20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Spielsüchtiger Mitarbeiter bediente sich in Wettbüro

Prozess in Kiel Spielsüchtiger Mitarbeiter bediente sich in Wettbüro

Ein hoch verschuldeter Spielsüchtiger als Mitarbeiter eines Wettbüros, das ging nicht lange gut. Seitdem der vorbestrafte 20-Jährige ab März 2016 bei dem geschädigten Kieler Sportwetten-Veranstalter mit hohen Bargeldbeträgen umging, häuften sich dort die Unregelmäßigkeiten.

Voriger Artikel
Fiete ist jetzt Franzose
Nächster Artikel
Eine Box gegen das Desinteresse

Am Montag im Kieler Amtsgericht wurde der Heranwachsende von einer Jugendrichterin verwarnt.

Quelle: Arne Dedert/dpa

KIEL. Am Montag im Kieler Amtsgericht wurde der Heranwachsende von einer Jugendrichterin verwarnt.

Drei Monate war der Angeklagte für das Wettbüro tätig, bevor er im Juli 2016 die fristlose Kündigung bekam. Bis dahin fehlten insgesamt rund 6000 Euro in der Kasse. Der schwerste Tatvorwurf – der Diebstahl eines Briefumschlags mit 5124 Euro Bargeld aus dem Tresor des Büros – ließ sich dem Angeklagten im Prozess nicht zweifelsfrei beweisen, so das Urteil.

 Ein 27-jähriger Kollege des Angeklagten bestätigte zwar vor Gericht, der Umschlag habe bei seinem Dienstantritt an einem Freitag noch im Safe gelegen. „Ich habe gesehen, dass da Geld drin ist“, sagte der Zeuge. Gezählt habe er es aber nicht. Ein klarer Verstoß gegen die Vorschriften des Hauses, moniert die Richterin. „Das war schlampig.“

 Der Zeuge nickt ergeben und zuckt die Achseln. Drei weitere Mitarbeiter hatten Zugang zum Tresor, aus dem zwei Tage später der Umschlag verschwand. Wegen des legeren Umgangs mit den Sicherheitsbestimmungen spricht die Vorsitzende den Angeklagten in diesem Punkt frei. Er hatte seiner Chefin (52) den Verlust bei Dienstantritt am Montag gemeldet.

Keine Verurteilung

 Für die Geschäftsführerin kam nur der Angeklagte als Täter infrage, nur während seiner Dienstzeit sei immer wieder Geld verschwunden. Doch der Verdacht allein reichte nicht für eine Verurteilung. Weitere 580 Euro dagegen hatte der 20-Jährige laut Urteil nachweislich veruntreut. Schuldig gesprochen wurde er auch im Fall von 1750 Euro Arbeitslosengeld. Die Summe habe er vom Jobcenter erschlichen, indem er seine bezahlte Tätigkeit im Wettbüro verschwieg.

 Seit Jahresbeginn ist der nach eigener Einschätzung spielsüchtige, mit mindestens 38000 Euro verschuldete Heranwachsende angeblich „clean“. Ein endgültiger Spielstopp gehöre zu seinen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Doch was passiert, wenn er in eine Krise gerät? Die Vorsitzende erteilte ihm die Weisung, weitere neun Monate mit seinem gesetzlich bestellten Betreuer zu kooperieren.

 Der hat ihm bereits zu einer Festanstellung und einem Führerschein verholfen. Ein körperlich anstrengender Vollzeit-Job, eine eigene Wohnung, eine feste Freundin – im Moment läuft es gut für den 20-Jährigen mit Realschulabschluss, der vor Gericht ohne Rechtsbeistand sämtliche Vorwürfe redegewandt zu entkräften versuchte. Damit er nicht rückfällig wird, muss er therapeutische Gespräche bei einer Suchtberatung führen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3