16 ° / 11 ° stark bewölkt

Navigation:
Chef-Aufklärer ist nun ein Mann

Pro Famila Chef-Aufklärer ist nun ein Mann

Das gab es in der 50-jährigen Geschichte des Landesverbandes von Pro Familia noch nie: Zum ersten Mal übernimmt ab 1. Mai ein Sexualpädagoge die Leitung einer Beratungsstelle – in diesem Fall die in der Kieler Bergstraße.

Voriger Artikel
B76: Auto krachte mit Lkw zusammen
Nächster Artikel
Statt Unterricht Demo gegen Rassismus

Ein neues, erstmals männliches Gesicht an der Spitze von Pro Familia in Kiel: Ab 1. Mai übernimmt Dominik Hohnsbehn (34) die Leitung der Kieler Beratungsstelle in der Bergstraße.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Dieser Wechsel soll nicht nur ein Zeichen „männlicher Emanzipation“ in einer sonst ausschließlich von Frauen besetzten Führungsposition setzen. Auch inhaltlich feilt Pro Familia damit an seinem Profil. „Bislang werden wir in der Öffentlichkeit oft nur als Institution wahrgenommen, die Abtreibung irgendwie richtig findet“, erklärt der neue Chef der Beratungsstelle, Dominik Hohnsbehn. Dabei bilde die Schwangerschaftskonfliktberatung nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Arbeit.

So hat der studierte Diplom-Pädagoge mit Studienschwerpunkt Sexualpädagogik bereits einige neue Projekte auf den Weg gebracht wie zum Beispiel Jugendsprechstunden in Schulen.  Besonders gefordert sein wird der 34-Jährige in nächster Zukunft zum Thema sexuelle Aufklärung junger Flüchtlinge. In einem ersten Schritt gehe es zunächst um eine Bestandsaufnahme bereits vorhandener oder noch fehlender Ressourcen aller zu diesem Thema aktiver Einrichtungen. Doch weil das Thema so drängt, hat die Stadt schon jetzt eine engere Kooperation mit Pro Famila in Form von zehn Projekten signalisiert.

Die Themenbandbreite ist groß

Das Spektrum dabei zu bearbeitender Themen ist riesig. Es reicht von der Schulung der Flüchtlingsbetreuer über sexuelle Aufklärung der Jugendlichen über Beratungen vor möglichen Schwangerschaftsabbrüchen junger Frauen bis hin zu einer „Flirtschule“. Vor allem bei solcher Annäherung der Geschlechter muss das Pro-Familia-Team jede Menge kulturell bedingter Missverständnisse aufklären. „Zum Beispiel, dass hinter einer Einladung in das Zimmer eines Mädchens eben längst nicht immer sexuelle Absichten stecken“, betont Hohnsbehn: „Unsere Art sexueller Selbstbestimmung ist für viele Flüchtlinge noch stark erklärungsbedürftig.“

Doch nicht nur wegen des Aufgabenzuwachses bei der Arbeit mit jungen Flüchtlingen will Pro Familia sein zehnköpfiges Team in Kürze zumindest leicht aufstocken. Auch die Nachfrage nach Schulprojekten steigt permanent. „Leider haben wir aber nicht genügend Kapazitäten, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden“, bedauert Hohnsbehn: „Denn es fehlt schlichtweg das Geld.“ Folge: Schulen müssen oft monatelang warten, bis dort Projekte umgesetzt werden können.

Selbst langjährigen Kooperationsschulen könne Pro Familia keine verlässlichen Angebote mehr machen und müsse ihnen Absagen erteilen. Die jährliche Förderung der Stadt von 8700 Euro für den sexualpädagogischen Bereich sei die landesweit niedrigste und reiche bei weitem nicht aus. Ein bereits vor zwei Jahren gestellter Antrag auf Erhöhung des Betrags sei allerdings gescheitert. Trotzdem setze man sich weiter für einen angemessenen Zuschuss ein und versuche zusätzliche Spenden einzuwerben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3