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„Samurai“ stach mit der Schere zu

Prozess in Kiel „Samurai“ stach mit der Schere zu

Die zehnte Verurteilung eines drogenabhängigen Kielers soll den Teufelskreis zwischen Knast und Beschaffungskriminalität endlich aufbrechen: Neunmal seit 1999 musste der 34-jährige Seriendieb bereits „Haft pur“ absitzen. Stets wurde er wieder rückfällig.

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Die letzten Straftaten zeigten eine alarmierende Zuspitzung: Vor zwei Jahren fiel der Angeklagte plötzlich durch massive Gewalt auf.

Quelle: dpa

Kiel. Am Mittwoch im Kieler Amtsgericht wurde der Heroinabhängige nach einer blutigen Attacke mit einer Schere auf einen Zechgenossen erstmals zu Bewährung verurteilt. In den nächsten drei Jahren soll ihm ein Bewährungshelfer den Weg zur stationären Therapie ebnen. Bisherige Versuche ohne Hilfe oder Druck von außen „verliefen im Sande“, räumt der 20-fach vorbestrafte Wiederholungstäter ein. Meist starrt er mit gläsernem Blick vor sich hin, während sein Verteidiger, der Richter und die Staatsanwältin sich den Kopf über seine Zukunft zerbrechen.

 Die letzten Straftaten zeigten eine alarmierende Zuspitzung: Vor zwei Jahren fiel der Angeklagte plötzlich durch massive Gewalt auf. In Lübecks Boutiquenviertel rund um die Hüxstraße attackierte er in kurzer Zeit vier Passantinnen. Der ersten wollte er das Smartphone entreißen. Als das nicht klappte, trat er zu. Dann stieß oder schubste er drei weitere Frauen teilweise in vollem Lauf. Zwei stürzten. Für diese und andere Taten saß er zuletzt acht Monate ab.

 Noch aggressiver reagierte der Angeklagte kurz nach der letzten Haftentlassung im Januar 2014 auf die Sticheleien eines älteren Zechgenossen. Sein alter Bekannter (52) hatte ihn bis dahin nie als gewalttätig erlebt. Doch als er ihn beim gemeinsamen Trinken in einer Pension für Wohnsitzlose wegen seiner Begeisterung für Japan und die Samurai aufzog, griff der Angeklagte nach einer dort liegenden Schere und stach siebenmal zu.

 Sieben Narben an Oberarm, Schulter und Nacken erinnern den Zeugen dauerhaft an die blutige Attacke, die eine vierwöchige ambulante Behandlung nach sich zog. Fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung waren gestern die Quittung für den Täter.

 Der laut Urteil verschlossene Angeklagte lebe in seiner eigenen Welt, sagt der Verletzte. Der 34-Jährige habe immer wieder von Japan geredet, sich selbst als Japaner bezeichnet und Waffen der Samurai gemalt. „Auf Japanisch kannst du doch nicht mal auf zehn zählen“, will er gestichelt haben, bevor der Angeklagte ausrastete.

 Der weiß angeblich nichts mehr von der Art der Provokation, räumte die Stiche aber ein: „Ich habe ihn gepiekt, um ihm klarzumachen, dass er zu weit geht mit seinen Äußerungen.“ Das Opfer will nach den Stichen auch noch getreten worden sein. Von seinen angeblich vier gebrochenen Rippen fand sich jedoch nichts in den Akten.

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