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36-Jähriger im Schlaf fast getötet

Prozess 36-Jähriger im Schlaf fast getötet

Bis zum versuchten Mord reichen die Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen vier Osteuropäer ohne festen Wohnsitz. Seit Freitag müssen sich die 25 bis 46 Jahre alten Männer in einem Prozess vor dem Kieler Landgericht verantworten.

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Das Opfer, ein 36-jähriger Pole, überlebte die Messerstiche, Schläge und Fußtritte am späten Abend des 11. März in einer Kieler Wohnung nur knapp.

Quelle: dpa

Kiel. Das Opfer, ein 36-jähriger Pole, überlebte die Messerstiche, Schläge und Fußtritte am späten Abend des 11. März in einer Kieler Wohnung nur knapp. Die mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Das Opfer hat sich bis heute nicht von dem Angriff erholt, den Staatsanwalt Timo Beck heimtückisch nennt: Laut Anklage lag der 36-Jährige schlafend am Boden, als seine Zechgenossen über ihn herfielen. Neben Gesichtsfrakturen, Rippenserienbrüchen und Hämatomen am ganzen Körper erlitt das Opfer zwei Messerstiche in die Brust.

 Der Hauptangeklagte S. (46), ebenfalls Pole, schweigt vor Gericht. Er soll dem arg- und wehrlosen Mann mit einem 30 Zentimeter langen Messer die Stiche versetzt haben, „um ihn zu töten“. Ihm legt der Staatsanwalt versuchten Mord zur Last. Den beiden jüngsten Angeklagten wirft er Tötung durch Unterlassen vor.

 Der aus Lettland stammende 26-Jährige und sein „bester Freund“ (25) sollen die Messerattacke mitbekommen und mangels Hilfeleistung den Tod „zumindest billigend in Kauf genommen“ haben. Seit dem Vorfall kann sich das Opfer, das schwerverletzt im Treppenhaus abgelegt wurde, kaum mehr bewegen und sprechen. An seine Vernehmung ist offenbar nicht zu denken.

 Bei bleibenden Schäden müssten die Angeklagten auch mit einer Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung (Strafrahmen: ein bis zehn Jahre) rechnen. Tatort soll eine leer stehende Wohnung in der Holtenauer Straße gewesen sein. Die fünf Obdachlosen teilten sich den Unterschlupf. Auslöser eines Streits war ein verschwundenes Handy. Die Angeklagten warfen dem Opfer Diebstahl vor.

 In Kiel waren die arbeits-, wohnsitz- und bindungslosen Männer nur durch Zufall gestrandet. Sie sind vorbestraft, haben teilweise langjährige Haftstrafen hinter sich und werden in ihren Heimatländern gesucht. Der 36-jährige Pole lebte zwei Jahre auf der Straße. Ohne Versicherung, ohne Sozialleistungen habe er sich mit Klauen durchgeschlagen. In Hamburg, erzählt er, sei er einfach in den nächsten warmen Zug gestiegen, darin eingeschlafen und in Kiel gelandet.

 Die beiden Jüngsten „wollten eigentlich nach Dänemark“. Sie seien aber in den falschen Zug gestiegen, sagt der 26-Jährige, der als Achtjähriger erstmals betrunken gewesen sein will. Zuletzt habe er exzessiv Alkohol „gekauft, geklaut und getrunken“. Für den Prozess hat die Kammer drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

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