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Zuwanderungsabteilung arbeitet am Limit

Personalmangel Zuwanderungsabteilung arbeitet am Limit

Wer zurzeit einen Termin in der Zuwanderungsabteilung des städtischen Ordnungsamtes haben möchte, braucht viel Geduld. Denn die Behörde ist telefonisch so gut wie nicht zu erreichen. Und derjenige, der in dem Verwaltungsgebäude in der Fabrikstraße unangemeldet aufschlägt, verlässt es in der Regel unverrichteter Dinge.

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Bogdanna Vasylik (rechts) und Alexander Freudenberger wollen einen Antrag stellen und werden dabei von ihrer Betreuerin Solis Yusneira (links) unterstützt. Die Amtsmitarbeiterin Tatjana Gerth nimmt die Daten auf.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Wegen einer Krankheitswelle, Personalmangels und gestiegener Fallzahlen sind die Mitarbeiter des „Immigration Office“ der Landeshauptstadt derzeit überlastet. Gabriele Keibel-Paßmann beschreibt die Situation, die sie bei ihrem jüngsten Besuch in dem kurzen, verwinkelten Behördenflur erlebt hat, als „chaotisch“. Sie hilft seit knapp zwei Jahren der Familie eines syrischen Kontingentflüchtlings und wollte zusammen mit dem Familienvater nur einen Antrag abholen, damit sein Aufenthaltstitel verlängert werden kann. „Ich frage mich, wie sich dort ein Ausländer zurechtfinden soll“, sagt sie. „In dem überfüllten Flur gab es niemanden, der uns Auskunft geben oder Formulare aushändigen konnte.“

Keine Entspannung in Sicht

Auf demselben Gang ist auch das städtische Fundbüro zu Hause. Auch die Frau, die vor dessen Tür einen Flüchtling beriet, war keine Behördenmitarbeiterin, sagt Keibel-Paßmann, sondern die Türkisch und Arabisch sprechende Freundin des Mannes. „Sie wies mich auf die ausgehängte E-Mail-Adresse hin, über die ich mir einen Termin besorgen müsse.“ Das versuchte Keibel-Paßmann – doch auch eine Woche später hatte sie noch keine Antwort, bis Mittwoch nicht. Diese Erfahrungen beschrieb sie in einer weiteren E-Mail an den Oberbürgermeister – „in einer Mischung aus Ärger und Hilferuf“, wie sie sagt. Von Ulf Kämpfers Büro gab es immerhin zügig eine Antwort – doch Hoffnung, dass sich die Lage im „Immigration Office“ rasch entspannt, nährte diese nicht.

Denn in der Zuwanderungsabteilung herrscht Personalnotstand. Der Leiter des Kieler Bürger- und Ordnungsamts, Frank Festersen, sagt, zahlreiche Mitarbeiter seiner Behörde hätten sich in den vergangenen Monaten wegbeworben. Unter anderem wechselte ein Sachbereichsleiter zur Landesverwaltung. „Da hat uns der ,Heldenklau’ voll erwischt.“ Verwaltungsexperten mit Erfahrung in Sachen Ausländer- angelegenheiten sind derzeit heiß begehrt und werden auch gern mal abgeworben. Die Stadt hat nun massive Probleme, neues Personal zu finden. „Hier zu arbeiten, ist nicht sehr sexy“, sagt er mit Blick auf die Bewerber und mit Blick auf die hohe Arbeitsbelastung. „Die Zuwanderungsabteilung hat offenkundig keinen hohen Beliebtheitswert.“

Hoher Krankenstand

Die winterliche Grippewelle tat ihr Übriges. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich zuletzt im Schnitt nahezu halbiert – gleichzeitig sind seit dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen im vergangenen Spätsommer – im Behördendeutsch – die Fallzahlen explodiert. Festersen zufolge hat sich etwa die Zahl der Anrufe gegenüber dem Vorjahr versechsfacht. „Im Endeffekt klingelt bei einem Mitarbeiter jetzt das Telefon also zwölfmal so oft.“ Längst versucht die Verwaltung gegenzusteuern. Neun neue Stellen wurden genehmigt (zwei davon zunächst mit Sperrvermerk). So haben in dem Team, das sich etwa um aufenthaltsbeendende Maßnahmen kümmert, jüngst zwei neue Mitarbeiter begonnen. Diese müssten jedoch erst noch eingearbeitet werden, betont die Leiterin der Zuwanderungsabteilung, Petra Reiß. „Und das bindet dann noch zusätzlich die Kapazitäten unserer Mitarbeiter.“ Bis ein neuer Kollege voll eingearbeitet sei, dauere es bis zu einem Jahr.

Festersen kündigt an, dass die Einrichtung eines offenes Sprechzimmers für „kurze Fragen“ erwogen werde. „Wir prüfen, ob wir häufige und einfache Aufgaben aus den bestehenden Zuschnitten herauslösen können.“ Noch in dieser Woche soll es dazu Gespräche mit Personaldezernent Wolfgang Röttgers geben. „Wir müssen aufpassen, dass das aber keine Scheinlösung wird“, gibt er zu bedenken. „Wenn der Mitarbeiter dort zwar sitzt, aber in den meisten Fällen auch keine Auskunft geben kann, hilft das nicht weiter.“ Denn eine „kurze Frage“ entpuppe sich meist als so kompliziert, dass ein Blick in die Akte notwendig ist.

Die Chefin der Zuwanderungsabteilung hat daher einen dringenden Ratschlag. Wer als ausländischer Studierender sein Visum verlängern muss oder wer in aller Ruhe die Hochzeit plant, zu der auch die Oma aus einem fernen Land anreisen soll: „Melden Sie sich bitte frühzeitig bei uns.“ Und das bedeutet nach den aktuellen Erfahrungen eher Monate als Wochen oder Tage.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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