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Lehrmittel-Genossenschaft im Wandel

Praxis trifft Lehre Lehrmittel-Genossenschaft im Wandel

Der Ehemaligen-Verein Familie Strak organisierte die dritte Auflage von „Praxis trifft Lehre“ an der Kieler FH. Schiffbauer tragen am Sonnabend zu spannenden Themen nicht nur für Experten vor.

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Sie werden von der Alumnivereinigung unterstützt: Die FH-Studenten Helge Rixen, Jonathan Thal, Jost Kemper und Magdalena Heibeck (von links) arbeiteten im Sommer bereits am Nachfolger des Förderacers. Auf der Veranstaltung werden sie über den Sachstand berichten.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Neumühlen-Dietrichsdorf. Im Mai 1903 saßen zwölf Studenten der ersten Schiffbauklasse an der Fachhochschule zusammen und realisierten ihre Idee von einer Art Lehrmittel-Genossenschaft. Denn alles, was man damals zum Schiffbau-Studium benötigte – wie Straklatten, Kurven, Formulare und Bücher – war sehr teuer. Also gründeten die Zwölf eine „Zweckgemeinschaft mit gemeinsamer Kasse“ und nannten sie Familie Strak – heute die älteste Alumnivereinigung an der FH. Mittlerweile geht es bei dem Verein aus ehemaligen und aktiven Schiffsbau-Studenten der FH aber nicht mehr um Lehrmittelbeschaffung, sondern vielmehr um die Förderung „von Maßnahmen, die im öffentlichen Haushalt gar nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt sind“, so der Vorsitzende, Geerd Breffka. Eine davon ist beispielsweise die Vortragreihe „Praxis trifft Lehre“ am Sonnabend, 26. November, ab 10 Uhr, die diesmal allen Interessierten offen steht.

Den Namen „Strak“ wählten die Gründungsstudenten wegen der Fachbezeichnung „Straken“, dem zeichnerischen Darstellen einer strömungsgünstigen Form im Schiffbau. Die Höhe des zu leistenden Mitgliedsbeitrages legt bis heute jeder selbst fest. Aber natürlich reichte der damals nicht aus. So war man vor allem auf Spenden Ehemaliger angewiesen. Vielleicht ein Grund, warum sich die einstige Studentengruppe im Laufe der Jahrzehnte eher zu einer Altherrenvereinigung entwickelte, wie der Vorsitzende Geert Breffka erzählt. „Die Alten haben es in die Hand genommen und die Studenten eingeladen“, erzählt Kersten Prophet, Kassenwart und Qualitätsmanager bei Thyssenkrupp, wie es jahrelang funktionierte.

Vor drei Jahren ging es los

Vor drei Jahren wollte der Vorstand etwas frischen Wind in die Vereinigung bringen, die Crew auf neue Wege lenken und mehr aktive Studenten einbinden. Seitdem ist der Verein gemeinnützig, um auch Spendenbescheinigungen ausstellen zu können. Der Vorstand wird zudem nicht nur mit ehemaligen, sondern auch mit aktiven Studenten besetzt. Außerdem wurde die Veranstaltungsreihe „Praxis trifft Lehre“ ins Leben gerufen. Diesmal sprechen auf der Veranstaltung an der FH ehemalige Absolventen, Studenten und Dozenten des Studienganges Schiffbau über Themen aus der Praxis, ihre Arbeiten und Lehrthemen. Die etwa 30-minütigen Vorträge zum 3. Strak-Tag wurde so ausgewählt, dass sie auch für Nicht-Schiffbauer interessant sein könnten. Denn der Verein möchte seine Arbeit nach außen hin greifbarer machen.

Ab 10.15 Uhr referiert Tjark Schwebe von der Lloyd Werft Bremerhaven AG über das „dynamische Versagen eines Containerschiffes unter Wellenbelastung“. Dabei geht es darum, wie mit aufwendigen Computerprogrammen heute die Belastungen berechnet werden, unter denen ein Schiff auseinanderbrechen kann. Anschließend um 10.45 Uhr stellt FH-Student Jost Kemper seine Bachelor Thesis vor, bei der es um Berechnungsgrundlagen über Prognosen zur Schnelligkeit von Segeljachten und insbesondere Rennjachten geht. Nach einer kurzen Pause spricht Klaas Oltmann vom Hamburger Offshore-Ingenieurbüro Overdick GmbH & Co KG über ein schon durch die Medien bekanntes Thema: die Bergung der „Costa Concordia“. Was kaum einer weiß: Bei dem 500-köpfigen internationalen Team unter der Leitung des Südafrikaners Nick Sloane waren die Hamburger verantwortlich für die Berechnungen der Aufrichtung des Kreuzfahrers. FINO3-Projektleiter Jan Bachmann berichtet um 12 Uhr über die Offshore-Forschungsplattform und den meerestechnischen Erprobungsträger. Zum Ende der Veranstaltung um 12.30 Uhr wird der aktuelle Stand zum Tretboot-Projekt „Förderacer“ präsentiert – ein von FH-Studenten entwickeltes Tretboot, das mit bis zu elf Knoten übers Wasser gleitet.

Anfang des Wintersemesters waren 171 Studenten im Bachelor- und Master-Studiengang Schiffbau eigeschrieben. Etwa 4000 Euro aus Beiträgen und Spenden hat die Familie Strak jährlich zu verteilen. Unterstützt werden damit Projekte wie der „Förderacer“, Exkursionen, Veranstaltungen oder Diplomarbeiten. Momentan zählt der Verein 70 Mitglieder und etwa 300 Förderer.

„Praxis trifft Lehre“

Sonnabend, 26. November, 10-13 Uhr, Fachhochschule Kiel, Grenzstraße 3, Raum 3.03. Eintritt frei, eine Spende für die Familie Strak ist willkommen.

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