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Die ganze Bande kommt vor Gericht

Pfandhaus-Raub Die ganze Bande kommt vor Gericht

Der mit Spannung erwartete Strafprozess gegen eine zwölfköpfige Räuberbande aus Litauen beginnt am 2. Oktober um 9.30 Uhr im großen Saal am Oberlandesgericht in Schleswig. Zwei von ihnen sollen im Oktober 2014 ein Pfandleihhaus in Kiel überfallen haben.

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Zwei von der Bande sollen im Oktober 2014 auf brutale Weise ein Pfandleihhaus am Exerzierplatz in Kiel überfallen und Uhren sowie Schmuck im Wert von einer halben Millionen Euro erbeutet haben.

Quelle: Arne Dedert/ dpa

Kiel. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern schweren Raub und gefährliche Körperverletzung in verschiedener Tatbeteiligung vor. Ihre Komplizen und Hintermänner waren laut Anklage an einem Überfall auf einen Düsseldorfer Juwelier im August 2014 beteiligt. Eine Tat soll in München geplant gewesen sein. Da das Gericht von bis zu 60 Prozessbeteiligten ausgeht, ergibt sich für das Landgericht in Kiel ein Problem: Da es dort nicht genügend Platz gibt, wird die Verhandlung nach Schleswig verlegt.

 Die mutmaßlichen Täter im Alter von 22 bis 40 Jahren sitzen derzeit getrennt voneinander in verschiedenen Gefängnissen, damit sie sich nicht austauschen können. Das ist bei Prozessen gegen Banden nicht ungewöhnlich. „Jeder von ihnen hat zwei Verteidiger. Falls einer verhindert ist, muss die Verhandlung nicht unterbrochen werden“, sagte Rebekka Kleine, Sprecherin des Kieler Landgerichts. Da keiner der Männer Deutsch spricht, sind mehrere Dolmetscher anwesend, die die Aussagen simultan übersetzen. Im Saal ist eine Lautsprecheranlage installiert. Allein das Vorlesen der Anklage der Staatsanwälte Michael Bimler und Christopher Sievers dürfte einige Zeit dauern. Vorsitzender Richter ist Carsten Tepp.

 Im Oberlandesgericht Schleswig haben Richter, Staatsanwälte, Dolmetscher, Verteidiger und Angeklagte genügend Platz. Dort gibt es für Besucher 114 feste Stühle, von denen einige umfunktioniert werden können, falls mehr Platz für die Prozessbeteiligten benötigt wird. Für die Sicherheit ist gesorgt: Für jeden Angeklagten sind zwei Justizangestellte zuständig. Die Angeklagten sitzen mit ihren Anwälten in Reihen vor den Richtern. Auch Polizisten werden im Gerichtssaal sein. Besucher werden vor dem Betreten durchsucht. Eine logistische Herausforderung werden die Pausen während der Hauptverhandlung. „Dazu werden Container als mobile Haftzellen aufgestellt, damit die Angeklagten nicht kommunizieren können“, erklärte Kleine. Mehr als 20 Prozesstage sind anberaumt. Verhandelt wird immer dienstags und freitags jeweils ab 9.30 Uhr. Anschließend werden die Beschuldigten wieder zurück in ihre Gefängnisse gebracht.

 Die Festnahme der mutmaßlichen Täter war spektakulär: Nach dem Pfandhausraub hatte die Kieler Polizei eine Sonderkommission gebildet, die Verbindungen zu anderen Überfällen in Deutschland herstellte. Sechs Wochen später, unmittelbar vor einem Überfall in München, wurden mehrere Männer festgenommen. Zeitgleich schlugen Spezialkräfte in Berlin zu. Ein weiterer Verdächtiger wurde im April 2015 in Norwegen festgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei agierte die professionelle Bande von Berlin aus und war hierarchisch strukturiert. Hier gab es einen Planer der Verbrechen, der Anweisungen eines Hintermannes aus Litauen empfing. In der Gruppe soll es unterschiedliche Karrierestufen gegeben haben. Wer sich in der Organisation als Dieb von Navigationsgeräten verdient gemacht hatte, durfte „höhere Aufgaben“ wie Überfälle übernehmen.

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Günter Schellhase
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