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Panama bringt ihnen kein Glück

Panama bringt ihnen kein Glück

Paradies mit Schattenseiten: Der Räuber zieht eine Pistole und schlägt sie dem Kieler Naturfilmer Thorsten Böhnke mehrfach brutal an den Kopf. Der Komplize stürmt herein, packt Computer, Festplatten und Mobiltelefon. Der Spuk in einer Marina in Panama dauert nur wenige Augenblicke, dann verschwinden die Männer spurlos mit ihrer wertvollen Beute.

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Die Meeresökologin Laura Winter und der Kieler Naturfilmer Thorsten Böhnke sind in Panama brutal überfallen worden. Die Räuber haben Computer und Festplatten mit Filmmaterial mitgenommen.

Quelle: privat

Kiel/Panama. Böhnke und seine Freundin, die Meeresbiologin Laura Winter, wissen jetzt nicht, wie sie die Forschungsreise mit ihrem Segelboot fortsetzen sollen. Um weiter die Schönheiten der Natur und die Verschmutzung der Ozeane zu dokumentieren, benötigen sie neue Computer – und hoffen auf Spenden.

 Böhnke und Winter, die in Kiel ihren Master in Meeresökologie gemacht hat, sind mit ihrem 39-Fuß-Segelboot „Corinthia“ seit 2013 unterwegs. Derzeit machen sie gerade Station in Panama, um einen neuen Film zu drehen. Neben den Aufnahmen der Sonnenseiten dieser Region mit Walen, Seevögeln und Meeresschildkröten beschäftigen sie sich mit den Umweltproblemen und deren Folgen. Zusammen mit dem WWF (World Wide Fund for Nature) wie auch dem Meeresforschungsinstitut Geomar Kiel untersuchen sie die Weltmeere auf Plastik-Verschmutzungen. Jetzt arbeiten sie gerade an einem Projekt über Ölförderung im ecuadorianischen Urwald und werten ihre Ergebnisse aus. Dann aber, am 7. September, lernen sie bei dem hinterhältigen Überfall in der Marina in Bocas del Toro die Schattenseiten des vermeintlichen Paradieses kennen. „Wir saßen an diesem Abend in der TV-Lounge an unseren Computern und arbeiteten an dem Filmprojekt. Gegen 21 Uhr ging Laura los, um das Abendessen zu organisieren“, erzählt der 46-Jährige.

 Dabei sieht die 32 Jahre alte Deutsch-Kanadierin zwei etwa 20 Jahre alte Männer, die sich in der Nähe des Gebäudes aufhalten. Die beiden Forscher sprechen sich ab, aufmerksam und vorsichtig zu sein. Doch der Überfall geschieht plötzlich und überraschend: „Gerade als Laura weg ist, erscheint einer der Männer an der Tür. Ich stelle mich ihm entgegen, der Mann zieht sofort seine Pistole und schlägt auf mich ein“, erzählt der Naturfilmer. In der gleichen Sekunde stürmt der Komplize in die Räume, schnappt sich drei Computer, Festplatten und ein Mobiltelefon. Es ist in etwa so, als würde man zu Hause im Wohnzimmer sitzen, am Rechner arbeiten und zwei bewaffnete Männer kommen rein, prügeln und rauben einen aus, schildert Böhnke das Erlebnis: „Ich will noch verhandeln, dass wir wenigstens unsere Festplatten behalten können. Aber wie willst du mit jemandem verhandeln, der dir im Halbsekundentakt mit einer Pistole gegen den Kopf schlägt?“ Verletzt wird er bis auf ein paar Platzwunden und Beulen glücklicherweise nicht schwer.

 Besonders hart trifft den Naturfilmer, dass die Festplatten mit den Filmdateien des letzten halben Jahres und die Software geraubt wurden. „Wir waren gerade dabei, Sicherheitskopien zu erstellen, als wir überfallen wurden“, erzählt der Kieler. Der reine Wiederbeschaffungswert der Computer betrage 7000 Euro. Einfach aus der Bordkasse die Geräte zu ersetzen, sei nicht im Budget. Böhnke und Winter haben die Tat bei der Polizei in Panama angezeigt, aber viel ist nicht passiert – die Polizisten haben nur einen Bericht aufgenommen. Jetzt wollen die beiden Forscher ihre Ausrüstung auf eigene Faust wiederfinden. Mit Sucheinträgen im Internet, dem Aushängen von Zetteln und einer Belohnung hoffen sie, Hinweise zu bekommen. „Wir machen auf jeden Fall weiter und denken darüber nach, eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne zu starten“, sagte Böhnke.

 Er plant gerade, mit seiner Freundin nach Colon zu segeln, wo er in einer Werft als Elektroniker arbeiten kann, um die Bordkasse aufzufüllen. Im Oktober oder November wollen Böhnke und Winter Kiel einen Kurzbesuch abstatten und ihre Filme zeigen, um damit etwas Geld einzunehmen. Panama scheint kein gutes Pflaster für die beiden zu sein: Diebe hatten ihnen bereits vor zwei Monaten eine Kamera und mehrere Objektive gestohlen.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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