27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
„Ich hab’ nur ein bisschen rumgezündelt“

Prozess „Ich hab’ nur ein bisschen rumgezündelt“

Immer wieder hatten Brandstiftungen auf dem Ostufer im Winterhalbjahr 2014/15 die Bevölkerung verunsichert. Bei mehreren Einsätzen pro Nacht, geriet die Feuerwehr an ihre Grenzen. Die Staatsanwaltschaft setzte 5000 Euro Belohnung für die Aufklärung der Serie aus. 

Voriger Artikel
Flüchtlinge ziehen Mitte Dezember ein
Nächster Artikel
Schulterschluss für die Spiele

 Vor dem Landgericht Kiel muss sich ein 61-Jähriger wegen Brandstiftung verantworten.

Quelle: Jan Köhler-Kaeß

Kiel. Doch der 61-jährige Kieler, der sich seit Beginn der Woche vor dem Landgericht wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten muss, war wahrscheinlich „nur“ ein Trittbrettfahrer.

Kurz nach 18 Uhr hatte ein Rauchmelder in dem Mehrfamilienhaus in der Iltisstraße am 27. Februar 2015 Alarm gegeben. Schon drei Minuten später war die Feuerwehr vor Ort. Wegen starken Qualms im Treppenhaus wurde eine Familie über die Drehleiter gerettet, ein Bewohner erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung. Die Mieter wurden für eine Nacht ausquartiert, auch der Angeklagte.

Im Keller hatten Europaletten, Mobiliar und Textilien gebrannt, das Feuer legte die Heizung und Stromversorgung des Hauses zwischen Preetzer Straße und Kirchenweg lahm. Rund 30000 Euro kostete die Sanierung des Gebäudes, so die Anklage. Obwohl die Polizei sofort Ermittlungen aufnahm, in der Umgebung Passanten und Fahrzeuge kontrollierte, Besucher und Kunden von Gaststätten und Läden befragte, blieb der Täter zunächst im Dunkeln.

Doch dann wandte sich die Mitarbeiterin einer Versicherung an die Polizei, nachdem der Angeklagte in ihrem Büro einen ungewöhnlichen Auftritt hingelegt hatte: Am Mittag vor dem Brand kam der langjährige Hartz-IV-Empfänger in ihr Büro und legte mit den Worten „Hier ist mein Geld“ die Police für die Hausratversicherung auf den Tisch. Schon wenige Stunden später trat der Schadensfall ein.

Später überreichte der Angeklagte der Versicherungsagentin die Telefonnummer der Kripo: Die Beamten könnten die Existenz des Feuers auf Wunsch gerne bestätigen, meinte er und machte 4400 Euro Sachschaden für die Zerstörung seiner 26 Angelruten geltend. Auch seine hochwertige Abendgarderobe sei nicht mehr zu gebrauchen. Die Versicherung zahlte nicht.

Vor Gericht legte der Angeklagte gestern ein Teilgeständnis ab: Er habe „nur ein bisschen rumgezündelt“, um etwas Geld von der Versicherung zu bekommen, räumte der bekennende Analphabet ohne Schulabschluss und Berufsausbildung ein. Das Wohnhaus, beteuert er, habe er niemals brennen sehen wollen. Für den Strafverteidiger war es nur Sachbeschädigung und versuchter Betrug. In Verständigungsgesprächen mit Gericht und Staatsanwaltschaft setzte er sich für Bewährung ein.

Doch die Anklage spricht von Brandstiftung im besonders schweren Fall. Fünf Jahre Mindeststrafe droht das Gesetz demjenigen an, der ein von Menschen bewohntes Gebäude in der Absicht in Brand steckt, eine andere Straftat zu ermöglichen. Für kommenden Montag werden Plädoyers und Urteil erwartet.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3