9 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Kiel will Stadtbäume der Zukunft finden

Pilotprojekt Kiel will Stadtbäume der Zukunft finden

Kiel ist Schauplatz für ein neues Pilotprojekt, das die Stadtbäume der Zukunft finden will. Dazu werden im Stadtgebiet in den nächsten Wochen 100 Bäume gepflanzt und über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet.

Voriger Artikel
Keine Angst vor Neuem oder Fremden
Nächster Artikel
Welche Kieler Stadtteile suchen wir?

15 Test-Bäume pflanzten Mitarbeiter und Auszubildenden des Grünflächenamtes im Damaschkeweg zum Start des Pilot-Projektes, mit dem die klimatoleranten Stadtbäume der Zukunft gefunden werden sollen.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Linde, Ahorn, Esche – diese Arten machen in deutschen Städten den Hauptbestandteil der Baumbepflanzung aus. Gleichzeitig gehören sie zu den Bäumen, die zunehmend von Krankheiten und Schädlingen geschwächt werden. Denn in Städten haben sie nicht nur mit Luftverschmutzung, wenig Wurzelraum, Hunde-Urin und Strahlungswärme zu kämpfen, sondern auch immer mehr mit den Auswirkungen des Klimawandels.

Am Mittwoch pflanzten Mitarbeiter des Grünflächenamtes die ersten 15 Bäume im Damaschkeweg in Kiel-Hammer. „Die Frage ist: Wie können wir reagieren, damit die Städte grün bleiben?“, sagte Anna Schellhase von der Baumschule Lorenz von Ehren, in der ein Teil der zehn Jahre alten Versuchsobjekte gezogen wurde. Nun sollen sie außerhalb der Optimalbedingungen der Baumschulen in städtischer Realität, also am Straßenrand, getestet werden. Ein Team unter der Leitung von Dr. Andreas Wrede von der Landwirtschaftskammer S-H wird im Versuchszeitraum die Bäume beobachten. 20 Sorten, jede mit fünf Exemplaren vertreten, werden an acht Standorten in Kiel gepflanzt. Gemessen und dokumentiert wird, wann die Blätter austreiben, der Baum in voller Blüte steht, die Blätter im Herbst fallen und wie sich Stammumfang, Kronenansatzhöhe und Baumhöhe entwickeln. „Kommt ein Baum gut mit den Bedingungen klar, wächst er schneller“, sagte Wrede. Die Messergebnisse sollen mit den Klimadaten der Stadt in Relation gesetzt und so herausgefunden werden, auf welche Bedingungen der Baum wie reagiert. „Es geht um eine Prüfungsmöglichkeit der Arten und Sorten, von denen eine gewisse Klimatoleranz zu erwarten ist, und um die Frage, ob sie auch unter dem Stressfaktor Stadt tolerant sind.“

Petra Holtappel (Grünflächenamt), Andreas Wrede (Landwirtschaftskammer), Marcus Henke (Stadt Kiel), Anna Schellhase (Baumschule Lorenz von Ehren), Winfried Jöhnk (Vorsitzender des Ortsbeirates Russee/Hammer/Demühlen) und Bürgermeister Peter Todeskino (von links) halfen beim Pflanzen.

Quelle: Sonja Paar

 Die Arten, zum Beispiel der Dreispitz-Ahorn, die Hopfenbuche oder die Ungarische Eiche, stammen aus Gebieten, in denen aktuell klimatische Bedingungen herrschen, wie sie durch den Klimawandel auch in Schleswig Holstein prognostiziert werden.

 „Das Projekt ist eine günstige Gelegenheit, um das Stadtgrün in Kiel nachhaltig zu entwickeln“, sagte Kiels Bürgermeister Peter Todeskino, dessen Stadtverwaltung mit 20000 Euro Bau- und Planungskosten beteiligt ist. „Selbst kleine Grünflächen sind wichtig, denn sie tragen dazu bei, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.“ Die Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen sei man der nachwachsenden Generation schuldig. „Wir müssen aber weiterhin den Klimawandel bekämpfen und begrenzen“, betonte er.

 Petra Holtappel vom Grünflächenamt, das für die Pflege der Bäume während des Versuchszeitraums zuständig ist, sagte: „Bäume wachsen langsam, daher wäre eine Verlängerung des Projekts wünschenswert.“ Belastbare Ergebnisse sind laut Andreas Wrede in Naher Zukunft nicht zu erwarten. „Nach ungefähr zehn Jahren können wir sagen, welche Arten hier geeignet sind“, sagte er. Die Bäume dann in Baumschulen zu produzieren dauere weitere zehn bis 15 Jahre.

 Neben der Landeshauptstadt nehmen auch Heide, Husum und Lübeck an der Aktion teil. „In Lübeck herrscht ein kontinentaleres Klima als an der Westküste“, erklärte Wrede. Mit den Ergebnissen der vier schleswig-holsteinischen Städte in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Projekt „Stadtgrün 2021“ erhoffen die Projektleiter sich nicht nur repräsentative Ergebnisse für die am besten geeigneten Stadtbäume im Norddeutschland der Zukunft, sondern für das ganze Bundesgebiet und das angrenzende Ausland.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3