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Die Eltern-Kind-Bindung stärken

Programm für Flüchtlinge Die Eltern-Kind-Bindung stärken

Gerade wenn Familien geflohen sind und möglicherweise Traumatisches erlebt haben, können viele Eltern ihren Kindern keine Sicherheit geben. Daher entwickelt das Jugendamt der Landeshauptstadt jetzt ein Programm für diese Familien mit Kindern zwischen sechs und 18 Monaten.

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Pusten hilft Kindern bei der Entwicklung der Mundmotorik: Jugenddezernentin Renate Treutel und Rainer Borchert, Leiter der Erziehungsberatung des Jugendamtes, probieren es aus.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Es geht uns darum, die Weichen für die Kinder zu stellen, damit sie ein zufriedenes, erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben führen können“, sagt Renate Treutel, Stadträtin für Bildung, Jugend und Kreative Stadt. Heute wisse man, dass gerade die ersten 18 Lebensmonate für die Entwicklung des Kindes besonders wichtig sind. Hier werde das Fundament für das gesamte Leben gelegt. „Wenn das Leben auf einem sicheren Fundament steht, sind die Folgen nicht so gravierend, wenn es auch mal aus den Weichen springt“, so Treutel weiter.

 Das Kieler Jugendamt entwickelt deshalb ein Programm, das die Eltern-Kind-Bindung stärken soll. „Opstapje Baby“ heißt das aus den Niederlanden stammende Lern- und Spielprogramm, das zunächst auf ein Jahr ausgelegt ist. „Im Rahmen von „Opstapje werden Familien in ihren Wohnungen besucht und erhalten Unterstützung im Umgang mit ihrem Kind“, erläutert Rainer Borchert, Sachbereichsleiter Erziehungsberatung im Jugendamt. Entscheidend sei, dass ehrenamtliche Helferinnen die Familien betreuen und keine Mitarbeiter des Jugendamtes. „Es geht dabei um Akzeptanz. Von Mitarbeitern des Jugendamtes fühlen sich die Familien schnell kontrolliert“, sagt Borchert. Um die Eltern im Umgang mit ihrem Kind aber kompetent beraten zu können, werden die ehrenamtlichen Helfer von Experten geschult.

 Wichtig für die frühkindliche Entwicklung sei, dass Eltern ihre Kinder richtig wahrnehmen und enger Kontakt zwischen beiden besteht, erklärt Treutel. „Gerade das ist nicht selbstverständlich, wenn Eltern eine Flucht erlebt haben.“ Je nach Entwicklungsstadium des Kindes werden den Eltern verschiedene Spielmöglichkeiten und Übungen zur Förderung des Kindes gezeigt. Zum Beispiel trainieren Kinder ihre Mundmotorik, wenn sie Watte, Papier oder eine Feder über eine Tischplatte pusten. „Eine gut funktionierende Mundmotorik ist Voraussetzung für das Erlernen von Sprache“, erklärt Borchert. Die Hausbesucherinnen, wie die ehrenamtlichen Helferinnen des Programms genannt werden, bringen Hilfsmittel und Spiele den Familien mit.

 Um wie geplant das Programm im November starten zu können, sucht die Landeshauptstadt nun ehrenamtliche Hausbesucherinnen. Voraussetzung ist, dass die Frauen selbst Mütter sind und dementsprechend über eigene Erfahrungen im Umgang mit Kindern verfügen. Sie sollten außerdem gut Deutsch sprechen können. Vorteilhaft wäre es auch, wenn sie mit Kultur und Sprache der zu betreuenden Familien vertraut wären. Pro Besuch erhalten die Helferinnen eine Aufwandsentschädigung, das Programm sieht einen Besuch pro Woche vor.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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