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Erste offizielle Trampstelle eröffnet

Per Anhalter ab Kiel Erste offizielle Trampstelle eröffnet

Der Begriff Tramp kommt aus Amerika und bezeichnet Wanderarbeiter oder Tagelöhner. Die etwa 50 Studenten, die am Donnerstag an der Ecke Westring/Schützenwall ihre Daumen in die Luft hielten, haben mit der ursprünglichen Bedeutung des Tramps nichts zu tun. Sie wollten Kiel per Anhalter verlassen in Richtung „Mama“, in die Sonne oder einfach nur nach Berlin.

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Die Initiative zur Trampstelle stammt von einer Gruppe Kieler Studenten.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.   Alle Rucksacktouristen hatten allerbeste Laune, weil in Kiel die erste Trampstelle eröffnet wurde, von der aus man gefahrlos bei Mitfahrgelegenheiten einsteigen kann. Es soll die erste in Deutschland sein, sagten die beiden Studenten, die das Projekt „Kieltrampt“ initiiert haben.

Bürgermeister Peter Todeskino freute sich über diesen Vorstoß: „Mit der Trampstelle wollen wir in der Klimastadt Kiel Verkehrsmöglichkeiten verbinden und auch spontane Mitfahrgelegenheiten etablieren und sicherer machen.“ Trampen sei wieder modern. Es gebe einen Wandel in der Mobilität junger Menschen. Darauf wolle die Stadt reagieren. „Bisher treffen sich die Leute auf dem Parkplatz von Ikea, jetzt gibt es hier die Möglichkeit zuzusteigen“, sagte der Bürgermeister. Die Geografiestudenten Johannes Manthey (25) und Rolf Schwaner (24) sind die Initiatoren. „Wir haben das Projekt vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit entwickelt und sind auf die Stadt zugegangen“, sagten sie. Er halte es für „blödsinnig“, dass viele Fahrer alleine im Auto säßen. Das Trampen mit dem Daumen vermittle zudem ein anderes Menschenbild, weil man sich während der Fahrt kennenlerne. „In Kiel gibt es eine Gruppe von etwa 50 jüngeren Menschen, die sich mit ihren Schildern regelmäßig auf den Weg machen. Wir finden, die Stadt hat eine gute Sache umgesetzt“, sagte er.

Annalena Nitz ist passionierte Mitfahrerin und freute sich über die Zustiegsmöglichkeit. „Ich bin schon zum Bodensee getrampt und in Rumänien, der Ukraine und Südamerika zu fremden Menschen ins Auto gestiegen. Es gab nie Probleme“, sagte die 25-jährige Studentin. Im Gegenteil: Es habe immer Spaß gemacht, allerdings müsse man Zeit mitbringen, um sein Ziel zu erreichen. Und das hatte Frank Machowski klar vor Augen: „Ich war zu Besuch in Kiel und wollte gerade nach Berlin zurück, als die neuen Schilder eingeweiht wurden. Das habe ich mir natürlich angeguckt“, sagte der angehende Kulturwissenschaftler. Trampen ist für ihn ein Abenteuer, negative Erfahrungen hat auch er nicht gemacht. Früher hätte er sich häufiger an die Straße gestellt. „Jetzt mit den günstigen Fernbussen zahle ich eher ein paar Euro und bin dafür schneller am Ziel“, erklärte der 24-Jährige.

Bisher standen die Tramper am Schützenwall. Wenn dort Autofahrer hielten, blockierten sie den Verkehr. Aber von dort aus sind die Schilder zu sehen. „Wir begrüßen die neue Stelle, weil sie der Sicherheit der Mitfahrer und Verkehrsteilnehmer dient“, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl. Auch der ADAC findet das Projekt gut: „Eine Gefahr für Autofahrer besteht nun nicht mehr“, sagte Sprecher Ulf Evert.

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