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Inferno für 1500 Euro Belohnung

Brand im Döner-Imbiss Inferno für 1500 Euro Belohnung

Zwei Brandstifter kündigten vor Gericht Geständnisse an, ihr mutmaßlicher Auftraggeber will zu den schweren Vorwürfen weiterhin schweigen: Am Donnerstag begann im Kieler Landgericht der Prozess um das verheerende Feuer, das in der Nacht zum 29. Juni in einem Dönerimbiss in der Feldstraße gelegt wurde.

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Im Juni 2015 soll der 42-jährige Angeklagte seinen Döner-Imbiss in der Kieler Feldstraße in Brand gesteckt haben.

Quelle: Frank Behling (Archiv)

Kiel. Es sind dramatische Szenen, die Staatsanwältin Kerstin Kuhlbrodt bei der Verlesung der detaillierten Anklage gegen die drei aus dem Irak und Iran stammenden Männer schildert. Auch betroffene Mieter des fünfgeschossigen Wohngebäudes verfolgen gespannt den Prozessauftakt im voll besetzten Schwurgerichtssaal. Die meisten wurden damals durch eine laute Explosion aus dem Schlaf gerissen.

Mehrere Bewohner des Erdgeschosses konnten sich durch die Fenster ins Freie retten. Die anderen wurden von der Feuerwehr mit Leitern über die rückseitigen Balkone aus dem völlig verqualmten Haus geborgen. Auch dort soll es teilweise kaum möglich gewesen sein zu atmen. Mehrere Personen mussten quer auf Nachbarbalkone klettern, weil die Feuerwehr im engen Hinterhof nicht überall ihre Leitern platzieren konnte.

Vor allem in den oberen Etagen standen zahlreiche der 23 Bewohner Todesängste aus. Aus dem bereits unpassierbaren Treppenhaus schlugen ihnen Flammen entgegen, schon ein kurzes Öffnen der Wohnungstür versengte ihnen die Haare. Laut Anklage erwogen einige Mieter in ihrer Not, vom Balkon in den Hinterhof zu springen. Eine Betroffene formulierte eine Abschieds-SMS.

Da wirkt es wie ein Wunder, dass nur eine Person aus dem Nachbarhaus eine Rauchgasvergiftung davongetragen haben soll. Als es knallte und der Fußboden bebte, verließ sie die Wohnung, brach im Treppenhaus ohnmächtig zusammen und wachte erst im Krankenhaus wieder auf, hieß es. Die Anklage lautet auch auf gefährliche Körperverletzung.

Lebensgefahr für die Bewohner, die alle ihr Hab und Gut verloren, sollen die Täter nicht beabsichtigt haben, hält ihnen die Anklage zugute. Danach ließen sich die beiden ehemaligen Praktikanten des Lokals „Fantastico“ von ihrem Chef für jeweils 1500 Euro Belohnung zur Brandlegung anstiften. Der verschuldete 42-Jährige soll es auf 31 000 Euro von der Versicherung abgesehen haben. Seine Geschäfte liefen schlecht, heißt es, er war auf Sozialleistungen angewiesen.

Gegen 2.45 Uhr öffneten die 20 und 23 Jahre alten Mitarbeiter die Gaststätte nach gemeinsamem Tatplan mit einem Schlüssel des Inhabers, so der Vorwurf. Während die Bewohner drei Stunden nach dem Kieler-Woche-Feuerwerk schliefen, verschütteten sie in den Räumen des Lokals fünf Liter Benzin.

Von dem flammenden Inferno, das sich mit dem Anzünden eines Feuerzeugs in Sekundenschnelle ausbreitete, wurden die Brandstifter offenbar selbst überrascht. Mit schweren Verbrennungen im Gesicht und an den Händen flohen sie panikartig vom Tatort, ließen sich von einem in der Nähe wartenden, angeblich ahnungslosen Bekannten ins Städtische Krankenhaus fahren.

Weil sie schon zwei Tage später nach ihrer Festnahme Geständnisse ablegten, wurden sie von U-Haft verschont. Nicht so der mutmaßliche Drahtzieher, dem auch versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen wird. Die Mindeststrafe für besonders schwere Brandstiftung zur Ermöglichung weiterer Straftaten beträgt fünf Jahre. Weil der jüngste Angeklagte Heranwachsender ist, verhandelt die Jugendkammer. Sie hat bis Ende Februar elf Sitzungstage eingeplant.

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Ein Artikel von
Deutsche Presse-Agentur dpa

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