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Töchter sagen ja zu Berthold-Beitz-Ufer

Promenade Töchter sagen ja zu Berthold-Beitz-Ufer

Noch trägt die Promenade zwischen dem Sporthafen Düsternbrook und der Anlegestelle Bellevue unterhalb der Kiellinie keinen Namen. Das könnte sich nach einem Vorstoß der Stadt aber ändern: Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) bringt in den nächsten Bauausschuss am Donnerstag, 2.

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Ein Stück namenlose Promenade: Nach dem Vorschlag der Stadt soll es künftig den Namen ihres 2013 verstorbenen Ehrenbürgers Berthold Beitz tragen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Juni, eine Beschlussvorlage ein, diesen Teil nach dem 2013 verstorbenen Kieler Ehrenbürger und Thyssen-Krupp-Patriarchen „Berthold-Beitz-Ufer“ zu benennen.

 Der Teil der Förde-Promenade liegt vor dem Haus des Kieler Yacht-Clubs, zu dem Beitz als leidenschaftlicher Segler eine ebenso besondere Beziehung wie zur Stadt Kiel pflegte. Mit der Benennung soll Beitz, so begründete Todeskino, dauerhaft für seine „Lebensleistung auf den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Gebieten“ gewürdigt werden. Beitz gehörte von 1966 bis 1972 dem Organisationskomitee für Olympia an, seine Stimme gab damals den Ausschlag zugunsten von Kiel als Standort der Segelwettbewerbe. Ihre Verbundenheit mit der Stadt bewies die Unternehmerpersönlichkeit auch immer wieder durch finanzielle Unterstützung – ob als Spende für das Ronald McDonald-Haus, für den Landgasthof Falkenhorst, beim Bau des Regattahauses in Schilksee oder bei der millionenschweren Sanierung des ins Trudeln geratenen KYC-Hotels durch den Krupp-Konzern. Das Gebäude trägt den Namen „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Haus“. Beitz, 2004 zum Ehrenbürger Kiels ernannt, ließ keine Kieler Woche aus. In den Jahren vor seinem Tod kam er dabei oft in Begleitung seiner Tochter Bettina Poullain. Die Diplom-Kauffrau leitete von 2008 bis 2011 den städtischen Eigenbetrieb Beteiligung der Stadt Kiel, bevor sie als Generalbevollmächtigte zur Haspa wechselte.

 Bertold Beitz, 1913 in Vorpommern geboren, starb nur wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag am 30. Juli 2013 in Kampen auf Sylt. Mit ihm verliere die Stadt Kiel nicht nur einen Ehrenbürger, sondern auch einen engen Freund, erklärte die Stadtspitze damals. Er war während des Krieges Vertreter einer Ölfirma in Polen. Auf seinem Firmengelände arbeiteten auch viele jüdische Beschäftigte, die er mit der Begründung rettete, sie seien für die kriegswichtige Erdöl-Industrie unabkömmlich. Für seinen mutigen Einsatz und seine Hilfe für die Juden zeichnete der Staat Israel Beitz 1973 mit dem Ehrentitel ,Gerechter unter den Völkern’ aus, heißt es in der Würdigung der Stadt, als sie ihm den Titel als Ehrenbürger verlieh. Nach dem Krieg heuerte Beitz in Hamburg bei der Versicherungswirtschaft an. Von dort führte 1953 der Weg zu Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der ihn für die Position des Generalbevollmächtigten in seinen Konzern nach Essen lotste. 60 Jahre lang stand er in verschiedenen Funktionen an der Spitze des Konzerns. Maßgeblichen Einfluss hatte Beitz auch auf die Fusion mit Thyssen 1999. Entscheidungen von Tragweite waren ohne sein Einverständnis bis zuletzt, als der Konzern in schwieriges Fahrwasser geraten war, nicht denkbar.

 Die Töchter von Beitz hätten der geplanten Benennung bereits „mit großer Freude“ zugestimmt, teilte Bürgermeister Todeskino mit, auch der zuständige Ortsbeirat Ravensberg/Düsternbrook habe die Initiative begrüßt. Mit Protesten wie bei der 2014 erfolgten Umbenennung des Hindenburgufers in Kiellinie ist bei der bisher unbenannten Promenade wohl nicht zu rechnen, zumal sie nicht wie damals zu weitreichenden Adressenänderungen führt. Jetzt wird der Bauausschuss über den Vorstoß des Bürgermeisters beraten. Das letzte Wort hat die Ratsversammlung.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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