19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Ein Treffpunkt für alle Generationen

Parkserie, Teil 4: Forstbaumschule Ein Treffpunkt für alle Generationen

Für Generationen von Kielern ist die Forstbaumschule aus der eigenen Geschichte nicht mehr wegzudenken. Ob Konfirmation, Zeugnis, Studienerfolg oder runde Geburtstage: Gefeiert wird oft in der gleichnamigen Gaststätte mit Kiels größtem Biergarten mitten im Park.

Voriger Artikel
Museen locken mit nächtlichen Einblicken
Nächster Artikel
Das Ende des blauen Planeten

Kirsten Bachmann aus Laboe besucht mit Sohn Thore den Bauerngarten im Park. Ihr gefällt, dass die Anlage so weitläufig ist.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Es war der Kieler Prof. August Niemann, der 1788 auf Anregung des dänischen Staatsministers Graf Christian von Reventlou die königlich-dänische Forstbaumschule gründete. Man hoffte damals, so nördlich der heutigen Lindenallee den Waldbestand aufzubessern, der seit dem 16. Jahrhundert stark zurückgegangen war. Die Düvelsbeker Baumschule diente seitdem dazu, das königliche Gehege aufzuforsten und den Forsteleven ein Unterrichtsfeld zu bieten. Die angehenden Förster wurden zugleich im Jägerkorps militärisch ausgebildet.

 Neben einheimischen Gehölzen wie Rotbuchen und Eichen fanden auf dem zuerst nur einen Hektar großen Areal auch viele Exoten, darunter ein Mammutbaum, eine neue Heimat in Kiel. Nachdem das Forstlehrinstitut 1833 nach Kopenhagen verlegt worden war, drohte der Forstbaumschule das Aus. Der König genehmigte den Erhalt nur unter der Auflage, dass die Baumschule die Unterhaltungskosten selbst zu tragen hatte. Bis 1898 wurde sie unter wechselnder Trägerschaft weitergeführt und entwickelte sich zum beliebten Ausflugsort. Die Stadt, die 1874 in Besitz der Grünanlage kam, entschied sich danach, das Gelände in einen englischen Landschaftspark umzuwandeln, der 1928 um die sogenannten Katholikenwiese und Mitte der 50er-Jahre bis zur Schlieffenallee auf seine heutige Größe von 13,5 Hektar erweitert wurde.

 Dass sich die Grünanlage über die Grenzen Kiels einen Namen machte, hängt auch mit dem Restaurationsbetrieb im Stil eines Bauernhauses zusammen. Pächter Carl Haussmann öffnete das Lokal, das sich später zu einem der beliebtesten Ziele von Ausflüglern entwickelte, vor 110 Jahren. Nachdem die Stadt den Park als öffentlich deklariert hatte, fiel der Beschluss, anstelle des Forstaufseherhäuschens, in dem zuvor Tee und Milch an Spaziergänger ausgeschenkt worden war, die Gaststätte „Forstbaumschule“ aufzubauen. Haussmann ließ ein Gartenbuffet errichten und die Veranda verglasen. Doch erst unter der Regie von Familie Schneider begann ab 1925 die große Zeit der Modenschauen, Maskenbälle, Gartenkonzerte und Tanzvergnügungen mit dem Bau einer Konzertmuschel. Zum Tanz erschienen die Herren, erinnern sich ältere Kieler, in den 50er-Jahren noch mit Krawatte und Jackett. Wehe dem, der sich nicht an die Etikette hielt: Sein Vorgänger Schneider, erzählte der heutige Wirt William Steen einmal, war bekannt dafür, dass er Paare, die auf der Tanzfläche eng tanzten, auf eine schickliche Distanz brachte, indem er sie kurzerhand auseinanderriss.

 Doch mit dem Siegeszug der Diskotheken in den 1970er-Jahren verebbte der Ansturm auf die Forstbaumschule. Lange Zeit stand die Gaststätte nur noch für geschlossene Gesellschaften zur Verfügung, bis im April 1984 William Steen einstieg. Es war Freitag, der 13. Doch ihm, dem Diplomvolkswirt mit Banklehre, brachte das Datum Glück. Auch wenn sich der Andrang auf den Biergarten mit 1200 Plätzen bei unbeständigem Wetter in Grenzen hält, sein Konzept geht offenbar bis heute auf: ganzjährig geöffnet, familienfreundliche Preise, deutsche Küche mit saisonalen Angeboten. Und immer wieder fröhliche Partys, etwa zum Saisonende des THW mit Freibier.

 Dabei wird der Park in städtischen Broschüren vor allem als Ort der Ruhe gepriesen. Es ist aber auch ein Treffpunkt für kleine wie große Besucher. „Er kann hier laufen, wie er will“, meint Kristen Bachmann mit Blick auf ihren eineinhalb Jahre alten Sprössling Thore. Spielen auf den Baumstämmen vor dem Lokal, die natürliche Atmosphäre, die Weitläufigkeit – etwa einmal im Monat kommt die Laboerin hierher. Im Restaurant treffen sich derweil Senioren und Studierende beim Mittagstisch, auf dem Rasen lassen sich Familien nieder, Tai-Chi-Gruppen machen ihre Übungen. Die Forstbaumschule kommt bei allen Generationen an.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Parkserie: Schützenpark
Foto: Patrick Nendza und Alexandra Schindler wohnen in der Nähe des Parks und gehen dort fast täglich mit ihren Kindern Julie (8) und Ella (sieben Monate) spazieren.

Die großen Grünanlagen der Landeshauptstadt wie Schrevenpark, Schlosspark, Forstbaumschule oder Volkspark kennt nahezu jeder Kieler. Die grünen Inseln mit ihrer Vielfalt an Flora und Fauna lassen die Alltagshektik für Momente draußen vor. Im Schatten der „Großen“ ist der Schützenpark etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3