21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Ring aus Kieler Pfandhaus landete in Berlin

Pfandhausprozess Ring aus Kieler Pfandhaus landete in Berlin

„Ein Ring, sie zu finden (…), sie alle zu binden.“ Der Spruch, der aus Tolkiens Fantasiewelt der Hobbits stammt, könnte auch für die zwölf angeklagten Litauer im Mammutprozess um den Kieler Pfandhausraub Bedeutung erlangen: Bei der gestrigen Fortsetzung stand ein goldener Ring im Mittelpunkt.

Voriger Artikel
Investoren stehen in den Startlöchern
Nächster Artikel
So singt und spielt Kiel

Ein beschlagnahmter Ring wird zum wichtigen Indiz für die Verbindung der vier mutmaßlichen Kieler Täter zur Führungsebene der litauischen Räuberbande in Berlin.

Quelle: Uwe Paesler

Schleswig/Kiel. Diesen sollen die Täter beim Überfall vom 9.Oktober 2014 am Exerzierplatz erbeutet haben sollen.

Das markante Stück mit eingefasstem Schmuckstein wurde später von Mitarbeitern des Pfandhauses als ihr Eigentum identifiziert – auch anhand eines kleinen Kratzers. Die Polizei hatte den Ring in einer konspirativen Berliner Wohnung der Bande sichergestellt. Eingepackt in einer Plastiktüte landete er zusammen mit weiteren Asservaten in einem Umzugskarton beim Kieler LKA.

Für die Staatsanwaltschaft ist der beschlagnahmte Ring ein wichtiges Indiz für die Verbindung der vier mutmaßlichen Kieler Täter zur Führungsebene der litauischen Räuberbande in Berlin. Von dort aus soll unter anderem der Angeklagte J. (36) telefonisch die Planung und Steuerung der Überfälle in Düsseldorf, Kiel und München betrieben haben.

Für Handykontakte zwischen den Tätern rund um den Exer gibt es ebenfalls Indizien, wie die kriminaltechnische Auswertung der Funkzellen ergab. Während im Pfandhaus der Hauptangeklagte Ramunas P. (34) sich ins Schaufenster beugte, um Beute zusammenzuraffen, warnte ihn sein Komplize S. (26) vor nahenden Passanten, so der Vorwurf. Die Bilder der Überwachungskamera zeigen einen Mann, der P. wie aus dem Gesicht geschnitten ist. P. hatte sich – offenbar überraschend für seine Verteidiger – spontan beim traumatisierten Opfer des Kieler Überfalls entschuldigt. Ein Geständnis schob er nicht nach. Stattdessen fordern seine Anwälte ein Zusatzgutachten zu den schweren Kopfverletzungen des Düsseldorfer Juweliers, den ihr Mandant laut Anklage mit mindestens acht wuchtigen Fußtritten traktierte.

P.s Verteidiger wollen nachweisen, dass die lebensbedrohlichen Verletzungen auch von einem Sturz herrühren könnten. Oder gar von Fußtritten des Kronzeugen: Der einzige bisher geständige Vilmantas K. (23) versuchte bereits, seine damals getragenen Schuhe als entlastendes Beweismittel dafür nachliefern, dass er nicht selbst zugetreten hat. Doch bei einem überwachten Telefonat mit seinen Eltern in Litauen erklärte sein Vater, die Schuhe längst entsorgt zu haben. gey

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Pfandhausprozess
Foto: Das war der Auftakt: Der Pfandhausprozess gehört zu einem der größten Strafprozesse in der schleswig-holsteinischen Landesgeschichte.

Im Schleswiger Mammutprozess gegen zwölf mutmaßliche Räuber aus Litauen, denen der Überfall auf ein Pfandhaus am Kieler Exerzierplatz und weitere Taten in Düsseldorf und München vorgeworfen werden, hat die Strafkammer nach 40 Verhandlungstagen die Haftbefehle gegen zwei Angeklagte aufgehoben.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3