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UKSH in Kiel weist todkrankes Kind zurück

Personalmangel UKSH in Kiel weist todkrankes Kind zurück

Einem lebensbedrohlich erkrankten Jungen aus Berlin bleibt die möglicherweise rettende Therapie verwehrt, weil auf der Kinderintensivstation des UKSH Betten und Pflegekräfte fehlen. Er liegt seit drei Monaten im künstlichen Koma, seine Heilungschancen sinken, je länger es andauert.

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Michelangelo (6) liegt im künstlichen Koma.

Quelle: hfr

Kiel. Obwohl der Kieler Spezialist für die seltene Erkrankung des Kindes zu einer Behandlung bereit ist und auch die Berliner Charité die Verlegung ihres Patienten befürwortet, muss Michelangelo L. (6) vorerst in der Hauptstadt bleiben.

 „Wir haben bedauerlicherweise Kapazitätsengpässe“, sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. „Von zwölf Kinderintensivbetten sind neun belegt und zwei wegen Isolation gesperrt.“ Das zwölfte sei für ein frisch operiertes Kind reserviert. Hinzu komme ein Ressourcenproblem in der Kinderklinik: „Es sind mehr Patienten da, als wir eigentlich versorgen können. Das heißt: Wir haben ohnehin eine schwierige Situation, in der man kein solches betreuungsintensives Kind aufnehmen kann.“ Nach Aussage der Mutter hat es eine Ärztin wesentlich drastischer formuliert: „Hier muss erst ein Kind sterben, bevor ich Ihren Sohn aufnehmen kann“, zitiert sie aus einem Telefonat mit dem UKSH.

 Das Kind ist an einer sehr seltenen und schweren Form der Epilepsie erkrankt und liegt derzeit auf der Kinderintensivstation der Charité. Weil die dortigen Mediziner weniger Erfahrung mit der Krankheit haben, wünscht sich die Mutter eine Verlegung nach Kiel in die UKSH-Klinik für Neuropädiatrie. Deren stellvertretender Direktor, Andreas van Baalen, ist einer von weltweit wenigen Spezialisten für die wissenschaftlich von ihm als Febrile Infection-Related Epilepsy Syndrome (mit fieberhafter Infektion verbundenes Epilepsie-Syndrom) beschriebene Krankheit.

 Van Baalen würde den Jungen gern behandeln, hat ihn bereits in Berlin besucht und mit den Ärzten gesprochen. Auch die Techniker Krankenkasse würde „ohne Wenn und Aber“ den Transport per Hubschrauber finanzieren. Doch das UKSH sieht derzeit keine Möglichkeit, das Kind aufzunehmen: „Wir bekommen Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet, insbesondere für die Kinderkardiologie und die Neuropädiatrie. Wir sind am Anschlag“, sagt Grieve.

 Für die Kapazitätsengpässe in Kiel ist nicht nur ein Mangel an Räumen und Betten verantwortlich, es fehlt auch an Personal. „Das UKSH unternimmt erhebliche Anstrengungen, um Intensivpflegekräfte zu finden“, erklärt Grieve. Neben den Landeskrankenhäusern haben vor allem die als Maximalversorger aufgestellten Universitätsklinika wie Charité und UKSH immer größere Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.

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Kinderintensivstation
Foto: Vor seiner plötzlichen Erkrankung war Michelangelo ein lebhafter Junge. Am UKSH könnte dem Jungen nach Expertenmeinung am besten geholfen werden. Doch es ist kein Bett für ihn frei.

Die Bemühungen, den lebensbedrohlich erkrankten sechsjährigen Michelangelo, der auf der Kinderintensivstation der Berliner Charité im künstlichen Koma liegt, ins UKSH Kiel zu verlegen, gehen weiter.

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