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Ein lange vernachlässigtes Juwel

Parkserie, Teil 5: Schlossgarten Ein lange vernachlässigtes Juwel

Als der Schlossgarten 2012 nach sechs Jahren Umgestaltung in neuem Glanz erstrahlte, kamen Tausende Besucher zum Fest. Schon das damalige Programm mit barocken Tänzen und Falken-Kunststücken animierte zum „Flanieren durch das Gartenjuwel“, wie Rainer Peters vom Grünflächenamt meinte. Und in der Tat ist der Schlossgarten etwas ganz Besonderes.

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Medizin-Studentin Kristin nutzt eine Pause im Park, um sich auf der Bank in ein Buch zu vertiefen.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Im 16. Jahrhundert entstand Schleswig-Holsteins ältester Park als Renaissancegarten. In seiner Geschichte verwandelte er oft sein Gesicht.

Die Freude der Kieler war vor drei Jahren auch deshalb so groß über die Wiedereröffnung, weil sich im Norden der Anlage lange Zeit eine unansehnliche Betonböschung und ein Parkplatz erstreckten. Nichts, was zum Flanieren einlud. Dabei diente die Anlage zwischen Kiellinie und Innenstadt nach ihrer Eröffnung den Adligen als Lustgarten – streng abgeschirmt vom gemeinen Volk. Erst Universitätsgründer Herzog Christian Albrecht öffnete den Garten, an dessen Rand das damalige Universitätsgebäude stand, für Studenten und auch Interessierte. 1695 wurde die Fläche durch Herzogin Friederike Amalie (Gottorf) zum prachtvollen Barockgarten ausgebaut – im holländisch-französischen Stil. Gartenarchitekt Schumburg (1788 bis 1868) gestaltete die Fläche zum modernen Landschaftspark um. Später wurden diverse Denkmäler errichtet, unter anderem das Kriegerdenkmal 1879, und 1896 die Reiterfigur zu Ehren von Kaiser Wilhelm I.

 Nach den Zerstörungen vor allem durch den Zweiten Weltkrieg führte der Park aber viele Jahre ein Schattendasein, war sogar 2004 noch im Gespräch als Standort für das Partikeltherapiezentrum. Zum Glück, erklärte Bürgermeister Peter Todeskino, habe man sich auf den gesetzlichen Schutz des Areals berufen können. 2006 begannen die ersten Baumaßnahmen, wurden barrierefreie Zugänge geschaffen, die geschwungenen Wege mit feinem Kies bedeckt. Unterhalb der Kunsthalle entstand ein Aufstiegsbauwerk mit Rasen, Rabatten, hochwertigen weißen Bänken und einem romantischen Pavillon inmitten eines blühenden Staudenbeets mit Blick auf die Kreuzfahrtschiffe. Manches wurde dabei nach Vorbildern barocker Gärten hergerichtet; Relikte aus der Zeit des Landschaftsparks wie große Kastanien und Blutbuchen blieben erhalten.

 Nicht nur solche Aussichten, sondern auch die Ruhe im überschaubaren grünen Idyll locken seitdem Einheimische, Passagiergäste auf dem Bummel durch die Stadt, Urlauber und Patienten aus den nahegelegenem Universitätsklinikum an. Medizinstudentin Kristin nutzt eine Pause, um auf einer Bank in Botho Strauß’ Buch „Die Fabeln von der Begegnung“ zu lesen. „Es ist einfach schön“, bringt es ein gebürtiger Kieler auf den Punkt, der an seinem letzten Urlaubstag zu diesem „Refugium“ und „zur schön gepflegten Anlage“ radelte. Der einzige Makel aus seiner Sicht: Es gibt zu wenige Abfalleimer.

 Urlauberin Kathrin Schwarzkopf aus Eschwege, mit drei Kindern und Mann unterwegs, freute sich nach einem Besuch im Zoologischen Museum auf ein Päuschen. Auf einer Bank machte es sich Familie Rossi aus Bayern derweil schon gemütlich: Einmal im Jahr, erzählt Matthais Rossi, ein gebürtiger Eutiner, komme er zum Urlaub an die Förde, und dann stehe immer der Schlossgarten auf dem Programm. Er habe etwas Besonderes und liege wunderbar, findet er.

 Dass Kieler ihren lange vernachlässigten Schlossgarten mögen, zeigte sich schon daran, wie sie die Umgestaltung unterstützten und 30 Bänke stifteten. Und als das Denkmal für Zar Peter III. im Juni 2014 im Schlossgarten enthüllt wurde, waren ebenfalls viele Gäste aus Kiel dabei. Der russische Monarch (1728-1762) war auch Herzog von Holstein-Gottorf und verbrachte seine Kindheit im Kieler Schloss.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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