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Auch in der Markthalle herrscht Angst

Pariser Anschläge Auch in der Markthalle herrscht Angst

Tiefes Entsetzen auch in Schleswig-Holstein nach den Terroranschlägen von Paris: Nicht nur Landespolitiker und Bürger reagierten schockiert auf die Attacken des „Islamischen Staats“ in der französischen Hauptstadt, auch unter Flüchtlingen ist Betroffenheit und Anteilnahme groß.

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Mohamed nutzt sein Smartphone, um auf dem Laufenden zu bleiben. „Was in Paris geschehen ist, ist schlimm. Ganz, ganz schlimm“, sagt der 28-Jährige. Der Iraker wartet in Kiel darauf, nach Finnland weiterreisen zu können.

Quelle: Frank Peter

Kiel. In der Notunterkunft in der alten Markthalle im Zentrum von Kiel gibt es kaum ein anderes Gesprächsthema. Mohamed wollte eigentlich schon in Finnland sein. Ganz weit weg von seiner alten Heimat, dem Irak. Ganz weit weg von Verfolgung, Willkür, Tod und dem Islamischen Staat. Momentan hängt er fest, wegen fehlender Ausweispapiere gibt es für ihn und 200 andere Transitflüchtlinge in Kiel kein Weiterkommen per Fähre nach Skandinavien. „Was in Paris geschehen ist, das ist schlimm. Ganz, ganz schlimm“, sagt der junge Mann. Auf seinem Smartphone ploppen immer wieder neue Eilmeldungen in arabischer Schrift auf. Per Internet informieren sich viele Flüchtlinge auf Nachrichten-Seiten ihrer alten Heimat, was in der Welt passiert. „Als ich Freitagnacht die ersten Meldungen aus Frankreich gelesen habe, bekam ich gleich ein ganz böses Gefühl“, sagt der 28-Jährige. Es sei eine Art Vorahnung gewesen, dass möglicherweise der IS hinter den Anschlägen stecken könnte.

 „Die Ziele waren nicht irgendwelche Ziele“, sagt ein anderer Transitflüchtling aus dem Irak, der seinen Namen nicht nennen will. „Es waren alles Ziele, die Inbegriff dessen sind, was der IS verbietet, was er als Sünde bezeichnet.“ Selbstmordattentate und Schießereien hätten eine klare Handschrift gehabt. Sportveranstaltungen, Rockmusik, Konzerte, gesellschaftliches Vergnügen – „ich wusste sofort, wer das da war, in Paris.“

 „Das ist nicht mein Glauben, das ist nicht der Islam“, beteuert Amin. Der 25-Jährige stammt aus Marokko, wartet auf eines der wenigen Transfer-Tickets nach Schweden und distanziert sich vehement von dem Terror-Regime des IS. „Der Islam ist eine friedliche, eine hilfsbereite Religion“, sagt er mit lauter, überzeugter Stimme. „Das, was der IS macht, das ist Politik – eine Politik, die keine anderen Meinungen zulässt und deren Anhänger vernichten will.“ Die Bilder aus Paris auf seinem Smartphone „tun mir im Herzen weh“. Die Menschen in Europa seien so gut zu den Flüchtlingen. „Sie helfen – und werden jetzt von den Terroristen dafür bestraft.“

 Mehr als einen Monat ist es her, seitdem Mohammed seine Heimat, den Irak, verlassen hat. „Ich bin vor dem Terror in meinem Zuhause geflohen“, sagt er und ergänzt mit resigniertem Unterton: „Jetzt sieht es so aus, als komme der Terror hinter uns her.“ Die Nachricht über die Serie von Anschlägen in Frankreich habe sich binnen weniger Minuten im gesamten Camp herumgesprochen. „Jeder ist entsetzt, jeder ist traurig“, sagt der 44-Jährige. Und einige hätten sogar Angst. Angst vor neuer, weiterer Verfolgung. Sollte es sich bewahrheiten, dass einer der Attentäter von Paris tatsächlich als Flüchtling aus Syrien erst vor wenigen Wochen über Griechenland nach Europa gekommen sei, wäre das eine Katastrophe. Amin aus Marokko teilt diese Furcht ebenfalls. „Dabei wollen wir alle eigentlich doch nur eines – in Frieden unser Leben leben.“

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Nach Attentaten von Paris
Foto: Nur wenige Stunden nach den Anschlägen in Paris rückten die belgischen Anti-Terror-Einheiten in der 95.000 Einwohner großen Gemeinde Molenbeek ein.

Nur wenige Stunden nach den Anschlägen in Paris rückten die belgischen Anti-Terror-Einheiten in der 95.000 Einwohner großen Gemeinde Molenbeek ein. Sieben Personen seien festgenommen worden, hieß es Sonnabend. Zumindest zwei der getöteten Attentäter hätten vorher in dem Ort gelebt, der zur Hauptstadtregion Brüssel gehört.

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