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Parlamentarischer Abend "Wolf" Ein vielstimmiger Chor

Das Thema Wolf ist ein hochemotionales. Das bewiesen schon die gut 180 Zuhörer im Landeshaus, die der Einladung des Kieler Tierheims zum parlamentarischen Abend zur „Rückkehr der Wölfe nach Schleswig-Holstein“ am Dienstag gefolgt waren.

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Beim parlamentarischen Abend zur „Rückkehr der Wölfe“ trugen besorgte Bürger ihre Erfahrungen und Ängste vor.

Quelle: Uwe Zucchi/dpa

Kiel. Mit Blick auf den nächsten runden Tisch zum Wolfsmanagement, der am Donnerstag tagt, bekamen auch Schäfer, Hundehalter und andere besorgte Bürger die Gelegenheit, auf ihre Erfahrungen und Ängste aufmerksam zu machen.

Die wenigsten der Anwesenden haben eine Begegnung mit einem Wolf erlebt und eine diffuse Angst vor dem Tier, das 2007 erstmals nach 200 Jahren wieder in Schleswig-Holstein nachgewiesen wurde. Ein Jungtier war auf der B76 bei Eutin überfahren worden. 2012 wurde erstmals ein lebender Wolf im Westen Segebergs gesichtet. Zwölf Sichtungen waren es im vergangenen Jahr landesweit – mehr denn je. Bislang ist Schleswig-Holstein jedoch ein reines Durchwanderungsgebiet. Als ansässig gelten Wölfe erst, wenn ein Paar länger als sechs Monate im Land bleibt. Dennoch, Fälle wie der von Schäfer Jan Siebels, bei dem im vergangenen Frühjahr fast 30 Schafe nach einer Wolfsattacke starben, schüren die Angst bei den Schäfern.

Keinesfalls Wölfe anfüttern

Auch einige Hundehalter sorgen sich, ob sie und ihr Vierbeiner im Wald sicher sind. Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky sieht keine Gefahr für den Menschen, auch wenn die Anzahl der Wölfe im Bundesgebiet exponentiell steigt und aktuell bei 324 liegt. „Neugierig sind nur die Jungtiere. Sobald sie ihre Naivität verlieren, werden sie scheu und man bekommt sie in der Regel nicht zu Gesicht“, sagte er. Keinesfalls dürften Wölfe jedoch angefüttert werden. „Diese habituierten Wölfe lernen, dass der Mensch Vorteile bringt und können nach einer Hand schnappen, in der sie ein Butterbrot vermuten.“ Hunde könne man nur durch Anleinen schützen. Er selbst sei Jäger und lasse seinen Hund frei laufen. „Seit 15 Jahren ist kein Hund auf der Jagd von einem Wolf gerissen worden.“

Bleibt die Angst der Schäfer. Zwar gibt es Entschädigungszahlungen vom Land, auch wenn nicht gesichert, aber auch nicht auszuschließen ist, dass Nutztiere von einem Wolf gerissen wurden. Doch diese sind durch EU-Vorgaben pro Betrieb auf 15000 Euro für drei Jahre beschränkt. „Das ist zu wenig“, sagte Janine Bruser vom Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter. „Was den Menschen betrifft, halte ich den Wolf nicht für gefährlich. Aber wenn er Schafe reißt, bedroht er Existenzen.“ Thomas Gall vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium stimmte zu:„Ich halte es für sinnvoll, über diese Summe hinaus zu bezahlen. Wie schnell die EU ist, kann man aber nicht vorhersehen.“ Bei einer Gesetzesänderung seien Nachzahlungen jedoch ausgeschlossen.

Gewinnbringende Lösung nicht gefunden

Am runden Tisch, der Jäger, Schäfer, Natur- und Artenschützer einbindet, sollen nun unter anderem ein möglicher Gnadenschuss, Versicherungs- und Haftungsfragen sowie Ansätze zum Schutz der Herden diskutiert werden. Elektroschutzzäune und Herdenschutzhunde wie in Sachsen oder Brandenburg seien für sie keine Lösung, mahnte Antje Eismann an. Die Schäferin aus Eiderstedt in Nordfriesland hat mehr als 1000 Schafe und sucht seit zwei Jahren nach einer Möglichkeit, sie zu schützen. „Nordfriesland ist das weidereichste Gebiet Deutschlands. Das müsste man komplett einzäunen, weil flächendeckend Weidetiere gehalten werden.“ Auch Herdenschutzhunde einzusetzen sei nach ihrer Meinung utopisch. „Wo sollen die denn alle herkommen?“

Eine zündende Idee fehlt bislang. „Mir klingt hier zu viel Ratlosigkeit mit“, stellte Wolfsexperte Wotschikowsky gegen Ende der Podiumsdiskussion fest. Die Möglichkeiten müssten noch gründlicher durchdacht werden. „Es kann aber auch sein, dass wir in Schleswig-Holstein keine Wölfe haben können.“ Dann müsse auch über Abschüsse nachgedacht werden. „Auf jeden Fall dürfen nicht die Nutztierhalter die Leidtragenden sein.“

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