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Lang, schmal und ein echter Geheimtipp

Parkserie: Schützenpark Lang, schmal und ein echter Geheimtipp

Die großen Grünanlagen der Landeshauptstadt wie Schrevenpark, Schlosspark, Forstbaumschule oder Volkspark kennt nahezu jeder Kieler. Die grünen Inseln mit ihrer Vielfalt an Flora und Fauna lassen die Alltagshektik für Momente draußen vor. Im Schatten der „Großen“ ist der Schützenpark etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

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Patrick Nendza und Alexandra Schindler wohnen in der Nähe des Parks und gehen dort fast täglich mit ihren Kindern Julie (8) und Ella (sieben Monate) spazieren.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Kiels schmalster und längster Park hat sich zu einem echten Geheimtipp gemausert.

Patrick Nendza und seine Frau Alexandra Schindler sind zufrieden. Mit ihren Kindern Julie (8) und der siebenmonatigen Ella haben sie sich Eis beim Italiener im Hasseldieksdammer Weg gekauft und spazieren jetzt durch den Schützenpark. „Der Park ist toll. Wir sind sehr oft hier, zurzeit sogar jeden Tag, da ich Urlaub habe“, erzählt Patrick Nendza. Es gebe immer viel zu sehen, etwa, wie eine Kanadagans ihre Küken aufgezogen hat. „Heute sind sie groß und gehören zum Park“, sagt Alexandra Schindler. Sie findet es zudem schön, dass man sich auch auf den Grünflächen frei bewegen kann. Neben den Vieren nimmt unterdessen ein Radfahrer auf der Bank oberhalb des Teiches Platz und schlägt ein Buch auf. „Kiel ist gesegnet mit seinem vielen Grün“, sagt er und radelt wenig später weiter Richtung Hassee.

 Heute zieht sich der Schützenpark wie selbstverständlich auf einer Länge von 1050 Metern vom Westring entlang des Schützenwalls bis zum Kronshagener Weg. Die grüne Ader ist dabei im Schnitt lediglich 62 Meter breit, und das Gewässer liegt ungefähr drei Meter unter Straßenhöhe. 1903, als sich das explosionsartig wachsende Kiel auch Richtung Westen ausdehnte, war die Geburtsstunde des Schützenparks. Bis dahin hatte der kleine Bach Prüne die ländliche Gegend talartig durchschnitten und mündete in den Prüner Teich. Das zeigt die Topographisch-Militärische Karte des Herzogtums Holstein aus dem Jahre 1789. Dieses Tal wollten die Stadtplaner zur Entwässerung der Neubaugebiete nutzen, die nach der Jahrhundertwende an den Straßen Prüne, Am Schützenwall oder der verlängerten Harmsstraße entstanden sind oder geplant waren. Vorher musste aber die 1412 gegründete Große Grüne Schützengilde überzeugt werden, die Schützengärten, die ihr die Stadt zur Verfügung gestellt hatte, wieder zurückzugeben. Das klappte. Im Tausch erhielt die Gilde am 14. Oktober 1896 die 40000 Quadratmeter große Koppel Prüner Schlag Nr. 19. Dort ist sie noch heute beheimatet.

 Unter der Leitung ihres damaligen Stadtgartenbaudirektors Ferdinand Hurtzig entstand 1903 auf den einstigen Geländen der Gilde und früherer Militärschießstände der erste Teil des Schützenparks. Daher auch der Name. Der Park reichte von der Prüne/Boninstraße bis zur Harmsstraße und war 1620 Hektar groß. Der zweite und dritte Teil des Parks wurden erst in den Jahren 1908 und 1909 gebaut. Die Stadt wuchs weiter, und im Prüner Tal sollte zur Entlastung der neuen Kanalisation das bei sehr starken Regenfällen anfallende Wasser aufgefangen werden. Große Wasserbecken wurden ausgehoben und erstmals in Kiel auch architektonische Elemente in die Gestaltung des Parks eingeführt. Vor allem im dritten Teil mit dem großen Wasserbecken, das fast die gesamte Fläche einnimmt, wurden auf Anregung des Gartentechnikers Wittkamp gerade Wege, Sitznischen, Terrassen, Böschungen oder Pergolen „gebaut“. Hauptgrund war die Überwindung des Höhenunterschiedes vom zweiten Teil hinab zum dritten. Der zweite Teil zwischen Harms- und Gellertstraße mit seiner Teichform, dem Pavillon, seiner weißen Brücke und den Rundwegen wurde, so beschreibt es Hurtzig später selbst, „noch ganz im alten Stil geschaffen“.

 Der Schützenpark, 700 Meter lang und 70 Meter breit, zählte in der damaligen Zeit zu den schönsten städtischen Parks. Kinder sollen dort gebadet haben. Der Zweite Weltkrieg machte alles zunichte. Bei dem Luftangriff am 18. Juli 1944 wurden der Schützenpark sowie viele Häuser durch Bomben zerstört. Wer es schaffte, suchte Zuflucht in dem kurz vorher gebauten Luftschutzbunker am Haupteingang des Parks. Das Kriegsrelikt steht noch heute und dient Musikern als Domizil. Die Stadt reparierte die Grünanlage, wobei der große Teich erhalten blieb und nach wie vor als Regenrückhaltebecken dient. Für dessen Belüftung sorgen seit wenigen Wochen zwei Wasserräder. Wenige Bauten, wie etwa die Treppe und das aus Findlingssteinen gemauerte Wehr blieben erhalten. Richtung Nordosten hat die Stadt den Park um drei Flächen auf sein heutiges Ausmaß erweitert. Die malerisch überhängenden Weiden, alte Solitärgehölze, die Liegewiesen, die zahlreichen Bänke oder der Spielplatz laden zum Besuch ein. Für viele ist dieser Park ein Geheimtipp. Es stört auch nicht, dass die Grünfläche durch mehrere Straßen geteilt ist.

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