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Kronzeuge im Visier der Verteidiger

Pfandleihaus-Prozess Kronzeuge im Visier der Verteidiger

Im Prozess des Kieler Landgerichts gegen zwölf Männer aus Litauen, die an brutalen Raubüberfällen auf ein Kieler Pfandhaus und ein Düsseldorfer Juweliergeschäft beteiligt gewesen sein sollen, spielt der geständige Vilmantas K. eine Schlüsselrolle: Als einziges Mitglied der mutmaßlichen Bande machte der 22-Jährige bei der Polizei umfangreiche Angaben, belastete sich selbst und mehrere Mitangeklagte.

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Im Prozess des Kieler Landgerichts gegen zwölf Männer aus Litauen, die an brutalen Raubüberfällen auf ein Kieler Pfandhaus und ein Düsseldorfer Juweliergeschäft beteiligt gewesen sein sollen, spielt der geständige Vilmantas K. eine Schlüsselrolle.

Quelle: Arne Dedert/ dpa

Schleswig/Kiel. Vor allem deren Verteidiger wollten am Freitag am zweiten Verhandlungstag im von Justiz- und Polizeikräften weiterhin scharf bewachten Oberverwaltungsgericht ganz genau wissen, wie die Ermittler mit dem möglichen Kronzeugen umgingen. Hat man ihm vielleicht irgendwelche Vorteile als Gegenleistung für seine Kooperationsbereitschaft in Aussicht gestellt? Profitiert er vom Zeugenschutzprogramm? Letztlich geht es um K.s Glaubwürdigkeit.

 Noch steht aber gar nicht fest, ob die brisanten Aussagen des 22-Jährigen im Prozess überhaupt verwertet werden dürfen. Die meisten Verteidiger wollen dies verhindern. Wegen einer umstrittenen Beschuldigtenbelehrung des Kronzeugen, der acht Monate nach seinen Komplizen in Norwegen gefasst und den deutschen Behörden überstellt wurde, bemühten sich die Anwälte bereits um die Ablösung des damals beteiligten Staatsan- walts – ohne Erfolg. Aktenkundig ist: Vilmantas K. hat seine Beteiligung am Düsseldorfer Überfall vom 22. August 2014 eingeräumt und den vielfach vorbestraften Mitangeklagten Ramunas P. für die wuchtigen Fußtritte gegen den Kopf des gefesselten Opfers verantwortlich gemacht. P. (33) soll zuvor schon in Italien einen Juwelier überfallen haben. Laut Anklage spielte er auch beim Kieler Pfandhausraub vom 9. Oktober 2014 eine führende Rolle.

 Im Fall Düsseldorf hatten die mit Uhren und Schmuck im Wert von 333000 Euro geflüchteten Täter den erheblich verletzten Ladeninhaber bewusstlos und gefesselt im hinteren Bereich des Geschäfts liegen lassen. Eine Stunde später wurde das Opfer durch Zufall gerettet: Sein Neffe entdeckte vor dem geschlossenen Laden beim Blick durchs Fenster die Brille des Onkels herumliegen und alarmierte die Polizei.

 Zurück zu Vilmantas K.: Zur Klärung der Umstände seiner Vernehmung hatte das Gericht am Freitag auf Antrag der Verteidigung eine Kripobeamtin (46) als Zeugin geladen. Die Hauptkommissarin vom LKA hielt es nach eigenen Angaben gegen Ende einer vierstündigen Vernehmung von Vilmantas K. am 23. Juli 2015 für angebracht, ihn unter Zeugenschutz stellen zu lassen.

 Der junge Mann sei erschrocken, als er hörte, „die Organisierte Kriminalität Litauens“ stecke hinter der Tat, und fürchte nun um seine Sicherheit und die seiner Familie. Auf mindestens 100 Mitglieder schätzen Ermittler die Gruppierung der „Kamuoliniai“ („Ballspieler“). Zwei ihrer Anführer sollen unter den Angeklagten sein.

 Im Zeugenschutzprogramm, an einem geheim gehaltenen Ort untergebracht, werde K. künftig weder zu seinen Eltern noch zu seinem Kind Kontakt halten können, sagte die Kripobeamtin. Ein Vorteil für den 22-Jährigen, der kaum ein Wort Deutsch spricht? Weitere Details zu den Umständen seiner ersten Vernehmung will das Gericht bei der Fortsetzung des Prozesses am 27. November klären.

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Prozess um Pfandhausraub
Der Mammutprozess gegen eine osteuropäische Räuberbande wird in Schleswig verhandelt, weil das Landgericht Kiel nicht über genügend Platz verfügt. Nach der Entschuldigung des Hauptangeklagten könnte Bewegung in den Prozess kommen, der morgen fortgesetzt wird.

Es waren „zwei gepflegt aussehende junge Männer mit osteuropäischem Akzent“, die am 9. Oktober 2014 Einlass ins Pfandhaus am Kieler Exerzierplatz begehrten. Zwischen den Schmuckvitrinen entpuppten sie sich als brutale Räuber. Bei der Fortsetzung des Prozesses schilderte das 26-jährige Opfer des Überfalls sein traumatisches Erlebnis.

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