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„Sei leise, sonst passiert was Schlimmes“

Prozess in Kiel „Sei leise, sonst passiert was Schlimmes“

Begleitet von großem Medieninteresse verhandelt seit Mittwoch die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts den Fall eines 31-Jährigen, der im Januar in Kiel-Gaarden zwei kleine Mädchen sexuell schwer missbraucht haben soll.

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Begleitet von großem Medieninteresse verhandelt seit Mittwoch die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts den Fall eines 31-Jährigen, der im Januar in Kiel-Gaarden zwei kleine Mädchen sexuell schwer missbraucht haben soll.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Weil der Mann nach der ersten Tat am 6. Januar wieder auf freien Fuß gesetzt worden war, gerieten die beteiligten Behörden massiv in die Kritik. In dem Sicherungsverfahren geht es um die dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in der geschlossenen Psychiatrie. Nach den Worten von Staatsanwältin Veronika Stoltz-Uhlig war er zur Tatzeit „wegen einer krankhaften seelischen Störung nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen“. Der aus der ehemaligen Sowjetrepublik Turkmenistan stammende 31-Jährige schweigt auf Anraten seines Verteidigers Stefan Tovar.

Laut vorläufigem Gutachten ist der mittelgroße, untersetzte Mann schuldunfähig und stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Zur Verhandlung wird er von zwei Pflegern vorgeführt, seine Handfesseln sind zusätzlich an einem Bauchgurt fixiert. Doch er wirkt unbeteiligt, sitzt äußerlich völlig entspannt neben seinem Rechtsanwalt, als gingen ihn die schwerwiegenden Vorwürfe nichts an. Umso mehr Emotionen sind bei den Eltern der Siebenjährigen spürbar, die ihm als Nebenkläger gegenübersitzen. Als eine Kripobeamtin über die polizeiliche Vernehmung des Mädchens berichtet und Details der massiven Übergriffe schildert, springt der Vater auf und verlässt aufgebracht den Saal.

"Lauf mal los"

Nach eigener Aussage wurde die Siebenjährige am Mittag des 31. Januar vom Täter angesprochen, als sie mit einer gleichaltrigen Cousine an der Hans-Christian-Andersen-Schule spielte. Mit dem Versprechen, ihr Barbiepuppen zu schenken, lockte er sie in seine Wohnung, wo er sie laut Vorwurf entkleidete.

„Sei leise, sonst passiert was Schlimmes“, soll der Mann gedroht und dem Kind zeitweise den Mund zugehalten haben. Mit groben Manipulationen verletzte er es erheblich. Eine blutende Wunde im Genitalbereich wurde unter Vollnarkose operiert. Direkt aus der Klinik holten dann zwei Kripobeamtinnen die kleine Zeugin zur Tatortsuche ab und brachten sie zum Spielplatz. Das Mädchen durfte selbst bestimmen, welcher Ermittlerin sie alles erzählen wollte. „Lauf mal los“, sagte die auserwählte Oberkommissarin (35). Zielstrebig steuerte die Siebenjährige den Vinetaplatz an, lief dann in die Norddeutsche Straße.

Fortsetzung am Donnerstag

Eine kleine weiße Haustür am Klinkergebäude führte sie zum Tatort. Im Fahrstuhl war sie mit dem Täter zu seiner Wohnung gefahren. Die sei fast leer gewesen. Die Siebenjährige erinnerte sich an zwei Stühle und eine Matratze. Den Beschuldigten identifizierte sie später anhand von Fotos. Der Mann war dort gerade erst eingezogen. Seine Mutter hatte ihn nach dem Scheitern seiner Ehe vorübergehend aufgenommen, setzte ihn aber bald wieder vor die Tür. Weil sie ihn für gefährlich hielt, soll sie das Gesundheitsamt der Stadt Kiel um Hilfe gebeten haben.

Bei der Fortsetzung des Verfahrens am Donnerstag will das Gericht die Mutter des siebenjährigen Opfers hören. Ihre Anwältin Charlotte Spieler hat dafür bereits mit Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt. Die Kammer will dem Antrag folgen.

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