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Post stellt Streikbrecher ein

Paketzentrum Neumünster Post stellt Streikbrecher ein

Brief- und Paketzentren werden bestreikt. Auch am Donnerstag beteiligten sich bundesweit Tausende Mitarbeiter der Deutschen Post an den Warnstreiks. Von Jörn Genoux und Bastian Modrow

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Protest vor dem Rathaus: Mitarbeiter des Post-Paketdienstes DHL beteiligten sich gestern an der Demonstration in Kiel.

Quelle: Frank Peter

Neumünster/Kiel. Das Unternehmen versucht weiterhin, die Folgen der Arbeitsniederlegungen zu begrenzen. Sie setzt dabei auch auf Leiharbeitskräfte und auf Mitarbeiter, die auf der Basis von Werkverträgen beschäftigt werden, wie das Unternehmen am Donnerstag auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigte.

 So sei beispielsweise für das Paketzentrum Neumünster „mit einer Zeitarbeitsfirma ein Werkvertrag geschlossen worden“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Man setze in „Starkverkehrszeiten“ wie Ostern oder Weihnachten zusätzliche Zeitarbeitskräfte ein, „um flexibel reagieren zu können. „Auch im Falle möglicher Warnstreiks können wir so negative Auswirkungen für unsere Kunden möglichst gering halten“, so der Sprecher. Laut Gewerkschaft Verdi werden bereits seit seit Beginn des Tarifkonflikts im Paketzentrum Neumünster (180 Arbeistplätze) Fremdarbeitskräfte als Streikbrecher eingesetzt. Inzwischen seien es 100, 50 je Schicht, berichtete Thomas Ebeling, Gewerkschaftssekretär von Verdi. Auch in der Paketzustellung würden Fremdarbeitskräfte eingesetzt, beispielsweise in Kiel. Die Post hat nach Erkenntnissen der Gewerkschaft zunächst bei deutschen Zeitarbeitsfirmen angefragt. Die hätten aber wegen des Tarifkonflikts abgesagt.

 Deutsche Zeitarbeitsfirmen und der DGB haben per Tarifvertrag vereinbart, dass Leihkräfte „nicht in Betrieben oder Betriebsteilen eingesetzt werden, die ordnungsgemäß bestreikt werden“, erklärt Oliver Nazareth, Landesvorsitzender des Branchenverbandes IGZ. Das gelte auch für Mitarbeiter, die bereits vor Beginn der Arbeitskampfmaßnahme im Betrieb eingesetzt worden seien. Werkverträge hingegen seien möglich. Daher hat die Post nun laut Verdi über ausländische Firmen Personal rekrutiert, unter anderem aus Polen, Tschechien und den Niederlanden. Verdi sprach von einem „skandalösen Vorgehen, Streikmaßnahmen in Deutschland zu unterwandern.“

 Die Verunsicherung der Post-Mitarbeiter sei groß, berichtet Ebeling. Viele bangen um ihre Arbeitsplätze. Zunächst sollen diese Fremdarbeitskräfte laut Gewerkschaft bis zum 30. Juni eingesetzt werden. „Viel erschreckender aber ist, dass die Betriebsräte von der Maßnahme zu Beginn komplett überrascht worden sind“, sagt der Verdi-Mann. Anfang April hätten die Fremdkräfte ihre Arbeit aufgenommen. „Ein solche Planung ist nicht von heute auf morgen umzusetzen, das muss von langer Hand geplant worden sein“, vermutet Ebeling.

Holstein-Fans können Tickets nachdrucken lassen

 Der Post-Streik wirkt sich auch auf das sportliche Geschehen in der Landeshauptstadt aus: Fußball-Fans, die online ein Ticket für das Relegations-Hinspiel zwischen Holstein Kiel und dem TSV 1860 München (heute, 20.30 Uhr) gekauft und sich für „Postversand“ entschieden haben, könnten beim Gang zum Briefkasten eine Überraschung erlebt haben: Der Spieltag ist da, das Ticket jedoch nicht rechtzeitig angekommen. Aber keine Panik: Für Betroffene besteht die Möglichkeit, die erworbenen Tickets heute ab 15 Uhr gegen Vorlage der Kundennummer und des Personalausweises im Holstein-Fanshop am Stadion nachdrucken zu lassen, teilte Holstein Kiel am Donnerstag mit.

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Post-Streiks im Norden
Foto: Diese Post-Beschäftigten haben ihre Arbeit niedergelegt: Sara Multhaup, Matthias Pietsch, Malte Wegner und Franz Kuncl (v. li.) kämpfen unter anderem gegen die Ausgliederung der Paketzustellung in nicht an den Haustarif gebundene Tochterfirmen.

Die Fronten im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post sind verhärtet. Seit Montagnachmittag streiken die Beschäftigten – erstmals ist ihr Ausstand unbefristet. Eine rasche Einigung ist wohl unwahrscheinlich. Umso kämpferischer ist die Stimmung auch unter den Streikenden im Norden: „Es geht darum, wie in Zukunft bei der Post gearbeitet wird“, sagt Malte Wegner.

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