besteht aus drei Schwerpunkten. Den Auftakt machte die Analyse der Entwicklung der Sicherheitslage im Ostseeraum. Der zweite und dritte Teil beschäftigten sich mit der Bedrohung durch Seeminen und neue Technologien beim Schiffbau.

Das Bündnis „War starts here – keine Kriegs-Konferenz in Kiel“ bewertet die Konferenz dagegen als Kriegsvorbereitung im Ostseeraum. Es sei ein Skandal, dass eine solche Konferenz während eines völkerverbindenden Festes wie der Kieler Woche stattfinde, empörte sich Benno Stahn von der Kieler Friedenskonferenz. Die Campus-Grünen kritisierten, dass an der Universität Forschung und Militär nicht streng genug getrennt werden. Bereits 2013 habe sich die Mehrheit der Studierenden für eine Zivilklausel eingesetzt, so Ruben Reid. Die Universität mache sich mitschuldig, wenn sie den Einfluss von Bundeswehr und Rüstungsindustrie am universitären Alltag zulasse. Lorenz Gösta Beutin (Linke) sieht in der Kiel Conference einen Baustein der Militarisierung der Gesellschaft. „Wir wollen, dass die Konferenz abgeschafft wird. Das Militär hat dabei nichts zu suchen“, forderte Beutin.

Von Frank Behling und Kerstin Tietgen

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