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Mädchen brauchen nicht auszusagen

Prozess: Sexuelle Übergriffe Mädchen brauchen nicht auszusagen

Die beiden zur Tatzeit fünf und sieben Jahre alten Mädchen, die im Januar in Kiel-Gaarden sexuell schwer missbraucht wurden, brauchen vor Gericht vorläufig nicht gegen den mutmaßlichen Täter (31) auszusagen. Möglich ist dies, nachdem die Verteidigung dem zugestimmt hatte.

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Im gestreiften Trainingsanzug erschien der 31-jährige Beschuldigte vor der Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts. Verteidigt wird er von Stefan Tovar (links), im Hintergrund ist der Vorsitzende Richter Stefan Becker zu sehen.

Quelle: Katja Plaehn

Kiel. Stattdessen will die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts bei der Fortsetzung des Prozesses Ende August Videoaufnahmen ihrer polizeilichen Anhörungen in Augenschein nehmen. Möglich ist dies, nachdem die Verteidigung dem zugestimmt hatte. Rechtsanwalt Stefan Tovar verzichtete am dritten Verhandlungstag auf die persönliche Vernehmung der Opfer. Auch der Beschuldigte selbst, der nach vorläufigem Gutachten wegen einer Psychose zur Tatzeit schuldunfähig war, willigte auf Nachfrage des Vorsitzenden Stefan Becker ein. „Das ist eine gute Nachricht“, sagte die Rechtsanwältin der Nebenklage, Charlotte Spieler. Sie vertritt das ältere Mädchen, das am 31. Januar mit der Aussicht auf Barbiepuppen in eine Wohnung in der Norddeutschen Straße gelockt und dort schwer sexuell missbraucht wurde. So bleiben den Kindern der Auftritt vor Gericht und die neuerliche Konfrontation mit dem mutmaßlichen Täter wahrscheinlich erspart.

 Im Prozess schweigt der kleine, untersetzte Mann im schwarz-weiß gestreiften Trainingsanzug auf Anraten seines Verteidigers. Nach seiner Festnahme hatte er den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegenüber zwei Polizeibeamtinnen entschieden zurückgewiesen. Wie eine Zeugin von der Kripo berichtete, berief sich der 31-Jährige dabei auf Allah.

 Eine solche Tat sei ganz schlimm, habe der Beschuldigte dem Haftrichter erklärt. So etwas würde er selbstverständlich nie tun. Und wenn er es doch getan hätte, hätte Allah ihn „schon längst getötet“. Gegenüber einer anderen Beamtin hatte der 31-Jährige behauptet, ein solches Verhalten könne er sich als Prophet nicht erlauben.

 Bizarr wirkte nach Darstellung der Zeugin noch eine weitere Äußerung des Beschuldigten. „Ich bin wieder da“, soll er beim Haftrichter verkündet haben, ohne zuvor den Raum verlassen zu haben. Der Vater zweier Kinder im Vorschulalter erklärte jedoch, er sei gerade eben mit seinen Söhnen beim Eis-Essen in der Stadt gewesen.

 Als der Beschuldigte anschließend in Untersuchungshaft kam, machte er beim Aufnahmegespräch in der JVA Neumünster einen verwirrten Eindruck. Frau Merkel habe ihn in den Knast gebracht, erklärte er einer Abteilungsleiterin. Später diagnostizierte der Anstaltspsychologe wahnhafte Züge. Mit Verdacht auf eine Psychose wurde der Gefangene in eine geschlossene Klinik in Neustadt überwiesen.

 Zeitweise wirkte der aus Turkmenistan stammende Mann auf seine Gesprächspartner aber auch klar und orientiert. „Unauffällig“ fand eine Beamtin sein Verhalten in Polizeigewahrsam. Der Beschuldigte habe offensichtlich alles verstanden, adäquat auf Fragen geantwortet und ausdrücklich auf einen Dolmetscher verzichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Mann vor der ersten der beiden angeklagten Taten nie wegen pädophiler Neigungen aufgefallen sein.

 Unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernahm die Jugendkammer, die wegen des Alters der Opfer zuständig ist, die inzwischen geschiedene Ehefrau des Beschuldigten. Weil dabei der persönlichste Lebensbereich beider Ex-Partner berührt werde und es um den psychischen Gesundheitszustand des Beschuldigten gehe, folgte die Kammer dem Antrag der Verteidigung auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Interesse der Öffentlichkeit stehe zurück, hieß es zur Begründung. Hinter verschlossenen Türen sollen an den nächsten Verhandlungstagen auch die Videovernehmungen der beiden Mädchen vorgeführt und die Mutter des Beschuldigten gehört werden. Mit einem Urteil wird Mitte Oktober gerechnet.

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