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Nervosität in Suchsdorf

Pläne für Flüchtlingsunterkunft Nervosität in Suchsdorf

Gespannte Stimmung in Suchsdorf: Die Nachricht, dass die Stadt in unmittelbarer Nähe zum Neubaugebiet Suchsdorf an der Au die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft erwägt, hat die Anwohner in Aufregung versetzt. Der Ortsbeirat hat für Dienstagabend zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen.

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Stadtauswärts auf der linken Seite des Steenbeker Wegs könnte eine neue Flüchtlingsunterkunft errichtet werden. Entschieden sei aber noch nichts, betont Stadtrat Gerwin Stöcken.

Quelle: Frank Peter

Suchsdorf. Stadtrat Gerwin Stöcken, der den Stand der Planung erläutern wird, bemüht sich im Vorfeld, die Diskussion zu versachlichen. „Die Tatsache, dass wir die Bürger informieren, heißt nicht, dass es schon eine Entscheidung gibt.“ Im Gegenteil: Es gehe ihm darum, die Bürger rechtzeitig einzubinden, damit sie nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Stöcken verweist darauf, wie sehr die Kommunen von der Bundespolitik abhängen. „Sollte der Flüchtlingsstrom durch Entscheidungen in Berlin abebben, wird die ganze Frage von Containeraufstellungen neu diskutiert.“ Ohnehin gehe es allenfalls um Provisorien.

Planungen fußen auf Unsicherheit

Die Stadt begründet ihre Planungen mit der Unsicherheit, wie viele Flüchtlinge noch die Landeshauptstadt erreichen werden. Sollte die bisherige Zahl über das Jahr konstant bleiben, kommen 2016 mehr als 70000 Menschen nach Schleswig-Holstein. Der Platz in den bisherigen Unterkünften wird auf absehbare Zeit knapp. Für den Fall, dass es im Sommer eine ähnlich starke Einreisewelle wie im vergangenen Jahr gibt, wollen Land und Stadt daher schon jetzt „Pufferkapazitäten“ auf den Weg bringen. „Ich habe die Bauverwaltung gebeten, städtische Flächen zu finden, die sich für Unterkünfte anbieten“, sagte Stöcken, als vor gut anderthalb Wochen zur Sondersitzung des Ortsbeirats eingeladen wurde. Der Stadtrat hält den Standort grundsätzlich für geeignet, weil es mit Kindergarten, Schule und Einkaufsmöglichkeiten eine gute Infrastruktur gibt. Auch die Anbindung an das Bus- und Bahnnetz ist vorhanden.

Das Gelände, mit dem die Stadt plant, liegt stadtauswärts auf der linken Seite des Steenbeker Wegs zwischen der Brücke über die Ottendorfer Au und der Straße Steinberg, die ins Neubaugebiet führt. Die Fläche ist von Knicks eingerahmt und leicht abschüssig. Sie ist nicht als Schutzgebiet deklariert, auch wenn dies im Landschaftsplan aus dem Jahr 2000 einmal angedacht war. Die Fläche biete Platz für maximal 200 Container.

Immobilienwertverlust von 61,5 Millionen?

Angesichts der Unklarheit über die Zukunft des Projekts herrscht in Suchsdorf große Verunsicherung. Ein Teil der Anwohner hat sich bereits über soziale Netzwerke zusammengeschlossen. Zu einer Informationsveranstaltung des Vereins „Suchsdorf an der Au“, in dem nach eigenen Angaben 85 Familien aus dem Neubaugebiet organisiert sind, kamen Freitagabend rund 100 Menschen in die kleine Turnhalle der Kita, um vor allem ihre Sorgen, Fragen und Ängste auszutauschen. „Man muss darstellen, dass es Fragen und Ängste gibt“, sagt Christoph Koser, erster Vorsitzender des Vereins, der am Dienstagabend mit vielen Besuchern rechnet.

Zusätzlichen Zündstoff liefert eine Studie, die der Volkswirt und Gesundheitsökonom Thomas Drabinski erstellt und an die Politik in Kiel verteilt hat. Demnach sind für die Anwohner „signifikante Wertverluste für Grundstücke und Gebäude zu erwarten“. Drabinski, der selbst in dem Neubaugebiet wohnt und von einer zum Teil „aggressiven Stimmung“ unter den betroffenen Anwohnern berichtet, beziffert den möglichen Wertverlust des Immobilienvermögens in dem Stadtteil auf 61,5 Millionen Euro. Manches in der Studie sei zwar „zugespitzt“, gibt Drabinski zu. „Aber ich erwarte, dass die Stadt uns so ein Gutachten vorlegt.“

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Ein Artikel von
Kristian Blasel
Ressortleiter Lokalredaktion/Kiel

Kieler Förde

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Unterkunft in Suchsdorf
Foto: Das Gelände, auf dem möglicherweise ein Containerdorf für Flüchtlinge entsteht, ist von Knicks eingefasst und liegt direkt gegenüber dem Neubaugebiet Suchsdorf an der Au.

Angesichts des ungebrochenen Zustroms von Flüchtlingen erwägt die Stadt die Aufstellung von Containern in Suchsdorf. Maximal sei dort Platz für 200 Container.

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