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Rollerfahrer nach Unfall freigesprochen

Prozess in Kiel Rollerfahrer nach Unfall freigesprochen

Der tödliche Aufprall traf die 87-jährige Gottesdienstbesucherin unmittelbar nach Verlassen der katholischen Kirche in Kiel-Friedrichsort: Als die gehbehinderte Seniorin im Dunkeln auf die regennasse Fahrbahn trat, wurde sie von einem Motorroller erfasst. Das Gericht urteilte am Donnerstag.

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Eine Strafrichterin im Kieler Amtsgericht sprach den Unfallfahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

Quelle: dpa

Kiel. Eine Strafrichterin im Kieler Amtsgericht sprach den Unfallfahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

Der tragische Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Karfreitag 2014. Das in der Gemeinde als gläubig bekannte Ehepaar, beide Mitte 80, verließ das Gotteshaus gegen 21.30 Uhr nach dem stillen Abendgebet. Der Mann ging voraus, holte den Wagen, um die nach einer Hüftoperation auf Gehstützen angewiesene Frau direkt vor der Kirche abzuholen. Er wartete mit eingeschaltetem Licht – auf der gegenüberliegenden Seite der Fritz-Reuter-Straße.

 Nach Zeugenaussagen war es finster, der Bürgersteig vor dem Kirchengrundstück schlecht beleuchtet. Wenige Schritte weiter hätte es einen beleuchteten Fußgängerüberweg gegeben. An dieser Stelle aber war die dunkel gekleidete Seniorin für den maximal 40 Stundenkilometer fahrenden Angeklagten laut Urteilsbegründung nicht zu sehen, als sie plötzlich auf die Straße trat.

Überrascht vom Aufprall?

 Der angeklagte Werftarbeiter, der aus Gaarden durch die ganze Stadt nach Hause unterwegs war, fühlte sich zudem vom Licht des wartenden Pkw geblendet. Vom Aufprall will der türkische Familienvater völlig überrascht worden sein. Eine Rettungssanitäterin sah den 40-Jährigen leicht verletzt und völlig geschockt auf der Bordsteinkante sitzen, als sie versuchte, „durch einen Pulk von Menschen“ an die schwer verletzte Patientin heranzukommen.

 Direkt nach dem Unfall hatte der Ehemann noch zu Protokoll gegeben, seine Frau habe gerade erst einen Schritt auf die Fahrbahn gemacht, als es auch schon knallte. „Dann wäre die Kollision unvermeidbar gewesen“, schloss die Richterin. Doch vier Wochen später rückte der Witwer den Vorfall in ein anderes Licht: Nun meinte er, seine Frau habe sich schon länger auf der Fahrbahn aufgehalten.

 Für diesen Fall wäre dem Zweiradfahrer mangelnde Aufmerksamkeit vorzuwerfen. Zumal der inzwischen ebenfalls verstorbene Witwer auch berichtet hatte, seine Frau sei auf der Straße stehen geblieben, bevor sie angefahren wurde. Durch die Wucht des Aufpralls sei sie mehrere Meter durch die Luft geschleudert worden. So stand es auch in der Anklage, von der am Ende auch der Staatsanwalt abrückte. „Im Zweifel für den Angeklagten“, plädierte er auf Freispruch.

 Unhaltbar war am Ende auch der Vorwurf, der Rollerfahrer habe 20 Meter vor der Unfallstelle beim Einbiegen aus einer Nebenstraße ein Stoppschild missachtet und sei deshalb zu schnell gefahren. Erstens will der Angeklagte aus der Gegenrichtung zur Unfallstelle gelangt sein. Zweitens wäre der Verstoß für den Unfall irrelevant gewesen, erklärte die Richterin.

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