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Es zieht wieder Leben ein

Petruskirche Es zieht wieder Leben ein

In die Petruskirche in der Wik zieht wieder Leben ein: „Gegen den Trend machen wir eine Kirche auf“, freut sich Propst Thomas Lienau-Becker. Gegenwärtig müsse die Kirche an vielen Stellen Liebgewonnenes aufgeben.

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Mehr als 30 Jahre lang fanden hier keine Gemeindegottesdienste statt. In der kommenden Woche kehrt in die Petruskirche wieder kirchliches Leben ein.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. „Hier will die Apostelgemeinde einen Kirchraum wieder mit gottesdienstlichem Leben gestalten. Das ist ein bedeutsames Ereignis mit Signalwirkung über den Kirchenkreis hinaus.“ Daher wird der Schleswiger Bischof Gothart Magaard den Gottesdienst anlässlich der Wiedereröffnung des Gebäudes als Gemeindekirche am Sonntag der kommenden Woche gestalten. Und auch Ministerpräsident Torsten Albig, Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Fregattenkapitän Peter Sikora von der Marine haben ihr Kommen zugesagt.

Das Fest auf den fünften Sonntag der Passionszeit zu legen, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt Pastor Lutz Damerow, der vor gut vier Jahren zur Apostelgemeinde gestoßen ist. „An Ostern feiern wir die Auferstehung, und auch hier passiert eine Auferstehung“, sagt er. „Unser erster regulärer Gemeindegottesdienst wird am Palmsonntag stattfinden – ein Fest am Anfang der Karwoche, wo wir dem Einzug Jesu in Jerusalem gedenken.“ Sein Kollege Lars Reimann, seit sieben Jahren Pastor in der Apostelgemeinde, ergänzt, dass man Feste eben feiere, wie sie sich anböten.

Kosten von 1,5 Millionen Euro

In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde die alte Kirche für rund 1,5 Millionen Euro in Stand gesetzt und umgebaut. Der Kirchenkreis als Eigentümer hat mit 950 000 Euro den Löwenanteil bestritten. Der restliche Betrag verteilt sich auf die Gemeinde und ein Denkmalschutzprogramm des Bundes. Die sichtbarste Veränderung ist nur von außen zu erblicken: Das Dach wurde nach heutigen Maßstäben isoliert und mit 20000 neuen Ziegeln versehen, erläutert Reimann. „Das neue Dach erlaubt es uns, die Kirche vernünftig zu beheizen.“ Maximal 18 Grad erlaube der Denkmalschutz – und das sei nun mit einer vertretbaren Umweltbilanz möglich.

Apropos Ökologie: Die Gemeinde will papierloser sein, als es Kirche bisher gemeinhin ist. Zwar werde es nach wie vor Gesangbücher geben, sagt Reimann. „Aber wir wollen zumindest die wöchentlichen Programmzettel einsparen.“ Und eigentlich können auch die Liedtexte mit einem Beamer an die Wand geworfen werden. Das klingt modern. Tatsächlich gilt die Apostelgemeinde als sehr progressiv. Pastor Damerow betont, dass die Gemeinde fest in der lutherischen Tradition verwurzelt sei, aber die „gute Botschaft in moderner Form“ verkünden wolle. Wer jetzt an Gospelmusik denkt, liegt nicht allzu falsch. Denn neben klassischen Gottesdiensten bieten die Pastoren auch modernere Varianten an, in denen eine Band den Ton angibt.

Neue Lautsprecheranlage

Damit der Sound gut rüberkommt, gibt es eine Lautsprecheranlage „in Top-Qualität“. Sie sei für Konzerte sinnvoll, die es auch künftig in der Kirche geben soll, sagt Lienau-Becker. Der Kirchenkreis habe das Recht, das Gebäude an 20 Tagen im Jahr auch weiterhin für diesen Zweck zu nutzen. Erste Konzerte werde es ab dem Spätherbst geben. Dann wird sicher auch der Bechstein-Konzertflügel zum Einsatz kommen, der in der kommenden Woche seinen festen Platz in der Kirche findet. Da der Petruskirche nach wie vor eine funktionsfähige Orgel fehlt, werden die althergebrachten Liturgien und Gemeindelieder in den traditionellen Gottesdiensten am Flügel begleitet. Der Orgelprospekt auf der Empore ist nämlich mehr Schein als Sein: Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Instrument „geplündert“ worden und ist seitdem ein stummes Fragment.

Unter der Empore ist ein Multifunktionsraum entstanden, der durch eine Glaswand abgeteilt ist. Hier sollen während der Gottesdienste etwa junge Eltern mit ihren Säuglingen Platz finden. Die Gemeinde hat rund 3800 Gemeindeglieder aus dem ganzen Stadtgebiet und Umland. In der Kirche gibt es nach dem Umbau gut 550 Sitzplätze. Die Kirchenbänke waren bisher mehr als sieben Meter lang. Jetzt sind sie geteilt worden, sodass es drei Gänge durchs Kirchengestühl gibt. „Uns war wichtig, dass die Kirche einladender wird“, erläutert Reimann den dahinter stehenden Gedanken. „Schließlich kommt eine Gemeinde nach und nach an und nicht wie die Soldaten früher in einem Schwung.“ Der bisher letzte Gemeindegottesdienst in der Petruskirche wurde am 2. August 1981 gefeiert. Damals stand Pastor Ernst-Bernd Klemm am Altar. Er wird am 13. März im Fürbittengebet wieder an diese Stelle treten. Die Petruskirche erwacht dann aus ihrem fast 35-jährigen Dornröschenschlaf.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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