21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
„Hier zieht mich nichts weg“

Peter Todeskino „Hier zieht mich nichts weg“

Als Bürgermeister Kiels ist Peter Todeskino (Grüne) gewohnt, häufiger im Rampenlicht zu stehen. Das war vor allem der Fall, seit der Jurist gleich zweimal die Leitung der Stadtverwaltung in schwierigen Zeiten übernehmen musste und sich sichtlich wohl in der Position fühlte.

Voriger Artikel
Fest als Test für den Ernstfall
Nächster Artikel
Beißattacken bei Supermärkten

Nach zehn Jahren im Amt freut sich Kiels Bürgermeister und Stadtrat Peter Todeskino über die Riesenchancen für die Stadt. Neben dem olympischen Feuer auf dem Rathausplatz präsentiert er sich als Olympia-Befürworter gern.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Zehn Jahre ist der 57-Jährige jetzt im Amt als Baudezernent und damit Kiels dienstältester Stadtrat. Zeit für eine Bilanz: „Alles gut“, sagt der gebürtige Oldenburger verschmitzt. Er schwimmt derzeit auf einer Welle des beruflichen Glücks.

 Als Peter Todeskino zu schwarz-grünen Mehrheitsverhältnissen 2005 nach Kiel kam, gab es, erinnert er sich, kaum Dynamik, schon gar nicht im Wohnungsbau. Vier Jahre später musste er auch die für ihn bisher „größte Schmach einstecken, das Science Center nicht durchgebracht zu haben“. Aber jetzt? Alte Feuerwache, Kleiner-Kiel-Kanal, Schlossquartier, Hotel-Pläne am Bootshafen und vieles mehr – dass so viele Projekte gerade in der Innenstadt anstehen, begeistert ihn: „Traumhaft. Ich habe richtig Spaß an der Arbeit. Wenn ich die derzeit nicht hätte, wäre ich fehl am Platz.“ Es sei gelungen, die vorher viel zu langen Bauverfahren zu kürzen und sich im Dezernat mit etwa 1000 Mitarbeitern pragmatisch aufzustellen.

 Als Stadtrat ist er zuständig für den Umwelt- und Klimaschutz, für alle städtischen Liegenschaften, für Verkehrsanlagen und Entwässerung, für die Stadt- und Landschaftsplanung sowie für die Bauaufsicht. Dass er dabei nicht jedermanns Liebling sein kann und oft aneckt, hat er verinnerlicht: „Das gehört zum Geschäft. Das muss man aushalten können“. Nackenschläge, persönliche Anfeindungen und auch Streit mit der eigenen Partei – all das begleitet den selbstbewussten Stadtrat und Bürgermeister seit zehn Jahren, auch weil er mit seiner Impulsivität schon so manchen vor den Kopf gestoßen hat. Aktuell entzündet sich der Ärger von Windpark-Gegnern an einer privaten Mail von Todeskino an Parteifreunde, eine Info-Veranstaltung in Meimersdorf zu besuchen, damit sie nicht von Gegnern dominiert würde. Ein Fehler sei das gewesen, aber nicht rechtswidrig, räumt er ein und sagt, so eine Mail schreibe man nicht.

 Bei viel Gegenwind zeigt der begeisterte Radler, Läufer und Hobbymaler immer wieder Steherqualitäten. Als er nach der Wahl von Torsten Albig (SPD) zum Ministerpräsidenten 2012 den vakanten Oberbürgermeisterstuhl vorübergehend übernahm, ließ er das Occypy-Camp vor der Förde Sparkasse räumen – sehr zum Verdruss auch vieler Grünen. Nach gescheiterten Verhandlungen mit den Aktivisten über Alternativstandorte sei die Entscheidung richtig gewesen, als Oberbürgermeister müsse er die Interessen aller Kieler vertreten, meint er. Auch als Baudezernent könne er nicht immer „eine lupenreine grüne Linie“ durchsetzen, verweist er auf die Proteste gegen die Ansiedlung von Möbel Kraft auf dem ehemaligen Kleingarten-Gelände Prüner Schlag: Er sei ein Mörder an der Natur, schrie ihn eine verzweifelte Kleingärtnerin im Ratssaal nieder. Szenen, die ihm nahe gingen, weil er als ehemaliger Kleingärtner die emotionale Betroffenheit gut nachvollziehen konnte.

 Die größten Irritationen löste der grüne Bürgermeister, bekannt für seinen Ehrgeiz, aber in den eigenen Reihen aus, als er kurz nach der Rücktrittsankündigung von Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) im Oktober 2013 eigene Ambitionen auf ihre Nachfolge öffentlich machte. Die Grünen unterstützten später die Kandidatur des Sozialdemokraten Ulf Kämpfer. Die Rückkehr in die zweite Reihe als Stellvertreter war ein deutlicher Dämpfer für ihn. Immer wieder machten Spekulationen die Runde, er wolle Kiel verlassen. Aber „alles gut“, sagt Peter Todeskino auch zu diesem Thema: „Das liegt an einem guten Chef. Kämpfer pflegt einen kollegialen Führungsstil.“ So verfolgt er – „nicht ohne Stolz“ –, wie sich das Gesicht der Innenstadt verändert, wie die verschiedenen Konzepte zum Einzelhandel greifen oder wie sich für Kiel die Chance eröffnet, auf dem früheren Areal des Marineflieger-Geschwaders (MFG 5) einen neuen Stadtteil zu entwickeln: „Ich habe viel mit angeschoben und will das bis zum Ende begleiten. Es zieht mich nicht weg“. 2017 steht seine Wiederwahl an. Der wird er sich auch stellen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3