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Kiel schafft 276 neue Planstellen

Personalaufwand Kiel schafft 276 neue Planstellen

Für den Haushalt 2016 meldet die Stadt trotz Spardiktat 276,2 neue Planstellen mit einem Gesamtkostenvolumen von 16,4 Millionen Euro an, davon allein 135,5 für die Betreuung von Flüchtlingen. Die Stadt gehe jedoch davon aus, dass dies eine einmalige Geschichte bleibe, sagt Kämmerer Wolfgang Röttgers.

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In der städtischen Kindertagesstätte Rendsburger Landstraße 141: Erzieherin Anja Zuther mit den Kindern (von links) Elanur, Emine, Finn Luca und Yusuf. Die Stadt will einen Springer-Pool aufbauen, um den Betrieb in den Einrichtungen sicherzustellen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Nicht nur der Aufwand für die Betreuung von Flüchtlingen habe enorm zugenommen, betont Stadtrat Röttgers. So stieg etwa die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Obhut genommen werden mussten, von 274 (Januar 2015) auf jetzt 750. Schutzmaßnahmen, Kinderbetreuung, Vormundschaften vor allem aber die Unterbringung bringen die Beschäftigten ans Limit. Suchten 2014 noch 52 minderjährige Flüchtlinge Schutz in Kiel, waren es ein Jahr später bereits 478.

Das Plus an Stellen wurde auch nötig, weil in manchen Bereichen ein Nachholbedarf besteht, den die Stadt Kiel ausgleichen muss, wie Röttgers einräumt. Der hohe Krankenstand und die vielen Überlastungs- oder Rückstandsanzeigen haben etwa in der Kindertagesbetreuung dazu geführt, einen Springer-Pool mit zehn Erzieher-Stellen einzurichten, um den Betrieb überhaupt am Laufen zu halten.

Prüfer mahnten Personalmangel an

Schon die Rechnungsprüfer hatten in ihrem jüngsten Bericht kritisiert, dass Aufgaben wegen Personalnot nicht ausreichend, nicht fristgerecht oder zum Teil gar nicht erledigt werden konnten. Betroffen waren vor allem die Immobilienwirtschaft, das Stadtplanungsamt, das Tiefbauamt und das Grünflächenamt. Dort hatten sich die Akten gestapelt und Mitarbeiter unter Stress gesetzt, berichtet Röttgers und weist in seinem Entwurf für diese Bereiche 42 zusätzliche Planstellen aus. Neu eingestellt werden auch acht Brandmeister und Notfallsanitäter, elf weitere Stellen sind für die Leitstelle vorgesehen.

Auch wenn der Zuwachs sehr groß ausfalle, sagt der Kämmerer, halte die Stadt die Grundsätze wie die Erfüllung von Pflichtaufgaben ein. 6,5 Millionen Euro seien bereits gegenfinanziert, etwa 180 Stellen erhielten einen „Kann-wegfallen“-Vermerk, wenn sich Aufgaben wie die Flüchtlingsbetreuung wieder in vier bis fünf Jahren reduzierten, sagt Röttgers. Schwierigkeiten, die Mitarbeiter dann umzusetzen, sieht der Kämmerer kaum. Im Gegenteil: Ab 2018 fürchtet die Stadt den Fachkräftemangel, da viele der städtische Beschäftigten nach und nach in den Ruhestand gehen. Schon jetzt sei der Markt an Erzieherinnen und Sozialpädagogen leergefegt.

Mehrausgaben kaum noch möglich

Fürs Personal muss die Stadt im nächsten Jahr etwa 262 Millionen Euro von einem Gesamthaushalt über 938 Millionen Euro und einem Defizit von etwa 40 Millionen Euro aufbringen. Eine Entwicklung, die dem Kämmerer große Sorgen macht: Das Ende der Fahnenstange sei erreicht.

Die Opposition im Rathaus sieht daher den Stellenzuwachs besonders kritisch: Man werde überprüfen, ob wirklich jede der Stellen notwendig sei, kündigten der CDU-Fraktionsvorsitzende, Stefan Kruber, und der finanzpolitische Sprecher der CDU, Ralph Roick, mit Blick auf die Haushaltsberatungen im Februar an. Auch dürften neue Stellen nicht die einzige Antwort auf einen so hohen Krankenstand sein.

Die Fraktionsvorsitzenden Hans-Friedrich Traulsen (SPD), Lydia Rudow (Grüne) und Marcel Schmidt (SSW) stehen dagegen geschlossen hinter dem Kurs der Stadt: „Wir unterstützen das erkennbare Ansinnen, das Personal dort zu verstärken, wo die Belastung gestiegen ist, insbesondere für Schulische Assistenz, für Kinderbetreuung, aber auch in der Stadtplanung.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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