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Pferde auf Pachtland nicht erlaubt

Die Stadt bleibt hart Pferde auf Pachtland nicht erlaubt

Schon seit dem Jahr 1976 hält Jürgen Brede Pferde auf städtischem Pachtland unmittelbar neben seinem Wohngrundstück in der Siedlung Hammer. Nun jedoch soll Schluss sein, hat die Verwaltung verfügt. Sehr zum Unverständnis des Betroffenen.

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Warm und trocken haben es die Pferde in dem Stall im Stadtteil Hammer. Das Problem: Der Bau wurde nie genehmigt. Nun gibt es auch Streit um Weideland, das Jürgen Brede von der Stadt gepachtet hat.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Keine Pferde mehr auf kommunalem Pachtland. Diese Devise ist in Kiel nicht neu. Bereits Ende der 1980er-Jahre wurde ein Extensivierungsprogramm auf den Weg gebracht, das bedeutete, dass eine solche Landnutzung vom Jahr 1992 an nicht mehr erlaubt war. „Welch ein Hohn“, sagte sich damals Jürgen Brede und setzte sich zur Wehr. Erfolgreich offenkundig, denn bis heute hält er Pferde, und gestört hat sich daran nach seinen Angaben schon lange niemand mehr aus dem Rathaus.

 Brede beteuert, die Ausnahmeregelung sei ihm seinerseits von höchster Verwaltungsseite zugesprochen worden. Die heute im Rathaus Zuständigen pochen allerdings darauf, dass nicht ein einziges schriftliches Dokument zu finden sei, das diese Behauptung stützt.

 Der Sache angenommen hat sich inzwischen auch Ortsbeiratsvorsitzender Winfried Jöhnk (SPD), der zu einer geteilten Beurteilung kommt. Die Stadt dürfe selbstverständlich bestimmen, zu welchen Bedingungen sie Land verpachtet, meint Jöhnk. Unstrittig sei darüber hinaus, dass Brede für Schuppen und Pferdestall keine Baugenehmigung vorweisen kann. Andererseits sei es aber auch so, dass die Stadt 20 Jahre lange nichts unternommen habe. Sie habe die Sache schlicht „verpennt“ und schwinge jetzt umso vehementer die formale Keule, kritisiert Jöhnk, der auch den ökologischen Nutzen einer pferdelosen Landnutzung nicht wirklich nachvollziehen kann.

 Erst jüngst gab es dazu wieder ein Gespräch im Rathaus, und es zeichnete sich die theoretische Möglichkeit ab, dem 68-jährigen Pferdefreund eine andere Fläche zu vermitteln. Praktisch, so fürchtet der Rentner, scheidet eine solche Lösung wegen der damit verbundenen hohen Investitionen von vornherein aus: „Das schaffe ich nicht.“ Betroffen von dem Konflikt sind sieben Pferde und etliche Jugendliche, die auf ihnen reiten, sagt Brede. Mit seiner Tierhaltung leiste er schließlich auch ein Stück Jugendarbeit.

 Demgegenüber beharrt die Stadt Kiel darauf, dass eine regelwidrige Landnutzung nicht deshalb rechtens sein könne, weil sie schon seit vielen Jahren stattfindet. Der Sachverhalt an sich sei komplex, weil sich das betroffene Gelände in drei Teilstücke gliedert. Ein Teil war von Bredes ehemaliger Lebensgefährtin gepachtet, die den Vertrag aber kündigte. Von einer weiteren Verlängerung mit Brede habe man wegen der politischen Beschlusslage abgesehen, teilt des Pressestelle des Rathauses mit. Die zweite Fläche grenzt direkt an die erste an, zu Ende Oktober 2015 hat die Stadt Brede den Pachtvertrag gekündigt, ein Jahr später muss das Gelände komplett geräumt sein. Grund: Pferdehaltung sei dort nie vorgesehen gewesen, die Wiese zudem „durch jahrelange illegale Überweidung in einem sehr schlechten Zustand“.

 Allerdings gibt es an der Straße Clasenhörn eine dritte Fläche, die für die Haltung von zwei Pferden verpachtet wurde. „Eine Kündigung ist derzeit nicht beabsichtigt“, teilt die Pressestelle mit. Gegenüber der Stadt habe Brede „stets angegeben, Eigentümer von zwei Pferden zu sein, so dass seine private Pferdehaltung und somit auch die damit verbundene Jugendarbeit mit dieser Pachtfläche sichergestellt sind“.

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