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Details zum Mord an der Rentnerin

Polizei sucht Zeugen und Hinweise Details zum Mord an der Rentnerin

Die Polizei hat drei Wochen nach dem Mord an der Rentnerin Linde Perrey noch keine heiße Spur. 20 Beamte in der Mordkommission ermitteln intensiv, um das brutale Gewaltverbrechen an der 72-Jährigen aufzuklären, die am Sonnabend, 18. Juni, tot in ihrer Wohnung an der Dehnckestraße 1b gefunden wurde.

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Die Polizei fragt nach Hinweisen, um den Mord aufzuklären.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Symbolfoto)

Kiel. Linde Perrey liegt hinter dem Eingang auf dem Flur in ihrer Wohnung, als die Feuerwehr die Tür aufbricht. Nachbarn hatten die Frau schon länger nicht mehr gesehen, sich Sorgen gemacht – auch weil vor der Tür mehrere Pakete standen – und die Polizei gerufen. „Schnell ist uns klar, dass die Frau mit massiver Gewalteinwirkung getötet wurde. Es deutet viel darauf hin, dass sie sich gewehrt hat“, sagte Stefan Winkler, Leiter der Mordkommission. Zu einem Tatwerkzeug will er keine Angaben machen, weil es sich um Täterwissen handelt. Winkler und sein Team bekommen an dem Sonnabend sofort Verstärkung aus anderen Kommissariaten, so dass sich nach kurzer Zeit 20 Polizisten auf die Suche nach dem Mörder machen. „Wir haben keine Einbruchsspuren gefunden und auch keine Anzeichen dafür, dass es mehrere Täter waren“, erklärt Kiels oberster Mordermittler. Die Spezialisten der Kriminaltechnik sichern in der etwa 50 Quadratmeter großen Wohnung Fingerabdrücke und einen Berg an anderen Spuren, die jetzt im Landeskriminalamt (LKA) auf DNA untersucht werden. Erste Ergebnisse liegen vor, bringen die Polizisten aber nicht entscheidend weiter.

Linde Perrey wurde in ihrer Wohnung umgebracht.

Quelle: Polizei

Der Leichnam wird noch am selben Tag in die Rechtsmedizin gebracht. Die Sektion ergibt, dass Linde Perrey in dem Zeitraum vom 13. bis 15 Juni umgebracht wurde. „Wir gehen davon aus, dass es tagsüber geschah, weil sie komplett bekleidet war“, sagt Janine Schultz. Sie und ihr Kollege Lars Oeffner tragen als verantwortliche Sachbearbeiter die Ergebnisse zusammen. Die Beamten nutzen alle Ermittlungsmethoden, die es gibt. Sie befragen Hausbewohner, nehmen von einigen Speichelproben und Fingerabdrücke, aber auch von Polizisten und Feuerwehrmännern, die am Tatort waren. „So können wir die Abdrücke und DNA mit in der Wohnung gefundenen Spuren vergleichen und Personen als Täter von vornherein ausschließen“, erklärt Winkler. Sie reden mit den Fahrern der Paketdienste, holen sich die Mobilfunkdaten des Tatzeitraumes, sprechen mit ehemaligen Arbeitskollegen von Linde Perrey und ihrem Arzt. Die Beamten klappern die anderen Wohnblocks ab, fragen nach Auffälligkeiten, bekommen aber keine brauchbaren Hinweise. Videokameras in der Nähe gibt es nicht.

In diesem Haus lebte die Rentnerin.

Quelle: Ulf Dahl

Die Ermittler sind sich nicht mehr sicher, ob es ein Raubmord war. „Wir können noch nicht genau sagen, da fehlt definitiv etwas aus der Wohnung“, sagt Winkler. Die Beamten ermitteln in zwei Richtung: Ist die 72-Jährige gezielt ermordet worden? Dann geht es um eine Beziehungstat. Oder war die Rentnerin ein Zufallsopfer? Der Täter hat sie mit dem Rollator beobachtet und ging davon aus, dass er leichtes Spiel haben würde. „Wir haben geguckt, ob es hier um Umfeld häufiger Überfälle gibt, aber auch über die Landesgrenze hinweg geschaut“, sagt Winkler. Doch ähnliche gelagerte Taten haben nicht stattgefunden. Die Beamten haben ebenfalls abgeklopft, ob ein Trickbetrüger am Werk war, der bei Linde Perrey die Kontrolle über sich verloren hat. Aber in den Blocks an der Dehnckestraße hat kein Mensch innerhalb eines kurzen Zeitraums an mehreren Türen geklingelt – verdächtige Personen sind den Bewohner nicht aufgefallen.

Die Ermittler erforschen jetzt das Leben des Opfers, um eventuell so weiterzukommen: Sie befragen ihre Kinder, Nachbarn und den Arzt – immer mehr Details werden bekannt. Linde Perrey lebte zuletzt sehr zurückgezogen. „Sie war fast taub und deswegen seit 2012 auf den Rollator angewiesen, weil sie Gleichgewichtsstörungen hatte“, sagte Winkler. Wegen der Beeinträchtigung ihres Gehörs hat sie per SMS mit ihren Angehörigen kommuniziert. Auch eine Freundin hat für sie telefoniert. Ebenso entdeckten die Beamten viele Zettel mit Botschaften, über die sie Informationen austauschte. Dennoch hat die 72-Jährige ihren Alltag gut gemeistert, war oft in der Stadt, ging einkaufen, kochte sich das Essen selbst.

Linde Perrey wurde in Ostpreußen geboren, lebte in den 80er Jahren im Ruhrgebiet und seit Mitte der 90er in die Teichstraße in Laboe. „1997 zog sie in den Redderkamp nach Russee, ein Jahr später in den Hollwisch nach Ellerbek und 2002 in die Dehnckestraße“, sagt Lars Oeffner, der sich mit dem Leben der Frau auseinandergesetzt hat. Sie verdiente ihr Geld als Sekretärin und hatte bis 2006 viele Nebenjobs auf 400-Euro-Basis. So arbeitete sie beispielsweise als Haushaltshilfe für ältere Menschen. Die Beamten würden gerne mehr über die Vergangenheit der Frau wissen. Hoffnung setzen sie auch auf weitere Ergebnisse der Spurenauswertung im LKA, um den brutalen Mord schnell aufzuklären.

Auch Kleinigkeiten können für die Ermittler wichtig sein

Trotz der vielen Hinweise, die bereits eingegangen und von den Ermittler abgearbeitet worden sind, kommt die Mordkommission nicht richtig weiter. Die Beamten hoffen, dass sich weitere Bekannte und Zeugen melden: Wer Linde Perrey kennt und noch keinen Kontakt zur Polizei hatte, sollte dringend anrufen, auch wenn es sich nur um Kleinigkeiten handelt. Ebenso möchten die Beamten alles über verdächtige Personen wissen, die in dem Tatzeitraum in der Dehnckestraße gesehen wurden. Interessant sind für die Beamten auch Hinweise über Menschen, die sich jetzt gegenüber Dritten anders verhalten als sonst oder Kenntnisse über das Tötungsdelikt haben. Da bei dem Mord Blut geflossen ist, könnten auch Aussagen von Zeugen über blutbefleckte Kleidung bei anderen Personen von großem Interesse für die Ermittler sein. Nach wie vor ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt. Hinweise an die Kripo unter Tel. 0431/1603333.

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