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Jungbrunnen für eine alte Sprache

Plattdeutsch Jungbrunnen für eine alte Sprache

Einen Text flüssig und ausdrucksstark vor Publikum vorzulesen, ist schon eine Leistung. Ihn dann aber auch noch vor Profis der Niederdeutschen Bühne auf Plattdeutsch vorzulesen, ist eine echte Herausforderung.

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Glänzten beim Vorlesewettbewerb mit plattdeutschen Sprachkenntnissen: Lennart Suhr, Jarko Haaks (hinten, von links), Giuliana Techert, Mette Frahm, Carlotta Bormann, Momme Wulff und Katharina Ley (vorne, von links).

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Sieben Schüler aus zwei Altersgruppen stellten sich am Dienstag in Kiel dieser Herausforderung bei der dritten Runde des 36. plattdeutschen Lesewettbewerbs, zu dem der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) unter dem Motto „Platt – Ik bün dorbi“ eingeladen hatte. Ziel des Wettbewerbs ist es, Plattdeutsch als Sprache zu fördern und lebendig zu halten.

 In Kiel fiel der Startschuss für insgesamt sechs landesweite Regionalentscheide. Alle teilnehmenden Schüler hatten sich zuvor in ihrer Schule sowie in sogenannten Landschaftswettbewerben, die von den örtlichen Büchereien organisiert wurden, gegen die lesende Konkurrenz durchgesetzt. Dabei fiel auf: Die jungen Vorleser im Alter zwischen acht und 16 Jahre kamen nahezu alle aus dem ländlichen Raum – aus Grube im Kreis Ostholstein, Prinzenmoor im Kreis Rendsburg-Eckernförde oder Treia im Kreis Schleswig-Flensburg. Aus der Landeshauptstadt war niemand angetreten. „Kiel ist immer ein weißer Fleck“, sagt Marianne Ehlers, Referentin für Niederdeutsch und Friesisch beim SHHB. Stärker vertreten seien in der Regel die Regionen, in denen noch Plattdeutsch gesprochen werde oder sich Lehrer besonders für die Sprache einsetzten.

 So wie bei Giuliana Techert aus Wahlstorf, die durch ihre „Finkenwerder Platt“ sprechenden Großeltern sowie durch die Schule mit der Sprache vertraut wurde. „Da hatte ich gleich Lust, mitzumachen“, erzählte die Grundschülerin. In der Gruppe der dritten und vierten Klassen trat die Achtjährige als Jüngste gegen Carlotta Bormann (9) und Mette Frahm (9) an. Oder Momme Wulff (14) aus Haselau, der ebenfalls familiär vorgeprägt ist und bei der Elmshorner Speeldeel plattdeutsches Theater macht. „Dass der Vorlesewettbewerb bei uns in der achten Klasse Pflicht ist, finde ich trotzdem nicht gut.“ Carlotta Bormann aus Grube hatte wiederum dem Bücherpaket nicht widerstehen können, das die Lehrerin mit in die Schule gebracht hatte. „Ich möchte am liebsten den ganzen Tag lesen.“

 Alle Teilnehmer hatten sich zuvor aus einem eigens für die jeweilige Altersgruppe konzipierten Textheft drei Geschichten aussuchen dürfen, auf die sie sich intensiv vorbereiteten. Eine davon wurde als Wettbewerbsbeitrag ausgelost. „Das soll ja auch kindgerecht sein und Spaß machen“, betonte Marianne Ehlers. Lesefertigkeit, Ausdruck und Aussprache gehörten zu den Auswahlkriterien, die die sprachkundige Jury berücksichtigen musste. Jürgen Witt und Britta Poggensee von der Niederdeutschen Bühne, Journalistin Heike Thode-Scheel, Thorsten Börnsen, Leiter des Zentrums für Niederdeutsch in Mölln, und Falko Thomsen von der Förde Sparkasse, hatten es nicht leicht.

 Am Ende hatte Mette Frahm aus Prinzenmoor in der Altersklasse der Grundschüler die Nase vorn. Momme Wulff las sich auf den ersten Platz der Gruppe achte bis zehnte Klasse. Zusammen mit dem Zweitplatzierten dieser Altersklasse, Jarko Haaks (15) aus Bad Segeberg, werden die beiden Sieger am 8. Juni beim Landesentscheid in Eutin antreten, wenn es wieder heißt: „Schölers leest Platt.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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