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Das grüne Wohnzimmer Kiels

Parkserie, Teil 3: Schrevenpark Das grüne Wohnzimmer Kiels

Ob Jogger, Familien, Studenten und sogar Vögel: Viele zieht es im Sommer in den Schrevenpark. Die Grünanlage zwischen Goethe- und Schillerstraße ist der meistgenutzte Park Kiels, erklärt Kim Heller vom Grünflächenamt. Doch die intensive Nutzung verursacht auch Probleme. Denn egal ob Menschen oder Wassergeflügel: „Immer, wenn es zu viele werden, wird es schwierig“, sagt Heller.

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Selten ist der Schrevenpark so leer: Die Liegewiese lädt zum Ausspannen ein.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Der Hohenzollernpark war nach seiner Anlegung um 1900 das Hauptwerk des bekannten Stadtgärtners Ferdinand Huntzig. Die Umgebung des zwölf Hektar großen Landschaftsgartens wurde schon damals durch den natürlichen Schreventeich geprägt, der zum Namensgeber wurde. Seit der Gründung Kiels war der außerhalb der Stadt gelegene Teich gräflicher Besitz und wurde im Volksmund „s grevensdiek“, also „des Grafen Teich“ genannt. Daraus entstand die Bezeichnung Schreventeich und der heutige Name Schrevenpark.

 Schon früher war die Anlage mit Tennisplätzen, Reitwegen und Kinderspielplätzen, aber auch versteckten Orten zum Entspannen vielfältig nutzbar. Die Tradition blieb erhalten: In Anlehnung an eine alte Kinderspielanlage wurde zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2002 das Boulefeld errichtet. Es gibt einen Hundeplatz sowie mehrere verschieden lange Strecken für Läufer. Das Planschbecken von 1953 sorgt noch immer für die nötige Abkühlung im Sommer - und damals wie heute locken die Wasservögel Familien in den Park. Nicole Flocken kommt mindestens einmal in der Woche mit ihren drei Kindern in den Park, um sie zu beobachten.

 Der Park ist bei den Vögeln vor allem beliebt, weil das Wasser sehr selten zufriert. Denn es wird vom nahe gelegenen Kraftwerk zur Kühlung benutzt, und die Abwärme wird dem Schreventeich zugeführt. Er gilt daher als wärmstes Gewässer in Kiel. Die hohe Zahl an Vögeln sorgt allerdings auch für die intensive Verschmutzung der Liegefläche und beeinträchtigt die Wasserqualität. Die Versuche in den Vorjahren, das Federvieh während der flugunfähigen Mauser an den Stadtrand zu bringen, hatte nur bedingt Erfolg.

 Mit der Freigabe der Liegewiese und der Grillerlaubnis ist die Stadt vor allem auf die Studierenden zugegangen. „Viele von ihnen wohnen in der Nähe des Parks und haben keinen Garten oder Balkon“, erklärt Christian Neumann, der seit 15 Jahren den Imbiss „Castello“ betreibt. Und so wird der Park an warmen Wochenenden zum Woodstock des kleinen Mannes. Slackliner balancieren zwischen den Bäumen, Menschen in weiten, bunt gemusterten Hosen spielen Akustikgitarre, und die tragbaren Grills rauchen um die Wette. Das bleibt nicht ohne Folgen. „Bis zu drei Stunden dauern die täglichen Aufräumarbeiten im Park“, erklärt Andreas Krabbe vom Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK). Zum Vergleich: Seine Schichten im Schützenpark dauern eine knappe Dreiviertelstunde. Krabbe und sein Kollege Tayfun Masat sammeln von April bis Oktober sieben Tage die Woche den Müll ein. Ungefähr zehn Extramülltonnen und zwei Kohlecontainer werden während der Hauptsaison bereitgestellt.

 „Richtig voll ist der Park nur an einigen Tage im Jahr“, relativiert Neumann. Und selbst dann sei die Menge des Mülls in Relation zur Anzahl der Menschen, die im Schrevenpark grillen, eigentlich gering, findet Neumann. Er meint, dass die Studierenden unverschuldet in der Kritik stehen. Der Großteil von ihnen räume seinen Müll in und um die teilweise vollen Mülltonnen. „ABK und Grünflächenamt machen hier einen guten Job und haben die Lage im Griff,“ lobt er: „Für die Menge an Nutzern ist das Müllproblem ein gelöstes Problem.“ Er freue sich über die aktive Nutzung, denn: „Wann ist ein Park erfolgreich? Wenn er von der Bevölkerung auch genutzt wird.“

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Parkserie: Schützenpark
Foto: Patrick Nendza und Alexandra Schindler wohnen in der Nähe des Parks und gehen dort fast täglich mit ihren Kindern Julie (8) und Ella (sieben Monate) spazieren.

Die großen Grünanlagen der Landeshauptstadt wie Schrevenpark, Schlosspark, Forstbaumschule oder Volkspark kennt nahezu jeder Kieler. Die grünen Inseln mit ihrer Vielfalt an Flora und Fauna lassen die Alltagshektik für Momente draußen vor. Im Schatten der „Großen“ ist der Schützenpark etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

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