12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Bärbel Boy, Albig und die Krise

Podiumsdiskussion Bärbel Boy, Albig und die Krise

Flüchtlingskrise, Euro-Krise, Milchkrise: Kriegen wir alle die Krise? Es ist ein hochkarätig besetztes Podium, das an diesem Donnerstagabend in der Business-Lounge der Sparkassen-Arena über derlei Fragen diskutiert.

Voriger Artikel
Titanwurz will wieder blühen
Nächster Artikel
#KN_WLAN nimmt Fahrt auf

Agenturchefin Bärbel Boy warnt vor der Verflachung des Krisenbegriffs. Prominentester Diskutant auf Einladung des Unternehmens: Torsten Albig, Ministerpräsident und Boys Lebenspartner.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Die Bischöfin der Nordkirche ist dabei und der Chefredakteur des Handelsblattes. Und der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. Um dessen Einladung hatte es im Landeshaus und in der Agenturszene reichlich Getuschel gegeben. Denn Organisator des „3. Kieler Forums Strategie und Kommunikation“ ist die Strategie-Agentur Boy, deren Gründerin Bärbel Boy (47) Lebenspartnerin von MP Torsten Albig ist.

 Als „gewählter Krisenmanager“ werde Albig über „neue Wesen der Krise im politischen Alltag und den Mangel an Augenmaß diskutieren“, heißt es im Einladungsflyer. Mangel an Augenmaß? Genau den bescheinigt nicht nur die Opposition Albig bei der Trennung von Amt und Privatem. Per Mail und Online-Kommentar brachten auch Leser der Kieler Nachrichten ihr Befremden zum Ausdruck. Der MP als Podiumsgast? Das schafft nicht jedes Unternehmen. Sowohl Agentur als auch Staatskanzlei hatten nach Bekanntwerden der Einladung jeden Filz-Verdacht zurückgewiesen. Bärbel Boy kann die Irritation nicht wirklich nachvollziehen: „Bei diesem Thema muss doch ein Politiker Stellung beziehen“, sagt sie vor Beginn der Diskussion. „Und Torsten hat gesagt: Er kann das machen.“ Nicht als Redner, sondern als ganz normaler Diskutant.

 Keine Frage: Das Thema hat einen Tiefgang, der lohnt, ausgeleuchtet zu werden. Und so hat sich die Agentur in einem Forschungsprojekt ohne externen Auftrag intensiv mit dem Krisenbegriff beschäftigt. Ein Ergebnis, so Bärbel Boy vor rund 150 Zuhörern: „Ein positiver Bedeutungsinhalt von Krise ist nur bei der älteren Gruppe von Interviewten zu finden. Früher war Krise die Bezeichnung eines Wendepunkts zum Besseren und deshalb auch landläufig eine Chance, ein Meilenstein in einem Prozess.“ Heute jedoch teile praktisch niemand mehr die Aussage „Krisen machen stark“. Krise sei nicht mehr das, was jemand persönlich erleide, sondern nur noch ein mögliches Szenario, die Angst vor Verlust.

 Das ist auch Albigs Einschätzung, aus dessen Sicht es „die Flüchtlingskrise“ als potenzielle Bedrohung einer ganzen Nation nicht gibt. „Ja, der einzelne mag eine Krise erleben.“ Dies sei auch der Macht der Bilder und Worte geschuldet. Aber nein: Einen generellen Missbrauch des Krisenbegriffs als parteipolitisches Machtinstrument kann Albig nicht erkennen. Und die AfD? Nun, da wisse ja jeder, dass das „ein Laden von Vereinfachern ist.“ Lobende Worte findet der Sozialdemokrat für die Kanzlerin: „Angela Merkel hat mit ihrer Flüchtlingspolitik Werte höher angesiedelt als Machtstabilisierung, und das muss man ihr hoch anrechnen.“

 Wann wird die Krise zur Katastrophe? Aus Sicht von Bischöfin Kirsten Fehrs droht dies, wenn überhaupt nicht mehr erlebbar ist, wo nach einer Zeit der Dunkelheit noch Hoffnung leuchtet: „Leider haben viele dieses metaphysische Obdach verloren.“ Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer der Brücke Schleswig-Holstein, warnt vor den Folgen eines verflachten Krisenbegriffes auf die Psyche des Einzelnen: „Die Angst wächst, und damit wächst die Sehnsucht nach einem starken Mann oder einer starken Frau, die alles wieder in Ordnung bringen.“

 Von Krise jedoch dürfte dann am Abend nicht mehr ganz so viel die Rede sein: Rund 100 Zuhörer sind eingeladen zur Firmen-Jubiläumsparty unter dem Motto: „Fast 15 Jahre Boy“.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3