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Abschied voll Wehmut und Respekt

Peter Todeskino Abschied voll Wehmut und Respekt

Es ist kein Abschied im Zorn, aber einer mit Wehmut: Peter Todeskino wäre noch gern weitere sechs Jahre im Amt als Kieler Bürgermeister und Stadtbaurat geblieben, um anstehende Projekte zu Ende zu bringen. Doch die Politik entschied anders.

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Mit warmen Dankesworten und Geschenken verabschiedeten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (links) und OB Ulf Kämpfer den langjährigen Bürgermeister Peter Todeskino (Bildmitte, neben Büroleiterin Kerstin Mittendorf) in den Ruhestand. Von den Amtsleitern, Mitarbeitern und Dezernenten gab es stehenden Applaus.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Der Grüne hat unter unterschiedlichen politischen Mehrheitsverhältnissen viel bewegt und musste zweimal in schwierigen Situationen das Ruder als Oberbürgermeister in die Hand nehmen.

Im Sommer 2015 schwamm Todeskino noch auf einer Welle des Glücks: zehn Jahre im Amt und der Bauboom in Kiel schon in vollem Gang. Ganz anders war es, als der Jurist 2005 aus Münster als Dezernent für Stadt- und Umweltentwicklung der schwarz-grünen Ratsmehrheit nach Kiel kam und fast Stillstand vor allem im Wohnungsbau vorfand. Vier Jahre später musste er die für ihn größte Schlappe einstecken, das maritime Science Center nicht durchgebracht zu haben. Doch jetzt? Alte Feuerwache, Schlossquartier, Holsten-Fleet, das Hörn-Bad, ZOB, die Entwicklung des MFG-5-Geländes, das Velo-Routen-Netz: „Traumhaft. Ich habe richtig Spaß an der Arbeit“, sagte er immer wieder. Es sei gelungen, die vorher viel zu langen Bauverfahren abzukürzen und sich mit mehr als 1000 Mitarbeitern im Dezernat gut aufzustellen.

Selbst Kritiker respektierten seine hohe Arbeitsmoral

Als der 59-Jährige beim letzten öffentlichen Auftritt am vergangenen Freitag den Bogensteg am Kleinen Kiel freigab, stand er bei seiner Ansprache plötzlich im Regen. Er sei nicht so gut in Form, räumte er nach einem Versprecher ein – ein seltenes Eingeständnis für jemanden, der als leidenschaftlicher Radler und Läufer Wert auf Fitness legt, und ein Beleg dafür, wie nahe ihm der Abschied vom Amt geht, für das er auch nach Einschätzung von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) gebrannt hat. Selbst Kritiker respektierten seine hohe Arbeitsmoral: Todeskino versandte schon mal Anfragen in den frühen Morgenstunden mit der Bitte um schnelle Antwort. Einmal habe ihm ein Verhandlungspartner am nächsten Tag zurückgeschrieben, dass er um drei Uhr zu schlafen pflege.

Als Dezernent war Todeskino zuständig für den Umwelt- und Klimaschutz, für alle städtischen Liegenschaften, für Verkehrsanlagen und Entwässerung, für die Stadt- und Landschaftsplanung sowie für die Bauaufsicht. Kurzum: Wer buddeln, Bäume fällen und Bagger anrollen lässt, der steht schon von Amts wegen im Kreuzfeuer der Kritik. Das umso mehr, wenn man als impulsiv, streitbar und zuweilen auch als arrogant gilt. Nackenschläge, persönliche Anfeindungen und immer wieder auch Zoff mit den Parteifreunden – der überaus selbstbewusste Todeskino handelte sich etliche Male Ärger ein, auch mit Oberbürgermeister Kämpfer: Beide hätten sich oft gefetzt, aber immer wieder schnell und professionell miteinander arbeiten können, dankte der Verwaltungschef seinem Stellvertreter: „Du hast Dich besonders für die Stadt verdient gemacht.“ So manches Mal habe der Grüne für Beschlüsse der Verwaltung und Politik die Prügel einstecken müssen.

Todeskino bewies Steherqualitäten

Bei starkem Gegenwind bewies der Hobbymaler dann immer wieder Steherqualitäten, zum Beispiel, als ihn Gegner der Möbel-Kraft-Ansiedlung auf einem ehemals städtischen Kleingartengelände niederbrüllten. Oder als er nach der Wahl von OB Torsten Albig (SPD) zum Ministerpräsidenten 2012 vorübergehend selbst Verwaltungschef war und das Occupy-Camp vor der Förde-Sparkasse auch zum Ärger vieler Grüner räumen ließ. Als Oberbürgermeister müsse er die Interessen aller Kieler vertreten, verteidigte er sich.

Die größten Irritationen in der Partei löste der Bürgermeister aus, als er kurz nach der Rücktrittserklärung von Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke im Oktober 2013 eigene Ambitionen auf ihre Nachfolge anmeldete. Die Grünen unterstützten später die Kandidatur des Sozialdemokraten Kämpfer – ein deutlicher Dämpfer für Todeskino. Die Ansage seiner Partei, ihn nicht automatisch für eine dritte Amtszeit vorzuschlagen, sondern auf einer „Bestenauslese“ in einer Ausschreibung zu bestehen, erwischte ihn trotzdem kalt. Der Bruch der rot-grün-blauen Kooperation im Januar 2017 machte dann jede Chance auf eine Wiederwahl zunichte.

Kein großer Empfang zum Ende der Amtszeit, sondern die Bitte an die Stadt, stattdessen für das Projekt „Kids in die Clubs“ zu spenden: Am Donnerstag verabschiedet sich Todeskino vom Bauausschuss, am Freitag ist sein letzter Arbeitstag. „In meiner Amtszeit hat die Stadt eine Dynamik entwickelt, die mich immer wieder in Erstaunen versetzt. Kiel ist auch dank unserer Arbeit immer attraktiver geworden“, schrieb er an seine Mitarbeiter. Was er vorhat? Die Frage lässt Todeskino offen: Aber: „Ich werde Kiel immer verbunden bleiben, auch wenn es mich woanders hin verschlagen sollte. Die Stadt ist mir zur Heimat geworden.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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