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Odyssee und Ankommen

Toni-Jensen-Schule Odyssee und Ankommen

„Gemeinsam sind wir stark“ – Jugendliche der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule und junge Flüchtlinge haben eine Woche lang mit professioneller Unterstützung Theaterszenen erarbeitet und einen Film gedreht. Das Ergebnis wird Freitag, 22. Januar, 18 Uhr, in der Schulmensa, Masurenring 6, präsentiert.

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Im Theaterspiel kommen sich die jungen Leute näher und lernen sich kennen: Hier stellen sie ein Klassenzimmer dar –:rechts ist die Tafel und in der Mitte der Eingang.

Quelle: Karin Jordt

Neumühlen-Dietrichsdorf. Krieg, Verfolgung, Todesangst: Was die 15- bis Mitte 20-Jährigen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Iran und dem Jemen auf ihrer Flucht nach Deutschland erlebt haben, lässt die Kieler Zehntklässler im Fach „Darstellendes Spiel“ erschrecken. In babylonischem Sprachmix berichten jungen Menschen, wie Krieg, Not und Chaos sie zur Flucht trieben. Alle helfen sich gegenseitig mit Händen und Füßen beim Übersetzen und haben trotz all der grausamen Geschichten auch viel Spaß miteinander.

„Die sind alle voll nett“, sagt Pia (15), die zu dem Team gehört, das mit Dokumentarfilmer Fredo Wulf loszieht und eigene Drehpläne entwickelt. „Wir fahren in die Unterkünfte der Flüchtlinge und dokumentieren dort den Alltag asylsuchender Jugendlicher in Schleswig-Holstein“, sagt Fredo Wulf, der schon viele Filmprojekte mit jungen Menschen gemacht hat. Im Zentrum stehe die Begegnung, erklärt er. „Ausgehend von ihrem eigenen Erfahrungshorizont, ihrer Neugier, ihren Fragen und durch den persönlichen Kontakt mit den jungen Flüchtlingen nähern sich alle Beteiligten dem Thema.“ Dabei lernten die Geflüchteten schneller ihre soziale Umwelt kennen und hätten enorme Lernerfolge. „Was ist schwieriger, eine Heimat zu verlassen oder eine neue zu finden?“, fragt Wulf und lässt die Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen: Wie sie nach den Strapazen einer Odyssee „weit unter Null“ wieder anfangen „im oft zufällig erreichten Land, ohne die Sprache zu beherrschen.“

 Da ist zum Beispiel der 21 Jahre alte Armin, der seit neun Jahren allein auf der Flucht gewesen ist, drei Jahre obdachlos in Rom lebte und nun erfahren hat, dass seine Mutter und Schwester inzwischen in Berlin gelandet sind. Oder Mona (18) aus Somalia, die 15 Tage auf einem überfüllten Laster durch die Wüste nach Libyen rollte und auf dem Mittelmeer fast unterging. In der Theatergruppe spielen die Jugendlichen die Szene der Wüstenfahrt nach, während Mona in gebrochenem Deutsch erklärt, wie es auf dem Laster war: Eng, unfreundlich, Reden verboten, kaum Wasser zu trinken bei 50 Grad Hitze. Die Akteure rücken auf dem Fußboden wie auf einer Ladefläche zusammen, legen sich in die Kurve. Corinna Martin, Lehrerin für darstellendes Spiel, Theaterpädagogin Ulrike Krogmann, Schauspielerin Ellen Dorn und Idun Hübner von der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten (ZBBS) geben Tipps für die Szenen. Die ZBBS finanziert das Projekt über das Programm „Hinsehen“. „Durch das Miteinander wachsen Respekt und das Verständnis füreinander“, erklärt Ulrike Krogmann. „Die Geschichten gehen schon unter Haut“, findet Corinna Martin, aber wir haben auch viel gelacht.“

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