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„Es dauert einfach alles viel zu lange“

Reis-und-Curry-Essen der Lotsen „Es dauert einfach alles viel zu lange“

Das Reis-und-Curry-Essen des Lotsengesangvereins Knurrhahn markiert jedes Jahr im März das Ende des großen Treffens der Seelotsen in Kiel. Auch in diesem Jahr hatten die sieben deutschen Lotsenbrüderschaften ihre Abordnungen geschickt, um über Fragen des Seeverkehrs zu diskutieren.

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Frank Gülzow trat die Nachfolge von Helmut Bork (re.) als Oberknurrhahn beim Lotsengesangverein an.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die 750 deutschen Lotsen sorgen sich weiter um Nachwuchs und Infrastruktur. Die Verzögerungen bei der Vertiefung von Elbe und Weser und auch der schleppende Fortgang der Arbeiten am Nord-Ostsee-Kanal stehen ganz oben auf der Themenliste.

 „Der Ausbau des Kanals ist lange beschlossene Sache“, startete diplomatisch Frank Gülzow, neuer Vorsitzender des Lotsengesangvereins. Was aber Unmut auslöse, sei das Tempo. Nachdem in der Woche schon heftige Kritik aus Dänemark an die Adresse der deutschen Politik und Verwaltung kam, schlug der Lotse jetzt in die gleiche Kerbe. „Für uns und unsere Kunden ist nur schwer nachvollziehbar, warum die Instandsetzung der kleinen Schleusen in Holtenau zehn Jahre dauern soll. Anderswo werden in dieser Zeit ganze Kanäle gebaut“, sagte Gülzow. Besonders drückt der Schuh in diesem Frühjahr. Von April bis Juli muss zusätzlich zu den beiden kleinen Schleusen auch noch eine der großen Kammern in Holtenau gesperrt werden. Ausbaggerungen und Bauwerksuntersuchungen stehen dann an. „Um den Zustand der mehr als 100 Jahre alten Schleusenmauern zu ergründen, sollen etwa 1000 Löcher gebohrt werden. Mein erster Gedanke war: Jetzt wird die Sprengung vorbereitet“, sagt Gülzow mit einem Hauch Sarkasmus. Er und seine Kollegen fragen sich, ob es im 21. Jahrhundert nicht schonendere Varianten der Untersuchung gibt. Generell gelte für die Projekte am Kanal: „Es dauert einfach alles zu lange“, so Gülzow.

 Kritik wurde auch an der Subventionspolitik der Bundesregierung für deutsche Reeder laut. Statt den Reedereien Subventionen über den Lohnsteuereinbehalt der Seeleute zu gewähren, schlug Gülzow vor, diese Vergünstigungen lieber den Seeleuten direkt zukommen zu lassen. Dabei berichtete er aus dem Alltag auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Da komme es vor, dass deutsche Offiziere teilweise für eine Monatsheuer von 1000 Euro fahren.

 Der in Rostock ausgebildete Kapitän (Jahrgang 1958) hat im Januar die Leitung des Lotsengesangvereins übernommen. Er löste Kapitän Helmut Bork ab, der im Dezember in den Ruhestand verabschiedet wurde. Bork hat den Verein mit seinen 220 Mitgliedern 20 Jahre lang geführt. Einen Wechsel gab es auch an der Spitze der Bundeslotsenkammer. Die Vertretung der 750 deutschen Lotsen hat jetzt eine Kieler Doppelspitze: Als Stellvertreter für den Vorsitzenden Hans-Hermann Lückert wurde der Ältermann der Kieler Lotsenbrüderschaft NOK II, Kapitän Stefan Borowski, bei der Versammlung gewählt. Borowski folgt dem in den Ruhestand gehenden Kapitän Christian Stubklev von der Lotsenbrüderschaft Wismar/ Rostock/Stralsund.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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