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„Die Kugel wird uns fehlen“

Ostufer „Die Kugel wird uns fehlen“

Dem blauen Planeten geht es an den Nordpol: Mitarbeiter einer Fachfirma sind derzeit damit beschäftigt, den Kugelgasspeicher der Stadtwerke am Ostring zu demontieren. Das Landesamt für Umwelt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat die Stadtwerke verpflichtet, den Speicher bis Ende 2015 zurückzubauen.

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Seit Ende der 1950er-Jahre ein Wahrzeichen für das Ostufer: der kugelförmige Gasspeicher.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Bürgermeister Peter Todeskino bedauert das Verschwinden des technischen Denkmals. Auch die Ortsbeiräte Ellerbek/Wellingdorf und Gaarden werden die markante Kugel vermissen.

Funken fliegen von oben herunter und werden gleich von einem Arbeiter mit einem Wasserschlauch gelöscht. Ein Mann mit seinem Schneidbrenner steht ganz oben und trennt derzeit die Polkappe ab, die später von einem Kran heruntergehoben wird. Die auf derartige Arbeiten spezialisierten Hochbrenner machen in den nächsten Wochen die Kugel klein. Die Stadtwerke benötigen den blauen Behälter mit einem Durchmesser von 21 Metern nicht mehr. Er diente als Speicher und wurde auch gebraucht, um den Druck im Gasnetz zu halten. „Das wird jetzt schon seit mehreren Jahren mittels der Fernsteuerung der Gasdruckregler in den Erdgasübernahmestationen über die Verbundleitwarte sichergestellt“, erklärte Stadtwerkesprecher Sönke Schuster. Heute werden rund 60 Millionen Kubikmeter Erdgas in den drei unterirdischen Kavernen in Rönne gespeichert. Dies genüge, um etwa 45000 Haushalte ein ganzes Jahr zu versorgen. Der Kugelspeicher fasste gerade einmal 5000 Kubikmeter.

„Sicherlich enttäuschen wir einige Anwohner, die den blauen Planeten dort vermissen werden“, sagte Schuster. Jedoch habe das LLUR als zuständige Genehmigungsbehörde die Stadtwerke angewiesen, die Gaskugel bis Ende 2015 zurückzubauen. Aber auch ohne diese Verpflichtung will der Energieversorger verhindern, dass sich der fast 60 Jahre alte Behälter zu einem Schandfleck entwickelt. „Für den weiteren Bestand wären regelmäßige, umfangreiche Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten notwendig“, so der Stadtwerkesprecher.

Die Stadt ist nicht unbedingt glücklich, dass das Wahrzeichen verschwindet. „Ich bedaure den Abbruch, weil die Anlage seit 1958 ortsbildprägend ist und aus meiner Sicht ein technisches Denkmal darstellt“, sagte Bürgermeister Peter Todeskino. Seines Wissens gebe es in Schleswig-Holstein lediglich drei solcher Behälter. „Es wäre schön, wenn der blaue Planet weiterhin in Kiel erlebbar gemacht werden könnte“, so der Bürgermeister. Todeskino erinnert daran, dass der diesjährige Denkmaltag unter dem Motto „Handwerk, Technik und Industrie“ steht. Aber den Abbruch kann die Stadt nicht verhindern: Die Stadtwerke haben der Unteren Bauaufsichtsbehörde am 2. Juli dieses Jahres gemäß der Landesbauordnung angezeigt, dass sie den Gaskugelbehälter am Ostring abbrechen möchten.

Der Hintergrund: Nachdem die Stadtwerke den Betrieb der Gaskugel im Jahr 2012 eingestellt haben, hat das LLUR den Energieversorger zu einem Rückbau bis Ende 2015 verpflichtet. Die Behörde ist zuständig, weil es sich um eine Anlage nach Bundesimmissionsschutzgesetz und der Störfallverordnung handelt. Wie die Stadt mitteilte, sei keine Abbruchgenehmigung erforderlich, so dass die Demontage aus bauaufsichtsrechtlichen Gründen nicht zu verhindern sei. „Es handelt sich zurzeit nicht um ein Denkmal“, so Todeskino.

„Die Kugel wird uns an der Stelle fehlen“, sagte Daniel Pollmann, Vorsitzender des Ortsbeirates Ellerbek/Wellingdorf, auf dessen Gelände der Speicher steht. Auch der Gaardener Chef des Stadtteilgremiums, Bruno Levtzow, hätte es gut gefunden, den blauen Planeten zu erhalten, an dem er oft vorbeifährt: „Man hätte eine Werbung für Olympia in Kiel auftragen oder Sprayern die Gelegenheit für ein Kunstwerk geben können.“

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