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Tochter erlebte Messerattacke auf Mutter mit

Prozessauftakt in Kiel Tochter erlebte Messerattacke auf Mutter mit

Ein tödlicher Streit zwischen zwei Schwägerinnen aus Schönkirchen beschäftigt seit Mittwoch die Schwurgerichtskammer des Kieler Landgerichts. Eine 39-Jährige soll am 9. September 2015 auf die gleichaltrige Ehefrau ihres Bruders eingestochen haben – vor der Augen der neunjährigen Tochter des Opfers.

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Zum Prozessauftakt in Kiel gab es gleich ein Geständnis.

Quelle: Friso Gentsch / dpa

Kiel. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor.

Offenbar gab es schon länger Spannungen zwischen den ungleichen Frauen aus der Großfamilie mit türkischem Migrationshintergrund. Die im Kern geständige Angeklagte ist seit 2010 geschieden, schlägt sich als alleinerziehende Mutter einer fünfjährigen Tochter mit Gelegenheitsjobs durch. Nach eigenen Angaben leidet sie unter Depressionen.

Ihre Widersacherin war die Ehefrau ihres älteren Bruders, eines erfolgreichen Geschäftsmanns, der die Position des Familienoberhaupts innehatte und im März 2015 starb. Von der wohlhabenden Witwe fühlte sich die Angeklagte nicht respektiert. Nach außen habe sie sich „überschwänglich freundlich“ verhalten, hinter ihrem Rücken aber schlecht über sie geredet.

Wie Strafverteidigerin Annette Marberth-Kubicki in einer schriftlichen Erklärung im Namen ihrer Mandantin formulierte, wollte diese das spätere Opfer am Tatabend „spontan zur Rede stellen“, als sie die Kontrahentin zufällig im Pkw vorbeifahren sah. Sie sei ihr gefolgt, habe sie vor dem Eingang ihres Hauses gestellt. „Warum nennst du mich Schlampe?“ habe sie auf Türkisch gefragt.

Die Schwägerin habe sie beschimpft und ein Messer gezückt. Sie hätten gerungen, seien zu Boden gegangen, so die Erklärung weiter. Angeblich erinnert sich die in U-Haft sitzende Angeklagte nicht daran, wie sie an das Küchenmesser mit der 17 Zentimeter langen Klinge kam und wie sie zustach. Nachfragen des Gerichts will sie frühestens am nächsten Verhandlungstag beantworten.

Laut Anklage hatte die Täterin das Messer selbst dabei, riss die Schwägerin zu Boden und stach in Tötungsabsicht 17 Mal auf ihren Oberkörper ein. „Ich bin entsetzt, beschämt, schockiert über mich selbst“, heißt es in ihrer Erklärung. Der Konflikt mit der Schwägerin soll nach dem Tod ihres Mannes eskaliert sein, weil sich die Witwe angeblich allzu schnell einem jüngeren Bruder des Verstorbenen zugewandt hatte.

Bei einer Übernachtung auf der Reise zur Trauerfeier in die Türkei habe sie „Sexgeräusche“ der beiden wahrgenommen, so die Angeklagte. „Wie kannst Du das machen?“ habe sie später ihrem Bruder vorgeworfen, der sich heimlich über das Ableben des Älteren gefreut habe. Der Bruder, von dem sie früher schon öfter geschlagen worden sein will, habe sie mit Schnaps begossen und sei auf sie losgegangen.

Danach flog die Angeklagte allein zurück. Der Rest der Familie blieb in der Türkei. Das Flugticket nachhause soll ihr das spätere Opfer gezahlt haben. Am 28. April will die Kammer die zur Tatzeit neunjährige Augenzeugin der Bluttat vernehmen.

Der Bruder soll sich über den Tod des Älteren gefreut haben

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