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Verteidiger fordern mehrheitlich Freispruch

Pfandhaus-Überfall Verteidiger fordern mehrheitlich Freispruch

Im Mammutprozess gegen elf mutmaßliche Räuber aus Litauen, die Überfälle auf ein Kieler Pfandhaus und Juweliere in Düsseldorf und München begangen oder geplant haben sollen, hat die Verteidigung mehrheitlich Freispruch gefordert.

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Im Mammutprozess in Schleswig werfen die Verteidiger der Staatsanwaltschaft vor, „ohne Not ein Hochsicherheitsverfahren“ betrieben zu haben.

Quelle: Carsten Rehder

Schleswig. Die Staatsanwaltschaft will, wie berichtet, hohe Haftstrafen für alle Angeklagten – bis knapp zwölf Jahre. Heute und am Freitag berät die 7. Große Strafkammer ihr Urteil, das sie am 19. Juli verkünden will.

 Für Strafen „deutlich unterhalb der Forderung der Anklage“ plädierten die Verteidiger des in Kiel und Düsseldorf beteiligten Haupttäters Ramunas P. (34). Er hatte während des achtmonatigen Prozesses eingeräumt, eine führende Rolle bei den Überfällen gespielt zu haben. In Düsseldorf habe er den Juwelier im August 2014 mit mindestens zwei Fußtritten gegen den Kopf verletzt.

 Auch die Anwälte von Marius D. (29), der in Kiel beteiligt gewesen und die Münchener Tat mitgeplant haben soll, halten Haftstrafen für unumgänglich. Rechtsanwalt Frank-Eckhard Brand (Lübeck) nannte die von der Anklage geforderten Höhen allerdings „völlig unangebracht“. Der Staatsanwaltschaft warf er vor, „ohne Not ein Hochsicherheitsverfahren“ betrieben zu haben, dessen Aufwand wahrscheinlich Millionen verschlungen habe.

 Bei ihren Strafforderungen habe die Anklage übergangen, dass der ursprüngliche Vorwurf mafiaähnlicher Bandenstrukturen nicht erwiesen worden sei, sagte Brand. Auch seien die Geständnisse nicht hinreichend berücksichtigt worden. Staatsanwalt Christopher Sievers hatte acht Jahre und neun Monate für Marius D. gefordert. Der Verteidiger hielt „maximal fünf Jahre“ für angemessen.

 Höchstens wegen Beihilfe sei Ernestas S. (27) zu verurteilen, schlugen dessen Anwälte „hilfsweise“ vor. Eigentlich forderten sie – wie die Verteidiger von sechs weiteren Angeklagten – Freispruch. Keine Zweifel an einer Verurteilung hat dagegen der von Anfang an umfassend geständige Kronzeuge Vilmantas K. (23): Seine Anwälte fordern Bewährung, der Staatsanwalt knapp vier Jahre Haft.

 Für Unruhe sorgte ein Verteidiger des mutmaßlichen Münchener Mitplaners Mantas Z. (23). Mit dem Antrag auf drei Jahre Haft wegen Verabredung zum Verbrechen überraschte der Anwalt nicht nur seine Kollegen im Saal, sondern auch seinen eigenen Mandanten: Z. protestierte entschieden gegen den „Unsinn“, beteuerte nachdrücklich seine Unschuld und forderte Freispruch.

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