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Kapitänin erobert die Brücke

Queen Elizabeth in Kiel Kapitänin erobert die Brücke

Ihr Motto ist klar: „Um Respekt zu erhalten, muss man zunächst einmal Respekt zeigen.“ Mit diesem Leitspruch ist Inger Klein Thorhauge weit gekommen. Die 48-jährige Dänin hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt und es ganz nach oben auf die Brücke des Luxusliners „Queen Elizabeth“ geschafft, die am Donnerstag zu Gast in der Förde war.

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30 Meter über dem Ostseekai: Inger Klein Thorauge ist Kapitänin der „Queen Elizabeth“ und freut sich über den Blick auf die Kieler Skyline.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Die 48-jährige Dänin hat sich in einer Männerdomäne durchgesetzt und es ganz nach oben auf die Brücke des Luxusliners „Queen Elizabeth“ geschafft. Eine Besatzung mit mehr als 1000 Leuten aus Dutzenden Nationen hört auf ihr Kommando. Nur eine Handvoll weiblicher Chefs gibt es in den Reihen der weltweit mehr als 1000 Kreuzfahrt-Kapitäne. Zum ersten Mal steuerte Inger Klein Thorhauge am Donnerstga im Morgengrauen den 293 Meter langen Ozeanriesen der Cunard-Reederei an den Kieler Ostseekai.

 Der Morgen war neblig. Die Offiziere auf der Brücke der „Queen Elizabeth“ konnten bei der Einfahrt in die Kieler Förde gegen 6 Uhr nur wenige Meter weit sehen. „Als ich nach dem Lotsenboot fragte, sagten mir meine Leute, dass es schon an der Bordwand festgemacht hatte“, sagt Kapitänin Inger Klein Thorhauge. Etwa zwei Stunden später hatte sie ihr Schiff an den Ostseekai bugsiert. Auf der Brücke kann die Schiffsführerin sehen, wie 30 Meter tiefer fast 2000 Passagiere den Luxusliner verlassen. Busse und Taxen warten und bringen die Kreuzfahrer zu Tagestouren nach Hamburg, Lübeck oder ins Umland. Nur sehr wenige Menschen bleiben an Bord, genießen die ersten Sonnenstrahlen über der Kieler Skyline im Pool. „Kiel ist einfach ein wundervoller Hafen“, sagt Inger Klein Thorhauge. „Wenn man hier festmacht, ist man sofort mitten in der Stadt.“ Dies sei auch für die Besatzung viel schöner, als weit draußen liegen zu müssen, wie in vielen anderen Städten entlang der weltweiten Routen.

 Nach etwa 14 Jahren als Wachoffizierin auf verschiedenen Schiffen wurde die Dänin im Dezember 2010 zur Kapitänin der Cunard-Line befördert – damals als zweite Frau weltweit. Anfangs habe sie sich von dem einen oder anderen Gast immer noch Macho-Sprüche anhören müssen, erinnert sich Inger Klein Thorhauge. Frei übersetzt aus der Kategorie „Frau am Steuer...“, sagt die freundliche Dänin und lacht heute darüber. Denn dies habe sich sehr schnell gegeben. „Die allermeisten meiner Erfahrungen mit Passagieren und Crew sind sehr schön“, sagt die Chefin, die auf den Färöer-Inseln aufgewachsen ist und schon als Kind zur See fahren wollte.

 Ein Großteil ihrer Arbeit besteht – wie auch bei ihren männlichen Kollegen an Bord der großen Schiffe – aus dem Kontakt mit den Passagieren. Kapitäns-Dinner, Empfänge und vor allem Hochzeiten sind bei der zahlungskräftigen Klientel an Bord der Ozeanriesen sehr beliebt. „Mir macht dieser Teil der Arbeit viel Spaß. Besonders die Hochzeiten“, sagt Inger Klein Thorhauge. Denn dann seien alle Menschen fröhlich und gut gelaunt. Doch der Kontakt mit den Gästen kann auch anstrengend werden. „Immer wenn ich durch das Schiff laufe, greifen Passagiere nach ihren Kameras und machen Fotos. Dann heißt es lächeln.“

 Und obwohl sie das riesige Schiff auch durch die Karibik steuert, sind ihr die Ostsee und ihre Hafenstädte sehr ans Herz gewachsen, sagt Inger Klein Thorhauge. Unterhalten kann sie sich dort. Neben ihrer Muttersprache Färöisch spricht die Kapitänin der „Queen Elizabeth“ auch Englisch, Norwegisch, Dänisch, Schwedisch, Deutsch und lernt derzeit Französisch und Italienisch.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
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