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Liebe zu den Kindern ist das Wichtigste

Pflegekinder Liebe zu den Kindern ist das Wichtigste

Jedes Jahr vermittelt das Kieler Jugendamt gut 50 Kinder in Pflegefamilien in ganz Schleswig-Holstein. Oft fühlen sich die Kinder und Eltern nicht anders als andere Familien, dabei müssen sie in ihrem Alltag einige rechtliche Besonderheiten bedenken.

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Jörg und Christine Eumann sind glücklich über ihr Leben mit den beiden Pflegekindern Mia (2.v.re.) und Philipp.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Wütend kommt Philipp (Namen der Kinder geändert) aus der Küche. Der Zehnjährige hält einen Zettel hoch, darauf ist ein Gesicht gemalt. Mit Brille, wenigen Haaren und vielen Zähnen. "So sehe ich doch nicht aus", ruft er empört. Hinter ihm im Türrahmen steht seine Schwester Mia und lächelt verlegen. Sie hat das Bild gemalt. Die Siebenjährige hat sich extra Mühe gegeben und sogar das Gesicht noch angemalt. Mutter Christine Eumann versucht zu schlichten: "Das sieht doch schön aus."

Ein Streit unter Geschwistern, wie in jeder normalen Familie. Denkt man. Doch so normal sind die Eumanns gar nicht. Das fängt schon damit an, dass Mia und Philipp keine richtigen Geschwister sind und Jörg (51) und Christine (45) Eumann nicht ihre leiblichen Eltern. Mia und Philipp sind Pflegekinder. Schon seit kurz nach ihrer Geburt leben sie bei Familie Eumann. "Für uns spielt das überhaupt keine Rolle. Es sind beides meine Kinder", sagt Christine Eumann, "ich liebe sie genauso, als wenn sie in meinem Bauch gewachsen wären."

Christine und Jörg Eumann haben lange probiert, eigene Kinder zu bekommen. Irgendwann war klar, dass es nicht klappen wird. "Wir haben uns dann erst über eine Adoption informiert. Aber dafür waren wir schon zu alt", erzählt Christine Eumann. Sie war damals 36 Jahre alt, ihr Mann 42. Über Bekannte haben sie dann von der Möglichkeit gehört, Pflegekinder bei sich aufzunehmen. "Wir sind dann zu einer ersten Informationsveranstaltung gegangen. Dort wurde erzählt, welche Kinder in Pflegefamilien kommen. Dass sie oft traumatisiert sind, weil sie viel Schlimmes erlebt haben", erinnert sich Jörg Eumann. Viele seien daraufhin abgesprungen. "Wir haben uns aber gedacht: Gerade deswegen müssen wir es machen."

Die Herkunft der Kinder und ihre leiblichen Eltern spielen bei der Aufnahme von Pflegekindern eine wichtige Rolle. Das Sorgerecht bleibt in der Regel bei den leiblichen Eltern, wobei die Pflegeeltern die sogenannte Alltagssorge haben. Das heißt, sie dürfen keine Entscheidungen treffen, die nicht umkehrbar sind. Dazu gehören beispielsweise Einwilligungen zu Operationen, Impfungen oder die Taufe.

Dem Jugendamt ist es außerdem wichtig, dass das Verhältnis zwischen Pflegeeltern und leiblichen Eltern möglichst spannungsfrei ist und auch regelmäßige Treffen möglich sind. Nicht immer gelingt das. "Das Schwierigste bei einer Pflegschaft ist nicht der Umgang mit den traumatisierten Kindern, sondern der mit den leiblichen Eltern", findet Christine Eumann.

Mia etwa habe gar keinen Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter. Die habe schwere psychische Probleme, sehe aber nicht ein, dass die Tochter nicht bei ihr leben kann.

Anders ist es bei Philipp. Er hat noch acht leibliche Geschwister. Alle seien in Pflegefamilien untergebracht, erzählt Christine Eumann. Seine leibliche Mutter könne damit gut umgehen. Aus den regelmäßigen Treffen mit ihr seien inzwischen große Familienzusammenkünfte geworden. Regelmäßig treffen sich alle Pflegefamilien und die leibliche Mutter. "Es ist schön, dass sich so die Geschwister kennenlernen", sagt Christine Eumann.

Trotz der nicht immer ganz einfachen Situation sind Christine und Jörg Eumann glücklich mit ihrer Entscheidung für Pflegekinder. "Wir würden alles wieder genauso machen."

Das Jugendamt ist immer auf der Suche nach neuen Pflegefamilien. Bei Interesse können Sie sich an den Pflegekinderdienst der Landeshauptstadt Kiel wenden, Tel. 0431/901-3640, oder eine E-Mail an pflegekinderdienst@kiel.de senden.

Von Anne-Kathrin Steinmetz

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