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Wirtschaft schielt in Richtung Kraftwerk

Ostuferhafen Kiel Wirtschaft schielt in Richtung Kraftwerk

Der Kieler Hafen wächst und wächst. Doch schon wieder seien die Kapazitätsgrenzen nahezu erreicht. Daher richtete IHK-Chef Jörg Orlemann nun einen Appell an die Stadtpolitik. Konkret hat Orlemann das benachbarte Gelände des Gemeinschaftskraftwerkes Kiel im Blick.

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Umgeben von Papier und Pappe: IHK-Chef Jörg Orlemann (links) und Seehafen-Kiel-Prokurist Jörg Demuth (rechts) heißen den Geschäftsführer des neuen Großkunden SCA-Logistic, Jörn Grage, an der Kieler Förde willkommen.

Quelle: Hamid Saeidi

Kiel. Gerade entsteht für 25 Millionen Euro das neue Logistikzentrum am Ostuferhafen – maßgeschneidert für einen neuen Großkunden aus Schweden. Insgesamt investierte die Seehafen Kiel GmbH nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Euro innerhalb von zwei Jahren in den Hafenausbau. An der Förde freiwerdende Grundstücke müssten für eine Hafenerweiterung und nicht für Wohnbebauung verfügbar werden. „Damit der Hafen auch in Zukunft Wachstumschancen nutzen kann, ist rechtzeitig Flächenvorsorge zu treffen“, so Orlemann.

 Sobald das geplante Gasheizkraftwerk ans Netz geht, soll das alte Steinkohlekraftwerk stillgelegt werden – voraussichtlich im Frühjahr 2018. „Wir haben uns die Bebauungspläne angesehen“, so Orlemann, „nach unseren Informationen spricht nichts gegen eine Hafenerweiterung auf dieser Fläche.“

 Bei einem Rundgang durch das neue Logistikzentrum überzeugte sich Orlemann selbst von der Situation: „Diese Halle ist gerade erst eine Woche in Betrieb, und wir sehen jetzt schon: Es wird eng hier“, sagte er und deutete auf die vielen Rollen mit Kraftliner, einem Vorprodukt, aus dem Wellpappe hergestellt werden soll. Jörg Demuth, Geschäftsführer der Seehafen Kiel Stevedoring GmbH, stimmte zu: „Wir sind jetzt fast auf dem gesamten Terminal ausgelastet. Das Gelände des Gemeinschaftskraftwerkes wäre unsere einzige Erweiterungsmöglichkeit.“

 Insgesamt investierte die Seehafen Kiel GmbH gerade in 32000 Quadratmeter neue Lagerfläche und erhöhte damit den bisherigen Lagerplatz des Hafens um zwei Drittel. Dies alles für die beiden neuen Großkunden aus Schweden, die Konzerne SCA und Iggesund Paperboard. „Das Logistikzentrum ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Kieler Hafens.“ Der Papierumschlag sorge für Wachstum bei der Wertschöpfung und Beschäftigung im Hafen und darüber hinaus, lobte Orlemann und gratulierte dem Geschäftsführer von SCA Logistics GmbH, Jörn Grage, zur Wahl des Standortes. Die schwedischen Konzerne verlegen derzeit ihren Umschlag von Lübeck nach Kiel, insgesamt entstehen dadurch 70 neue Arbeitsplätze (wir berichteten).

 Seit Anfang Juli steuern die SCA-Frachtschiffe den Ostuferhafen immer montags aus Sundsvall an und löschen 6000 Tonnen Forstprodukte, darunter Papier für Zeitungsdruck und Kartonpapiere für hochwertige Verpackungen. Auf dem Rückweg an die schwedische Ostküste nehmen die Schiffe verschiedene Güter mit, unter anderem Stahl, Fahrzeuge und Baumaschinen. Ab Oktober sollen die Frachtschiffe zusätzlich am Sonnabend in Kiel gelöscht werden. Die offizielle Eröffnung des neuen Logistikzentrums ist für den 11. November geplant.

 Einen Dämpfer erhielten die Geschäfte am Hafen durch die Handelsbeschränkungen zwischen der EU und Russland. Gut 25 Prozent des Ladungsaufkommens wurden 2015 eingebüßt, und die Negativentwicklung halte in diesem Jahr an, berichtet Seehafensprecher Ulf Jahnke. Betroffen von Sanktionen seien unter anderem alle Lebensmitteltransporte nach Russland, aber auch Stückgüter von Kühlschranken über Radios bis zu Schuhen. Ausgenommen vom Embargo sei Schnittholz, das wegen des schwachen Rubels in größeren Mengen eingeführt werde. Zwar sei laut IHK-Geschäftsführer Orlemann „eine politische und wirtschaftliche Annäherung zwischen EU und Russland in Sicht“, aber weil feststünde, dass Sanktionen immer beiden Seiten schadeten, richtete der IHK-Chef einen weiteren Appell diesmal Richtung Bundespolitik: „Es ist wichtig, dass man auch in diesen Zeiten mit Russland im Gespräch bleibt.“

 Den rückläufigen Handel mit Russland konnte der Hafen durch andere Geschäfte kompensieren. Und so werde der Warenumschlag in diesem Jahr bei rund 6,5 Millionen Tonnen liegen und damit um fünf Prozent gewachsen sein, prognostizierte Jahnke. Würden aber dann noch die gegenseitigen Sanktionen Russlands und der EU wieder zurückgeführt, falle das Wachstum noch höher aus, sagt Orlemann und sieht in Hinblick darauf seine vorausschauenden Pläne zur Flächenerweiterung nochmal dringlicher.

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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